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Anmut bis in die Fingerspitzen

In den Dippser Parksälen gastierte am Sonnabend das Russische Nationalballett vor einem vollen Haus.

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Von Heinz Weber

Dippoldiswalde hat nun sein „Stadttheater“. Wolfgang Mende vom Musikverein Dippoldiswalde und das Kulturzentrum machten es möglich: Am Sonnabend gastierte das Russische Nationalballett mit Tschaikowskis „Schwanensee“ im großen Parksaal.

Die Bühne dort, und nicht nur diese, musste allerdings mit großem Aufwand für dieses Ereignis eingerichtet werden, was Kulturzentrums-Chef Thomas Seifert mit seinen Mitarbeitern souverän bewältigte. Es war in der Tat ein Ereignis erster Klasse. Vor dem übervoll besetzten Saal öffnete sich ein Vorhang vor einer märchenhaften Kulisse, und man war verzaubert. Sehr bald hatte man vergessen, dass dieses Ensemble mit einer viel zu kleinen Bühne auskommen musste, dass die auf CD eingespielte Musik ein lebendiges Orchester nicht so recht ersetzen kann.

Beifall für die Tänzer

Schon im 1. Akt war ich wieder mal erstaunt, wie viel westliche Einflüsse dieser russische Großmeister in sich verarbeitet hatte. So war in einem der ersten Walzer ganz deutlich die wienerisch betonte „Zwei“ im Dreiertakt zu hören. Und das Corps de ballet verzückte uns mit seiner bis in die Fingerspitzen reichenden Anmut.

Eine Anzahl Solotänzerinnen hatte Gelegenheit, ihr technisches Können unter Beweis zu stellen, was man nur verstehen kann, wenn man weiß, wie mühevoll der Weg bis zu einer solchen Leistung ist, wie man im Exercise viel tausendmal den einen oder anderen Sprung oder eine Pirouette üben muss. Der Haushofmeister in Gestalt eines Harlekins begeisterte mit seiner Virtuosität und seiner Pantomime das Publikum, das immer wieder Zwischenbeifall gab.

Schade, dass man nicht erfahren konnte, wer der Choreograph dieser Aufführung war und welches Orchester die Musik eingespielt hatte, eine außerordentlich tänzerische Musik, die tänzerische Bewegung geradezu herausfordert.

Ja, Russland und Frankreich waren im vorvergangenen Jahrhundert die Länder geworden, in denen künstlerischer Tanz große Bedeutung erfuhr. Im Parksaal waren auch Kinder. Die werden Augen gemacht haben, als im Reiche des Zauberers Nebel aufstieg und Blitz und Donner Furcht erregten.