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Angst vor der Geröll-Lawine

Schlottwitz. In der Wohnanlage an der Müglitztalstraße warten die Einwohner seit 2002 auf den Bau eines Geschiebefängers.

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Von Maik Brückner

Zurzeit ist es ein Leichtes für Volker Köhn, in das Bachbett neben seinem Haus zu steigen. Es ist trocken, so wie die meiste Zeit im Jahr. Doch der Schlottwitzer hat schon andere Situationen erleben müssen. „Bei der Flut 2002 hat sich der Bach in einen reißenden Strom verwandelt“, erinnert sich der Besitzer eines Reihenhauses oberhalb der Müglitztalstraße. Das Wasser war über die Ufer getreten und hatte Keller und Erdgeschoss überschwemmt. 50 Zentimeter hoch stand es in der Wohnstube, erzählt Volker Köhn beim Vororttermin und zeigt zum Beweis auf zahlreiche Fotos. Auch das Haus von Jürgen Fischer, der am unteren Ende der Kleinsiedlung wohnt, stand unter Wasser.

Einig mit dem Bauamt

Nicht nur die beiden, sondern auch die anderen Bewohner der sechs Reihenhäuser wünschen, dass sich das nicht wiederholt und sehen die Stadt Glashütte in der Pflicht. Doch bisher warten sie vergeblich auf eine Lösung, obwohl es bereits Treffen und Gespräche gab.

So erschien Bauamtsleiter Mario Wolf im Februar 2004 zu einem Vororttermin. Anwohner und Verwaltung schauten sich gemeinsam den Waldbach an. Dieser fließt von den Hängen bis kurz vor der Siedlung in einem offen Bett. Einige Meter oberhalb der Siedlung wurde in den 1960er Jahren ein sogenanntes Kaskadenbauwerk aus Steinen und Beton gebaut. Von hier aus läuft das Wasser dann durch ein Rohr in die Müglitz. Und genau da liegt das Problem. Im August 2002 schob das Wasser viele Steine ins Tal. Die Gerölllawine setzte nicht nur das Kaskadenbauwerk und das Rohr zu, sondern hinterließ auch auf dem Grundstück der Familie Köhn ihre Spuren: „Vor unserem Haus lagen etwa 35 Tonnen Geröll, um das Haus herum etwa 15 Tonnen Sand und im Keller nochmal 1,5 Tonnen Sand“, berichtet Köhn.

Inzwischen ist davon nichts mehr zu sehen. Dafür blieb die Angst vor der nächsten Flut. Gänzlich gebannt werden könne sie aus Sicht von Köhn und Fischer nicht. Allerdings könnte die Stadt Vorkehrungen treffen, dass die Siedlung zumindest vor künftigen Gerölllawinen verschont bleibt. Dazu müssten am Oberlauf ein oder zwei sogenannte Geröll- und Geschiebefänge gebaut werden. Auch Bauamtschef Wolf sieht darin eine Lösung. Uneins sind sich Anwohner und Verwaltung allerdings über den Zeitpunkt der Realisierung. Köhn hat den Bauamtschef so verstanden, dass 2005 etwas geschehen sollte. Doch nichts ist passiert. Deshalb ist nicht nur er verärgert, auch andere Anwohner sehen sich mit ihren Sorgen allein gelassen. „Wir haben Angst, dass sich die Ereignisse von 2002 wiederholen. Die Stadt muss unsere Sorgen ernst nehmen“, sagt Jürgen Fischer.

Stadt kontrolliert regelmäßig

Das tue die Stadt, versichert der Bauamtschef: „Unser Bauhof kontrolliert regelmäßig das Kaskadenbauwerk“, so Wolf. „Außerdem hat Herr Köhn die Zusage, dass beim nächsten Starkregen sofort jemand vom Bauamt vorbei kommt“. Wolf widerspricht allerdings der Darstellung Köhns, wonach er bereits angekündigt haben soll, wann mit dem Bau des Geschiebefanges zu rechnen ist. „Ich habe keine terminliche Zusagen gegeben“, beteuert der Bauamtsleiter. Die Stadt habe nur begrenzte finanzielle Möglichkeiten. Deshalb hat das Bauamt eine Prioritätenliste für alle zu bauenden Geröllfänger erarbeitet. Ob der oder die nächsten Geschiebefänge am Waldbach 2007 oder 2008 errichtet werden, entscheide der Stadtrat in den nächsten Wochen in der Haushaltsplanung, erläutert Wolf. Von daher könne er sich nicht festlegen, wann der Bau beginnt.

Weder Volker Köhn noch Jürgen Fischer wollen länger warten. Denn nach dem Hochwasser 2002 hat sich die Situation verschlechtert. Oberhalb des Siedlung wurden in den vergangenen Monaten viele Bäume gefällt. Deshalb könne der Wald bei Starkregen nicht mehr so viel Wasser aufnehmen. „Und damit ist die Gefahr für uns größer geworden“, sagt Volker Köhn.