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Radebeul

Angst vor neuen Attacken auf die Tiere

Viele Moritzburger sind in Sorge um ihre Pferde. Dienstagnacht wurde die Polizei erneut gerufen.

Die 26-jährige Stute ist ein zutrauliches Tier. Der Mann, der sich in der Nacht zum Sonnabend an ihr verging, hatte so offenbar leichtes Spiel.
Die 26-jährige Stute ist ein zutrauliches Tier. Der Mann, der sich in der Nacht zum Sonnabend an ihr verging, hatte so offenbar leichtes Spiel. © Arvid Müller

Moritzburg. Die Nerven liegen blank. Nachdem in der Pferdegemeinde Moritzburg Freitagnacht eine Stute misshandelt wurde und der mutmaßliche Täter nach seiner Festnahme wieder auf freiem Fuß ist, sind Pferdehalter beunruhigt. „Wir haben furchtbare Angst, dass dieser Irre noch einmal wiederkommt“, sagt die Moritzburgerin, der die 26 Jahre alte Stute gehört. Die Frau möchte, dass andere Tierhalter im Ort gewarnt und sensibilisiert werden, auf ihre Tiere aufzupassen. Ihren Namen will sie indes lieber nicht in der Zeitung sehen.

Wie groß die Aufregung nach dem Übergriff auf die Stute ist, zeigte sich Dienstagnacht. Da beobachteten die Moritzburger gegen halb vier, wie in der Nähe des Tatorts an der alten Mittelschule jemand mit einer Taschenlampe herumschlich. Die gerufene Polizei rückte mit drei Fahrzeugen an. Der angetroffene Mann hatte allerdings nichts Böses im Sinn. Er wollte lediglich Fledermäuse beobachten.

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Anders als der 45-Jährige, den die Beamten in der Nacht zum Sonnabend bei seinem Fluchtversuch von der Pferdekoppel dingfest machten. Die Polizei hatte am Montag auf SZ-Anfrage mitgeteilt, dass es eindeutige Hinweise gegeben habe, dass der in Dresden Wohnende für die Verletzung der Stute verantwortlich ist.

Wie die Pferdehalterin erzählt, sei der Mann gegen 22.30 Uhr zum ersten Mal aufgetaucht. „Eine Nachbarin hat geklingelt und uns darauf aufmerksam gemacht, dass jemand auf unserer Koppel ist.“ Der Mann habe herumgeschrien. Unter anderem, dass er vom LKA sei und seine Kollegen rufe. „Wir haben daraufhin die Polizei verständigt und eine Personenbeschreibung durchgegeben“, sagt die Moritzburgerin. „Wir dachten, er ist betrunken.“

Der Mann sei zum nächsten Gehöft weitergezogen und schließlich von den Beamten gefunden worden, die ihm einen Platzverweis erteilten. Erfolglos, wie sich im weiteren Verlauf der Nacht herausstellte. Denn der 45-Jährige kehrte zurück auf die Koppel der Moritzburgerin. Ihr Schwiegersohn, der nach der vorangegangen Aufregung noch aufgeblieben war, merkte schließlich, dass auf der Koppel wieder Bewegung war. Diesmal kam die Polizei allerdings zu spät. Denn der Mann hatte sich bereits an der Stute vergangen.

„Sie ist ja schon sehr alt, war viele Jahre im Schulbetrieb. Da sie sehr zutraulich ist, nicht wegläuft und auch nicht ausschlägt, ist es kein Problem, an sie heranzukommen“, sagt die Moritzburgerin. Der Mann habe hinter dem Tier gelegen. Womit der Stute die Verletzungen an der Scheide zugefügt wurden, stehe allerdings noch nicht fest. Gefunden habe man bisher nichts, sagten Polizei und Tierhalterin übereinstimmend. „Wieso auf Facebook von einem Messer die Rede ist, verstehe ich nicht“, sagt die Frau.

Dort ist in einem Post auch eine Personenbeschreibung zu finden. Sogar ein Foto des mutmaßlichen Täters war kurzzeitig eingestellt worden. Der Mann hatte, bevor er sich auf der Koppel herumtrieb, offenbar schon eine lautstarke Auseinandersetzung an einer Bushaltestelle in Moritzburg gehabt. Dabei war möglicherweise auch das Foto entstanden.

Bei der Polizei sieht man diese Posts kritisch. Bei allem Verständnis, Bürger warnen zu wollen, sei das grenzwertig. Da könne man sehr schnell mit dem Zivil- und Persönlichkeitsrecht in Konflikt kommen.

Auch der Moritzburgerin ist nicht wohl dabei, wenn solche Informationen im Netz verbreitet werden. Allerdings weiß sie auch nicht richtig, wie es nun weitergeht. Denn die Polizei, für die der Dresdner aufgrund anderer Delikte kein Unbekannter ist, musste ihn wieder laufenlassen. „Der Mann ist doch offensichtlich psychisch krank. Was, wenn er wiederkommt und es erneut versucht“, so die Pferdehalterin.

Dass ihre Stute den Übergriff überlebt hat, sei dem Einsatz des Tierarztes zu verdanken, ist sich die Moritzburgerin sicher. Der habe dem Tier sofort Schmerzmittel und Antibiotika gegeben und auch die Schwellungen behandelt.

Von der Polizei gibt es keine weiteren Informationen zum Stand der Ermittlungen. Allerdings die klare Auskunft, dass der Mann nicht zum LKA oder anderen Polizeidienststellen gehöre. Im Zuge der Ermittlungen erfolge auch ein Abgleich mit ähnlichen Taten.

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So hatte sich im November 2016 ein Unbekannter mit einem auf eine Eisenstange montierten Dildo an einer Stute in Scharfenberg vergangen. Das Pferd musste aufrund schwerer Verletzungen eingeschläfert werden. Die Hinterhufe des Tieres waren offenbar mit Draht gefesselt worden. Dieser hatte Fleischwunden bis auf die Knochen verursacht. Sehnen und Bänder waren durchgetrennt. Der Täter wurde nicht gefunden, das Verfahren schließlich eingestellt, sagt Pferdewirtin Janell Baader.