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Angst im Asylheim

Zwei Tunesier sollen in Schmiedeberg Mitbewohner zu einer Hetzjagd aufgestachelt haben. Jetzt begann der Prozess.

© Egbert Kamprath

Von Yvonne Popp

Sein leiblicher Vater sei der König von Marokko, sagt Hedi F. am Amtsgericht in Pirna. Dafür hätte er auch Beweise. Gesehen habe er ihn allerdings nur einmal. Ob der Richter nicht helfen könnte, Kontakt herzustellen, fragte der 22-Jährige dann. Dafür ist das Schöffengericht in Pirna aber nicht zuständig. Das hat sich um andere Dinge zu kümmern, in diesem Fall um das Verfahren gegen Hedi F. und Mohamed L.

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Die beiden Männer aus Tunesien sollen im April 2015 im Asylheim in Schmiedeberg eine Gruppe Eritreer angegriffen haben. Den Anlass dazu gab wohl ein Vorfall mit einem Handy. Mohamed L. hatte von einem der Männer verlangt, dass dieser ihm den Code für den Internetzugang in dessen Handy herausgibt. Das wollte der Eritreer aber nicht tun. Mohamed L. wurde wütend und versetzte dem Mann einen heftigen Kopfstoß. Der Streit eskalierte.

Die beiden Angeklagten sollen, zusammen mit zwei weiteren Männern, regelrecht Jagd auf ihre Mitbewohner aus Eritrea gemacht haben. Im Flur des Schmiedeberger Heimes warfen sie Bierflaschen und Steine. Auch Messer wurden gezückt. Schließlich flog ein Fernseher in Richtung der Eritreer. Verängstigt schlossen sich diese in einem Zimmer ein. Aber das nützte wenig. Mit einem Feuerlöscher soll Hedi F. ein Loch in die Tür geschlagen und anschließend das Löschmittel im Raum versprüht haben. „Weil ich nicht mehr atmen konnte, bin ich aus dem Fenster geklettert“, berichtete eines der Opfer vor Gericht. Doch die Angreifer hätten nicht lockergelassen und ihm mit einer Bratpfanne auf die Hände geschlagen, sodass er den Halt verlor und rund sechs Meter tief stürzte. Danach hätten die Männer wieder einen Fernseher geworfen, der ihn nur knapp verfehlte. Zwei Eritreer, die sich mit ihm im Zimmer versteckt hatten, sprangen ebenfalls vor Angst aus dem Fenster. Einer verletzte sich schwer an der Wirbelsäule.

Hedi L. bestreitet die Attacke. Am Amtsgericht erzählt er, dass er am betreffenden Tag gar nicht in Schmiedeberg gewesen sei, sondern in Berlin. Irgendwo müsse er noch das Busticket haben. Das Schöffengericht aber bezweifelt diese Aussage. Aus gutem Grund, denn der Tunesier, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, wirkt während der Verhandlung verwirrt. Zur Feststellung seiner Schuldfähigkeit hat das Gericht nun einen Gutachter beauftragt.

Der mitangeklagte Mohamed L. leugnet ebenfalls seine Beteiligung an den Übergriffen. Den Kopfstoß gegen einen der Eritreer räumt der 30-Jährige aber ein. Auch Anklagepunkte, die mit der Jagd auf die Mitbewohner im Heim nichts zu tun haben, gibt er zu. So hatte er im Dresdner TK-Maxx ein T-Shirt gestohlen, bei einer Personenkontrolle nach einem Polizeibeamten getreten und er war mehrmals ohne zu bezahlen mit Bahn und Bus gefahren.

Da ihn keiner der Geschädigten mit den schweren Übergriffen im Heim in Verbindung bringen konnte, wurde Mohamed L. nur für die Taten, die er gestanden hat, zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt.

Das Verfahren gegen Hedi F. aber geht weiter. Er muss sich nach der Begutachtung durch einen Psychiater erneut der Justiz stellen.