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"Angst vor Corona darf nicht überwiegen"

Ins Görlitzer Klinikum kommen weniger Herzinfarkts- und Schlaganfall-Patienten. Die Krankenhaus-Leitung vermutet einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Haupteingang des Görlitzer Klinikums
Haupteingang des Görlitzer Klinikums © Nikolai Schmidt (Archiv)

Das Görlitzer Klinikum meldet für April ein Drittel weniger Herzinfarktpatienten und 25 Prozent weniger Patienten in der Notaufnahme. „Leider können wir nicht davon ausgehen, dass es schlicht weniger medizinische Notfälle gibt“, sagt der Medizinische Direktor, Dr. Eric Hempel. Allerdings stellen sich fast ausnahmslos nur noch Menschen mit erheblichen Beschwerden im Krankenhaus als Notfälle vor, schreibt Krankenhaus-Sprecherin Katja Pietsch in einer Pressemeldung.

Deutlich weniger Patienten kommen wegen Kleinigkeiten oder seit längerem unverändert bestehenden Krankheiten in die Notaufnahme. „Das an sich wäre begrüßenswert, aber es besteht die Gefahr, dass eine zweite Patientengruppe aus dem Blickfeld gerät“, so Dr. Hempel. Er spricht dabei von Menschen, bei denen plötzlich geringe, aber immer mehr zunehmende Beschwerden einsetzen und die den Arztbesuch zu lange hinauszögern. Ein lebensbedrohlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall kann dann nicht rechtzeitig behandelt werden.

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Rückgang ist bundesweites Phänomen

Der Rückgang medizinischer Notfälle ist laut Pietsch derzeit ein deutschlandweites Phänomen. Vieles spreche dafür, dass es sich um einen Nebeneffekt der Corona-Pandemie handele. Aus Angst vor einer Infektion gehen Patienten entweder gar nicht zum Arzt oder in die Notaufnahme oder erst dann, wenn es nicht mehr anders geht. Nicht selten komme es zu sehr schweren Krankheitsverläufen.

„Unser dringender Appell an alle Bürger ist deshalb: Bitte gehen Sie zum Arzt oder in die Notaufnahme, wenn es Ihnen schlecht geht“, sagt Geschäftsführerin Ulrike Holtzsch. Zudem solle man auf Infarktsymptome achten, hier zähle jede Minute. Insbesondere bei Schlaganfällen oder Herzinfarkten könne Abwarten lebensgefährlich sein. Je eher eine Behandlung eingeleitet werde, desto größer sei die Chance, Folgeschäden zu vermeiden.

Strenges Hygieneregime und Schutzregeln

Die Angst vor Corona dürfe nicht überwiegen. Im Klinikum gebe es ein strenges Hygieneregime. Es gelten die vom Robert-Koch-Institut gebotenen Schutzregeln. Patienten mit dem Verdacht einer Corona-Virus-Infektion werden auf einer separat eingerichteten Krankenstation isoliert, medizinisch betreut und auf eine Viruserkrankung getestet, insofern sie keine Intensivtherapie benötigen. „Wir testen umgehend bei entsprechenden Anzeichen. Seit mehr als 14 Tagen sind die Testergebnisse glücklicherweise ausnahmslos negativ“, sagte Dr. Hempel am Donnerstag.

Notfälle und schwere Erkrankungen seien im Klinikum auch in den vergangenen Wochen unverändert versorgt worden. Angesichts der stabilen Zahlen im Landkreis und in Görlitz habe das Klinikum bereits vergangene Woche entschieden, die bisher für mögliche Corona-Patienten reservierten, großen Kapazitäten zunehmend zugunsten der Versorgung aller anderen Erkrankungen einzusetzen. „Sollte sich die Lage ändern und die Infektionserkrankungen mit Covid-19 doch dramatisch zunehmen, können wir jederzeit reagieren und diese Patienten gut versorgen“, sagt die Geschäftsführerin. (SZ)

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