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Anker für den Alltag

Das Radeberger Mehrgenerationenzentrum bietet alten und jungen Menschen einen Anlaufpunkt.

Andere Menschen glücklich machen, das ist das Credo von MGZ-Chefin Monika Mitschke.
Andere Menschen glücklich machen, das ist das Credo von MGZ-Chefin Monika Mitschke. © René Plaul

Radeberg. In der kommenden Woche wird wohl Mathias Kockert bei den älteren Herrschaften vorbeischauen, die sich jeden Mittwoch im Radeberger Mehrgenerationenzentrum (MGZ) zur allwöchentlichen Themenrunde treffen. Jedenfalls ist das so geplant.

Vielleicht wird er darüber plaudern, wie das Leben als Kommunalpolitiker so ist. Und die Rentner dürften auch neugierig sein, mal zu erfahren, wie sich ein Mann wie Mathias Kockert, der für seine Partei als Direktkandidat in die bevorstehende Landtagswahl geht, sich auf dieses Ereignis vorbereitet. Der CDU-Mann hat es dann nicht weit zu dieser Plauderrunde. Ein paar Meter, und schon ist er „in unserem Schmückstück“, wie Monika Mitschke die Räumlichkeiten beschreibt, die sich neben dem MGZ befinden. Früher ein „Eine-Welt“-Laden, treffen sich jetzt hier Rentner zum Kaffeetrinken. Man trifft sich, plaudert, fühlt sich aufgehoben. An anderen Tagen geht man dort einem Traditionshandwerk nach, dass sich in der heutigen technisierten Welt behauptet hat: dem Klöppeln. Gut, jetzt im Sommer, da sei nicht so viel los, und dann noch diese Hitze, erzählt die 65-Jährige. Aber sonst sei das in der Hauptstraße 23 gelegene Haus „immer voller Leben“.

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Mittlere Generation fehlt

Monika Mitschke ist die Vorstandsvorsitzende der Vereines „Mehrgenerationenhaus Radeberg“, der derzeit über rund 30 Mitglieder verfügt. Seit 2011 besteht das MGZ, das ja auch so etwas wie ein Treff der Generationen, sein soll. Hier treffen sich Mütter samt ihrer Babys mit Rentner zum Plaudern. Was fehlt „ist die mittlere Generation“, so die Vorstandsvorsitzende, die 30- bis 50-Jährigen. Die verirrten sich aber selten hierher, erklärt die MGZ-Chefin, die das jedoch nachvollziehen kann. Es ist eben eine Klientel, die zumeist fest im Berufsleben steckt. Obwohl man auch für diese Altersgruppe offen sei, so Mitschke. Aber sie weiß natürlich, dass das ein Problem ist, dass viele Mehrgenerationenhäuser haben, die ja eigentlich als Netzwerk der Generationen verstanden werden. Dennoch: Es gebe selbstverständlich Verbindungen zwischen Alt und Jung, schildert die MGZ-Leiterin. An solchen Orten könne man voneinander lernen. Was? Toleranz, Verständnis und das jede Generation mit einem anderen Werteverständnis aufwächst. Das gehört einfach zum Kontext einer solchen Einrichtung. Monika Mitschke spricht von den Feiern, von den Veranstaltungen, bei denen mandas Haus auch besuchen kann. Beim Radeberger Stadtfest, wo man natürlich mitmache, seien es oft etliche Dresdner, die vorbeischauten und „immer betonen, wie angetan sie sich fühlen, von dem, was wir hier anbieten“, so Mitschke weiter. Die 65-Jährige spricht davon, dass es eine Handvoll Vereinsmitglieder seien, die, ja, das kann man so sagen, den Betrieb aufrechterhalten. Zumeist sind es Rentner, die natürlich Zeit hätten. Jüngere Menschen könne man nur sehr schwer für ein solches Ehrenamt gewinnen. „Gibt ja nichts zu verdienen“, so Mitschke weiter. Das halte dann viele ab, bedauert sie. Obwohl sie es auch irgendwie nachvollziehen kann. „Das ist halt heute so“, meint sie. Dieses Problem hätten viele Vereine, in der Region, im ganzen Land.

In den Treff kommen meist die Gleichen, der Personenkreis ist mit rund 50 Menschen unterschiedlichen Alters überschaubar. Da seien die Mütter mit ihren Kleinkindern, für die der Frühstückstreff eine Möglichkeit sei, sich auszutauschen, während die Kleinen miteinander spielten. Zu den Themenrunden kämen meist eine Handvoll Rentner, für die bedeutet dieser Treff oft mehr als nur ein Dabeisein, es ist für manchen der Anker im Alltag. Die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder opfern ihre Freizeit, müssen sich mit bürokratischen Hürden herumschlagen und schöpfen ihre Kraft zum Weitermachen vor allem daraus, „dass wir anderen eine schöne Zeit bereiten“. Menschen wie Monika Mitschke sind in solchen Institutionen gut aufgehoben. „Ich kann hier mein Helfersyndrom ausleben.“ Allerdings fragt sie sich schon, wie es weitergehen soll mit dem MGZ. Man werde ja nicht jünger. Wäre schön, wenn sich da Menschen in Radeberg fänden, die „bei uns mitmachten“.

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