merken
PLUS Landtagswahl 2019

Ansturm auf Briefwahl in Sachsen

Schon bei der Europawahl kamen viele Wählerstimmen mit der Post, zur Landtagswahl werden es noch mehr. Was sind die Gründe dafür?

Schon bei der Europawahl hatten die sächsischen Kommunen viel zu tun mit der Auszählung der Briefwahlstimmen.
Schon bei der Europawahl hatten die sächsischen Kommunen viel zu tun mit der Auszählung der Briefwahlstimmen. © Egbert Kamprath

Sein Kreuz zu Hause machen, statt in der Wahlkabine: Dafür entscheiden sich in Sachsen immer mehr Wähler. Die Behörden im Freistaat und die Kommunen erwarten zur Landtagswahl am 1. September einen weiteren Anstieg bei der Zahl der Briefwähler. Bereits jetzt übersteigen die Briefwahlanträge in einigen sächsischen Städten und Gemeinden den Briefwähleranteil bei vergangenen Wahlen.

So forderten in Dresden bis Freitag vergangener Woche 91.034 Bürger entsprechende Unterlagen an. Bei den Landtagswahlen 2014 stimmten in der Landeshauptstadt rund 68.100 Menschen per Brief ab, bei den Landtagswahlen 2009 waren es nur 46.100 gewesen. Bei der Europawahl 2019 lag der Anteil der Briefwähler in Dresden mit 29 Prozent sachsenweit am höchsten. In Görlitz wurden bisher 5.234 Mal Briefwahlunterlagen herausgegeben, 2014 stimmten zur Landtagswahl nur 3.958 Wahlberechtigte per Brief ab.

Anzeige
Sommer, Sonne, Sonnenschutz
Sommer, Sonne, Sonnenschutz

Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

In Zittau lag die Zahl der ausgegebenen Briefwahlunterlagen am Freitag mit 2.650 deutlich über dem Endniveau der letzten Landtagswahl (1.850), in Bautzen registrierte das Rathaus bislang über 400 Anträge mehr als 2014. Auch in den sächsischen Gemeinden werden viele Bürger ihre Stimme am ersten September nicht im Wahllokal abgeben. In Ottendorf-Okrilla etwa erwartet man im Rathaus ein ähnlich hohes Niveau wie zu den Landtagswahlen 2014. Dies liege auch daran, dass seit 2009 keine Begründung mehr notwendig ist, um die Briefwahlunterlagen zu beantragen.

„Die Mehrheit der Briefwähler ist nicht verhindert, sondern stimmt aus Bequemlichkeit per Brief ab“, so Bernd Borowski, Sachbearbeiter der Gemeindeverwaltung. Mitarbeiter aus anderen Kommunen machen auch eine veränderte Lebensweise der Menschen als Ursache für die Beliebtheit der Briefwahl aus. Das decke sich mit Studien, so Dr. Christoph Meißelbach, Politikwissenschaftler an der TU Dresden. „Es handelt sich um einen allgemeinen Trend. In unserer Gesellschaft nimmt der Anteil älterer Menschen zu, die weniger mobil sind“, sagt Meißelbach. 

Auch wachse die Anzahl an Menschen, die in Großstädten leben. „Dort will man sich nicht auf einen Wahltermin festlegen, sondern sich alles offen halten, flexibel bleiben. Außerdem wählen weniger Menschen immer dieselbe Partei. Die Briefwahl ist auch für solche Menschen besonders attraktiv – wohl, weil man ganz in Ruhe entscheiden kann.“

Als Reaktion auf den Anstieg seien mehr Briefwahlbezirke eingerichtet worden, so der stellvertretende Landeswahlleiter Robert Kluger. Trotz des Mehraufwands bei den Auszählungen werbe man aber bewusst mit der Briefwahl, um Nichtwähler zu mobilisieren.

Mehr zum Thema Landtagswahl 2019