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Ansturm auf die Weingüter

Zum 20. Tag des offenen Weingutes können sich die Winzer erneut über ein großes Besucherinteresse freuen.

Mit einem Glas Scheurebe stoßen Gabriele Schütze und ihre Freunde beim Tag des offenen Weinguts im Garten des Weingutes Matyas in Coswig an.
Mit einem Glas Scheurebe stoßen Gabriele Schütze und ihre Freunde beim Tag des offenen Weinguts im Garten des Weingutes Matyas in Coswig an. ©   Norbert Millauer

Radebeul. Der Aufstieg ist kein Kinderspiel, aber zu schaffen. Vorbei an saftig grünen Weinreben erklimmen vier Frauen am Sonnabend den Weinberg von Karl-Friedrich Aust in Radebeul. Auf einer Picknickdecke machen sie es sich bequem und genießen den Ausblick über die Landschaft. 

„Ich besuche den Tag des offenen Weingutes zum ersten Mal, und es gefällt mir sehr gut“, sagt die Radebeulerin Andrea Nowak. Zuvor seien sie schon in der Hoflößnitz gewesen und möchten später mit ihren Gästen aus Schwerin auch noch Richtung Meißen fahren, so Nowak. 

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Ihre Tochter Liza ergänzt: „Das Schöne ist, dass man hier in Radebeul auch vieles erlaufen kann. Einfach mal anhalten, sich umschauen und die Umgebung auf sich wirken lassen“, beschreibt sie ihre Eindrücke.

Winzer Karl-Friedrich Aust hält die Mischung aus Wein, Landschaft und entspannter Atmosphäre für ein Erfolgsrezept des jährlich wiederkehrenden Aktionstages. Neben dem Wein, der die Hauptrolle spiele, komme vor allem die Weitläufigkeit seines Weingutes bei den Leuten an. 

„Wir merken das immer gegen Nachmittag, wenn sich zusätzlich zu den Bänken und Tischen auch die Liegewiese füllt. Besonders junge Leute setzen sich lieber auf die Wiese“, sagt Karl-Friedrich Aust, der an diesem Tag alle zwei Stunden eine Führung durch sein Weingut anbietet. 

„Im Anschluss empfehle ich dann immer bestimmte Weine, wie zum Beispiel unseren Bacchus. Für die Gäste ist das die seltene Möglichkeit, den Wein 20 Meter entfernt zu genießen, wo er gewachsen ist“, erklärt der Winzer den Reiz des Besuches.

Andrea und Nele Hausmann sowie Liza und Andrea Nowak (v.l.n.r.) haben es sich auf einer Picknickdecke gemütlich gemacht. Sie genießen den Wein und die Aussicht.
Andrea und Nele Hausmann sowie Liza und Andrea Nowak (v.l.n.r.) haben es sich auf einer Picknickdecke gemütlich gemacht. Sie genießen den Wein und die Aussicht. ©   Norbert Millauer

Gefrorener Rosé bei Sommerhitze

Als besondere Attraktion hat er in diesem Jahr eine Neuheit im Programm: den „Frozen Rosé“, also einen gefrorenen Rosé. „Die Idee habe ich aus dem Urlaub in New York mitgebracht. Ich habe diesen Rosé dort kennengelernt und wollte es gern zu Hause ausprobieren.“

Die Gäste nehmen auch dieses Angebot an und sind in bester Stimmung. Nicht wenige laufen beim Abschied an Karl-Friedrich Aust vorbei und rufen ihm zu: „War wieder schön bei Ihnen.“ Obwohl der Winzer um die Anziehungskraft seines Weingutes weiß, freut er sich jedes Mal über die Gäste. „Ein bisschen aufgeregt ist man ja trotzdem. Ich denke zunächst immer: Hoffentlich kommt auch jemand. Und dann ist plötzlich alles voll.“

Perfekt ist die Idylle, als um kurz vor 15 Uhr Helene Winkler und Jeva Blum vorbeischauen. Auf dem Cello und der Geige stimmen sie klassische Musikstücke an. „Wir spielen Duette, unter anderem von Breval, Bach und Vivaldi“, sagt Helene Winkler, die ebenso wie Jeva Blum gerade ihr Abitur am Sächsischen Landesgymnasium für Musik Carl Maria von Weber abgelegt hat.

Ähnlich ausgelassen wie in Radebeul ist die Stimmung zu dieser Zeit im Weingut Matyas in Coswig. Allerdings erklingen dort eher Gassenhauer wie „Die kleine Kneipe von nebenan“. Kaum ein Platz ist noch frei. Überall sitzen Gäste und erfreuen sich an ihrem Wein.

Auch Gabriele Schütze aus dem Nünchritzer Ortsteil Merschwitz hat sich gemeinsam mit mehreren Freunden wieder auf den Weg gemacht. „Wir waren schon voriges Jahr im Weingut Matyas. Weil es uns gut gefallen hat, sind wir gern zurückgekehrt.“ Letztes Jahr hätten sie insgesamt drei Weingüter besucht. Diesmal möchten sie gern vier schaffen, sagt Gabriele Schütze, die gern die Sorte Scheurebe trinkt.

Genauso wie alle anderen Weingüter bietet das Weingut Matyas an diesem Tag eine Dreier-Weinprobe an. „Diese besteht bei uns aus den Sorten Bacchus, Spätburgunder Weißherbst und Grauburgunder“, sagt Inhaberin Andrea Leder. Besonders hoch im Kurs stünden bei den Gästen Bacchus und Scheurebe.

„Das sind leichte und fruchtige Weine. Das kommt gut an“, sagt die Winzerin, die an diesem Tag auch Kellerführungen im Programm hat. So können die Besucher einmal hinter die Kulissen der Weinproduktion schauen. Und die läuft bald wieder auf Hochtouren.

Helene Winkler (li.) und Jeva Blum erfreuten im Weingut von Karl-Friedrich Aust mit klassischer Musik auf Cello und Geige die Besucher.
Helene Winkler (li.) und Jeva Blum erfreuten im Weingut von Karl-Friedrich Aust mit klassischer Musik auf Cello und Geige die Besucher. ©   Norbert Millauer

Winzer erwarten guten Jahrgang

„Die Lese der Trauben wird bei uns zwar nicht so zeitig wie im Vorjahr beginnen, aber Anfang September werden wir loslegen.“ Sie erwarte erneut einen guten Jahrgang, sagt die Winzerin, die etwa 80 Prozent Weißwein und 20 Prozent Rotwein produziert.

Der Klimawandel erweist sich dabei zumindest in unseren Breitengraden als Freund der Winzer. Karl-Friedrich Aust, der nächsten Mittwoch mit der Lese anfängt, verweist auf den Vergleich mit der Badener Region. „Unsere Kunden fragen vermehrt alkoholmoderate Weine nach. Anders als bei uns ist es in Baden aber fast schon zu warm, um diese leichten Weine herzustellen.“

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