SZ +
Merken

Angst vor dem Verlust der Heimat

Was hat die Bürgerbefragung in Schleife, Trebendorf und Groß Düben im Niederschlesischen Oberlausitzkreis ergeben, in der es um das Bekenntnis der Einwohner zum Sorbischen ging? 40 Prozent der Bürger...

Teilen
Folgen

Was hat die Bürgerbefragung in Schleife, Trebendorf und Groß Düben im Niederschlesischen Oberlausitzkreis ergeben, in der es um das Bekenntnis der Einwohner zum Sorbischen ging?

40 Prozent der Bürger gaben an, über sorbische Sprachkenntnisse zu verfügen, und 56 Prozent der Jugendlichen unter 18 Jahre machten deutlich, dass sie die sorbische Sprache akzeptieren und an ihrem Erhalt mitwirken.

Welche Auswirkungen hat der Bergbau auf das Sorbische?

72 Prozent aller Befragten sehen eine allgemeine Beeinträchtigung, 52 Prozent unter ihnen sogar eine sehr starke. Die große Mehrheit der Einwohner befürchtet, dass die sorbische Sprache und Kultur stark gefährdet sind.

Welche Aufgaben leiten sich daraus für die Domowina ab?

Mit den Leuten, die hier bleiben möchten, im Gespräch bleiben und die Gespräche mit allen Beteiligten auf gleicher Augenhöhe führen. Wir gehen davon aus, dass noch zwei weitere Generationen im Kirchspiel mit der Kohle leben müssen. Deshalb ist die Landespolitik das Zünglein an der Waage. Unsere Leute wollen eine Entscheidung.

Sie kritisieren die Landespolitik. Warum?

Vattenfall als Bergbaubetreiber hat vom Freistaat die Rechte über die Planung. Die Rahmenbedingungen sind gesetzt, aber es zeigt sich, dass bestimmte Probleme von der Landespolitik bezüglich ihrer Langfristigkeit falsch eingeschätzt werden.

Sie sind selbst in der Politik aktiv. Was tun Sie in der Sache?

Wir sind im Gespräch mit den Mitgliedern der Domowina-Ortsgruppen im Kirchspiel, des Kreisvorstandes und mit dem Sorbenbeirat im Landkreis. Durch mein politisches Mandat bin ich im „Beirat für die Entwicklungskonzeption Schleife“ tätig und als vom Kreistag gewählter Verbandsrat im „Regionalen Planungsversammlung Oberlausitz/Niederschlesien“. Als stellvertretendes Mitglied des Braunkohleausschusses versuche ich vor allem, durch Gespräche in den verschiedenen Gremien immer wieder auf die Schwierigkeiten hinzuweisen.

Wie zeigen sich die Sorgen im Alltag der Bürger?

Sehr unterschiedlich. Auf jeden Fall wird es hier kein zweites Horno geben. Von drei Gemeinden im Kirchspiel sind nur von zwei Dörfern Ortsteile vom Bergbau betroffen. Das Sorbische im Kirchspiel Schleife kann nur in der Gemeinsamkeit aller, die hier bleiben möchten, überleben.

Gespräch: Jost Schmidtchen