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Angst vor dem Wolf

Torsten Peters von der Naturschutzbehörde will aufklären. Manche wollen seine Argumente nicht hören.

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Von Jürgen Müller

Dicke Luft am Donnerstagabend in der Gaststätte „Güldene Aue“ in Keilbusch. Und das lag nicht nur daran, dass der Raum hoffnungslos überfüllt war. Die Untere Naturschutzbehörde hatte zu einer Veranstaltung zum Wolf eingeladen. Viele Besucher kamen aus anderen Gemeinden, darunter einige Jäger. Torsten Peters von der Unteren Naturschutzbehörde und zuständig für Wolfsmanagement versuchte aufzuklären und die Angst vor dem Wolf zu nehmen. Doch manche wollten seine Argumente nicht hören.

Wie viele Wölfe gibt es derzeit

in Europa?

In ganz Europa leben zehn Wolfspopulationen mit insgesamt rund 20 000 Tieren. Wölfe haben zumindest in Deutschland keine natürlichen Feinde und leben im Durchschnitt 13 Jahre. Sie legen pro Nacht 30 bis 70 Kilometer zurück.

Seit wann gibt es Wölfe

in Sachsen?

Das erste Rudel wurde im Jahr 2000 in der Lausitz gesichtet. 2007 waren es vier Rudel, zwei Jahre später sieben. Im Jahr 2012 zählte man 13 Rudel und Paare in Sachen.

Gibt es Wölfe auch

im Landkreis Meißen?

Ja. Erstmals wurden Wölfe 2011 in der Königsbrücker Heide gesichtet. Inzwischen zählt der gesamte Landkreis Meißen als Wolfseinzugsgebiet.

Stimmt es, dass die Wölfe mit Lkw aus Polen nach Sachsen gebracht wurden?

Das ist Quatsch. Die Legende wird von manchen Jägern in Umlauf gebracht. Tatsächlich ist der Wolf aus Polen von allein eingewandert. Wölfe sind sehr gute Schwimmer. Es ist für sie kein Problem, einen Fluss zu überqueren.

Sind die Wölfe gefährlich

für die Menschen?

Generell nicht. Wölfe können in Kulturlandschaften existieren, ohne eine Gefahr für den Menschen darstellen. Sie sind extrem scheu und gehen dem Menschen aus dem Wege. Es gibt aber Sonderfälle. Gefährlich können Wölfe für Menschen dann werden, wenn sie provoziert und in die Enge getrieben werden oder Tollwut haben.

Was tun, wenn sich ein Wolf bei einer Begegnung nicht zurückzieht?

Man sollte sich bemerkbar machen und langsam zurückgehen. Auf keinen Fall rennen, dann setzt der Jagdtrieb des Wolfes ein. Am besten ist, stehenzubleiben und den Wolf anzuschreien, eventuell etwas nach dem Tier zu werfen. Es ist besser, auf das Tier zuzugehen als von ihm weg.

Wie gefährlich ist der Wolf für Haustiere?

Ein Wolf frisst täglich etwa vier Kilogramm Fleisch. Allerdings sind nur ein halbes Prozent seiner Beute Haustiere.

Wie können Haustiere vor dem Wolf geschützt werden?

Wirkungsvoll ist ein mindestens 90 Zentimeter hoher Elektrozaun. Bei großen Herden sind Hütehunde sinnvoll. „Wölfe jagen nicht im Rudel, sondern einzeln. Sind drei Hütehunde vorhanden, zieht sich der Wolf allein wegen der numerischen Unterlegenheit zurück“, so Peters. Spezielle Herdenhütehunde, die in der Schweiz ausgebildet werden, sind allerdings sehr teuer. Tierhaltern, die sich solche Hunde nicht leisten können oder wollen, empfiehlt Peters, die Tiere nachts in die Ställe zu bringen.

Werden Aufwendungen für Schutzmaßnahmen gefördert?

Ja. Im Freistaat Sachsen gibt es eine Förderung von 60 Prozent der Kosten.

Vernichten Wölfe die gesamte Population von Wild in ihrem Revier?

Nein. Die Wolfsdichte passt sich der Beutetierdichte an. Daher kommt es nicht zu einer erhöhten Wolfsdichte im jeweiligen Rudelterritorium.

Braucht der Mensch

den Wolf?

Diese Frage beantwortete Peters mit einer Gegenfrage: Wieso können wir Menschen nicht akzeptieren, was uns von der Natur gegeben ist? Wer will Gott spielen?

Eine weitere Veranstaltung zum Wolf findet am kommenden Donnerstag, dem 6. Februar um 18.30 Uhr im Talhaus in Golk statt.