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Anspruchsvolle Chormusik

In die Kirche Berggießhübel musste man fahren, um ein Chorkonzert zu erleben, das in Anspruch und in Qualität der Darbietung seinesgleichen suchen kann. Das Sächsische Vocalensemble unter seinem Leiter...

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Von Hans Peter Altmann

In die Kirche Berggießhübel musste man fahren, um ein Chorkonzert zu erleben, das in Anspruch und in Qualität der Darbietung seinesgleichen suchen kann. Das Sächsische Vocalensemble unter seinem Leiter Matthias Jung bot mit Werken von Carlo Gesualdo di Venosa, Luca Marenzio und Claudio Monteverdi ein Programm, das für viele Musikfreunde einer Reise in unbekannte Regionen gleichkam. Erstaunlich dabei war es, wie gut das Konzert besucht war. Die drei Italiener stehen für eine Zeit, in der sich das Madrigal in gesteigerter Wortausdeutung darstellt, damit einen absoluten Höhepunkt erreichend. Gesualdo schrieb drei Reihen von „Responsorien“, in denen sich das Geschehen von Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonnabend spiegelt.

Wir hörten jene des ersten Tages, beginnend mit den Vorgängen auf dem Ölberg, von Angst und Verzweiflung Jesu, von Verrat und Gefangennahme. Um die Identifikation der Sängerinnen und Sänger mit dem Wort nachvollziehen zu können, wäre eine Übersetzung der Überschriften hilfreich gewesen. Dann nämlich hätte jeder gebannt sein können von der außerordentlichen Hingabe, mit der die enormen Schwierigkeiten (vor allem im Bereich der Harmonik) souverän ad absurdum geführt wurden, um damit ausdrucksmäßig dem Wort zu entsprechen. Die Ensemblemitglieder benötigen im Prinzip kein neues Anstimmen nach jedem Teil, sondern leiten (bis auf eine einzige Ausnahme) vom Schluss des einen den Beginn des nächsten Abschnittes ab – welche Musikalität!

Die folgenden Beiträge von Marenzio glichen einer „Erleichterung“, wenngleich sie in einen zwölfstimmigen (!), dreichörigen Titel (Über den Flüssen Babylons) mündeten. Wie „nahe“, wie modern wirkten die Beiträge Claudio Monteverdis, an deren Ende der Beifall so herzlich und intensiv aufkam, dass eine Zugabe fällig wurde. Was hätte in Zeiten von Sorge und Befürchtungen besser passen können als die Heinrich-Schütz-Motette „Verleih’ uns Frieden gnädiglich“? Damit wurde der Altarplatz zum aktuellen Forum.

Auch 2003 wird der schöne Brauch beibehalten, Musikschüler in einem Vorprogramm auftreten zu lassen. Mit dem Kammerorchester der Musikschule Sächsische Schweiz unter Bernd Flemming spielten Rolf Uwe Ulbrich und Theresa Nentwig das Doppelkonzert für zwei Violinen BWV 1043 von Johann Sebastian Bach, mit festem Zugriff in den Soli, mit beachtlicher Partnerschaft durch das krankheitshalber dezimierte Orchester. Lediglich im 3. Satz drohte das Schiff ein wenig vom Kurs abzukommen, fand aber immer wieder ins rechte Fahrwasser.