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Angst vor dem nächsten Regen

Trotz Rückhaltebeckens ist der Kaitzbach nach dem Starkregen über die Ufer getreten. Die Stadt weist die Schuld von sich.

Von Nora Domschke

Ihre Blumen haben die Flut ohne Schaden überstanden. Nur die Erdbeeren seien verfault, die erste Ernte ist futsch, sagt Karin Knaute. Kein Wunder, schließlich standen die roten Früchte zwei Tage im Wasser des Kaitzbaches. Der war am Dienstag in der vergangenen Woche durch die starken Regenfälle über die Ufer getreten. Karin Knaute, die mit ihrem Mann im Brückenweg wohnt, staunte nicht schlecht, als ihr Garten und die Straße vor dem Haus komplett im Bach versanken.

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Das ist nicht das erste Mal – schon 2002, 2006 und 2013 kämpfte das Mockritzer Ehepaar gegen die Fluten. Und mit ihnen die Kleingärtner der Gartensparte „Am Kaitzbachstrand“. So romantisch, wie der Name vermuten lässt, ist es am Kaitzbach aber nicht immer. Starker Regen lässt das sonst friedlich dahinplätschernde Gewässer innerhalb kurzer Zeit anschwellen und überlaufen.

Das weiß auch das städtische Umweltamt und hat deshalb in den vergangenen Jahren insgesamt fünf Regenrückhaltebecken entlang des Bachlaufes bauen lassen. „Das Problem sind die großen offenen Flächen oberhalb von Kaitz und Mockritz“, sagt Christian Korndörfer, Leiter des Umweltamtes. Von dort fließt das Regenwasser ungebremst in den Kaitzbach. Das Wasser kann nicht im Boden versickern. Durch den Bau der Autobahn 17 habe sich die Situation noch verschärft, so Korndörfer weiter. „Die versiegelten Flächen sind verheerend für die beiden Stadtteile.“

Und nicht nur für die: 2002 flutete der Kaitzbach sogar das Hygienemuseum und Teile des Großen Gartens. „Durch die neuen Rückhaltebecken kann das jetzt verhindert werden“, erklärt Korndörfer. Das hofften auch die Mockritzer für ihre Gärten. Erst Ende 2013 wurde das letzte Rückhaltebecken in Höhe der Babisnauer Straße gebaut und erfolgreich getestet. Deshalb war die Enttäuschung nun besonders groß, als das Wasser – schlimmer als bisher – wieder in die Gärten drang. Die Anwohner und Kleingärtner vermuteten, dass der Durchlauf am Rückhaltebecken während der Regenfälle in der vergangenen Woche nicht verschlossen war.

Doch das ist gar nicht möglich, sagt Christian Korndörfer. „Der Durchlass ist so eng konzipiert, dass er bei einer bestimmten Durchflussmenge das Wasser automatisch anstaut.“ Das habe am vergangenen Dienstag auch tadellos geklappt, so Korndörfer weiter. Mitarbeiter des Umweltamtes seien extra vor Ort gewesen, um die Situation zu überprüfen. Auch, weil die Niederschlagsmengen in dem Gebiet ungewöhnlich hoch waren: In einer halben Stunde regnete es 60 Liter pro Quadratmeter. „Das haben wir noch nie zuvor gemessen.“ Das Zusammenspiel der fünf Rückhaltebecken habe trotzdem gut funktioniert.

Den Mockritzer Gärtnern halfen die Becken allerdings nicht. Wohl auch aufgrund der hohen Niederschlagsmenge kämpften sie gegen die bislang schlimmsten Überschwemmungen. Das bestätigt auch Karin Knaute. „Es liefen sogar einige Keller in unserer Siedlung voll.“ Das habe laut Korndörfer aber nicht unmittelbar mit dem Kaitzbach zu tun. Vielmehr würde das Wasser von den Feldern in den Grund laufen. „Das müssen die Gärtner mit den Landwirten besprechen“, sagt der Chef des Umweltamtes. „Wild abfließendes Wasser muss geduldet werden.“ Für landwirtschaftlich genutzte Flächen und Kleingärten gebe es keinen Anspruch auf einen Flutschutz.

Korndörfer schlägt vor, die Feldränder oberhalb von Mockritz und Kaitz mit Sträuchern und Büschen zu bepflanzen. „Das haben wir an der Nordseite des Kaitzbaches unterhalb der neuen Eigenheimsiedlung gemacht – und es hilft.“ Die Mockritzer Kleingärtner müssen sich nun also selbst um den Schutz von Blumenbeeten, Obst und Gemüse kümmern. Bevor der nächste Regen kommt.