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Gärtnereien: "Mit blauem Auge davon gekommen"

Die Dresdner Gärtnereien mussten in der Corona-Zeit nicht schließen und konnten trotzdem nicht alles verkaufen. Jetzt gibt es einen neuen Trend.

Jetzt läuft das Geschäft, aber Thomas Schrön und seine Kollegen von Gartenbau Rülcker konnten in der Corona-Zeit nicht alle Pflanzen planmäßig verkaufen.
Jetzt läuft das Geschäft, aber Thomas Schrön und seine Kollegen von Gartenbau Rülcker konnten in der Corona-Zeit nicht alle Pflanzen planmäßig verkaufen. © René Meinig

Dresden. Es hätte in der Corona-Zeit viel schlimmer kommen könnten. Die meisten Geschäfte mussten schließen, Blumenläden auch, Pflanzen gabs dann in den Supermärkten. Über die, die in Dresden selbst Blumen herstellen, Gemüsepflanzen ziehen und allerlei Balkongewächse bereithalten, wurde damals kaum geredet: die Gärtnereien. Weil sie selbst produzieren durften sie weiter öffnen und verkaufen, was bei ihnen wächst. Nur wusste am Anfang niemand so recht, wie das jetzt funktionieren soll mit den Corona-Regeln. Die Verantwortlichen in den Gärtnereien nicht und ihre Kunden sowieso nicht. Thomas Schrön hat das genau gemerkt. Er ist Geschäftsführer bei Gartenbau Rülcker in Reick. Dort, wo sich mindestens in den letzten zwei Wochen sonnabends die Autos auf der Reicker Straße gestaut haben. Sie warteten auf einen freien Parkplatz vor dem Gartenbaucenter. Danach reihten sich die Autofahrer und ihre Begleiter in die nächste Schlange ein, um einen desinfizierten Einkaufswagen zu bekommen. Ein Wagen pro Kunde, so ist die Regel, damit die Verantwortlichen stets wissen, dass sich die Hobbygärtner und Balkonbepflanzer nicht zu nahe kommen in den Gewächshäusern und an den Kassen.

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"In den ersten Wochen, ja", bestätigt Schrön, da sei das Interesse zunächst gesunken. Die Vergissmeinnicht waren gerade verkaufsbereit, einige wanderten direkt aus er Auslage in den Kompost. Doch inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Die Kunden kommen wieder, viele, und sie stellen sich geduldig in die Warteschlange, ohne zu meckern. Besonders groß war der Ansturm, als die Baumärkte noch geschlossen hatten, sagt Schrön. Er hat Extrapersonal eingestellt, unter anderem, um die Autofahrer auf dem Parkplatz einzuweisen und damit die Einkaufswagen schnell genug desinfiziert werden können. Drei bis vier Mitarbeiter sind das pro Tag. 

So sieht das im Gartencenter an der Reicker Straße derzeit an jedem Sonnabend aus: Die Kunden stehen Schlange, um einen Einkaufswagen zu bekommen. Klagen gibt es deshalb aber nicht.
So sieht das im Gartencenter an der Reicker Straße derzeit an jedem Sonnabend aus: Die Kunden stehen Schlange, um einen Einkaufswagen zu bekommen. Klagen gibt es deshalb aber nicht. © René Meinig

"Jetzt pegelt sich der Ansturm ein",  sagt Schrön und ist zufrieden. Zahlen will er nicht nennen, "abgerechnet wird am Ende des Jahres und vielleicht bekommen wir ja noch einen Shutdown", meint der Geschäftsführer des Gartenbau-Centers nahe der Strehlener Kirche. An den Kassen sei die Arbeit jetzt viel schöner, weil das Gedränge durch die begrenzte Kundenzahl etwas geringer ist. Aber er weiß auch: Jetzt zählt es für die Dresdner, die Balkonpflanzen brauchen oder frisches Grün für den Garten. Einerseits sei das Thema Selbstversorgung sehr präsent, eigene Tomaten oder Gurken im Garten könnten in diesem Jahr Engpässe in den Geschäften ausgleichen helfen, vermutet Schrön über die Motivation der Kunden. Andererseits seien die Besucher des Gartencenters wohl auch daran interessiert, "sich was Schönes machen zu können". Auch angesichts der Möglichkeit, dass Urlaub in diesem Jahr auf Balkonien oder im eigenen Garten stattfinden könnte.

So etwas ist derzeit besonders gefragt. Selbstversorgung ist für viele Pflanzenfreunde nach Corona ein wichtiges Thema, meinen die Gartencenter-Chefs.
So etwas ist derzeit besonders gefragt. Selbstversorgung ist für viele Pflanzenfreunde nach Corona ein wichtiges Thema, meinen die Gartencenter-Chefs. © René Meinig

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Diese Meinung teilt auch sein Kollege Heiko Bertholdt, Chef der gleichnamigen Gärtnerei in Dresden-Briesnitz. "Mit der Perspektive, vielleicht keinen Urlaub machen zu können, will man es im Garten hübsch haben", sagt er. Das merken der Chef der Gärtnerei und seine Frau Manuela, die sonnabends bei der Arbeit hilft, zum Beispiel an der Gurken-Nachfrage. Die Pflanzen ziehen die Briesnitzer selbst im Gewächshaus. Sie sind so gefragt, dass sie knapp geworden sind. Auch Bertholdt bremst, wenn es um ein Corona-Fazit und einen Ausblick auf das gesamte Pflanzenjahr 2020 geht. "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen", sagt Berthold, Zahlen gibts aber erst am Ende des Jahres. "Wir freuen uns, dass die Kunden uns gefunden haben", fasst er die Nachfrage in den Corona-Wochen zusammen. das Geschäft sei nicht schlecht gelaufen, eher habe er etwas zugelegt.

Nicht jeder, der an diesem Sonnabend in einer Gärtnerei shoppen geht, macht das aus Leidenschaft, oder weil die Pflanzzeit läuft. Maik Rülke hat sich die Schutzmaske über Mund und Nase gezogen, seinen Augen kann man trotzdem ansehen, dass er schon mal bessere Laune hatte. Er hält sich am Einkaufswagen fest, in dem gerade mal eine Pflanze steht. Seine Frau begutachtet unterdessen ein paar Meter entfernt, was der Laden zu bieten hat. "Ich bin das erste Mal hier", sagt der Tolkewitzer, der jetzt im Gartencenter Rülcker steht, fast mitten im Kundenstrom. Eigentlich wollten die Eheleute "nur mal schnell was für den Balkon kaufen". Dazu sind sie zu einem Gartenmarkt an der Marienberger Straße gefahren. Doch die Warteschlange war ihnen dort zu lang. Jetzt erträgt Maik Rülke geduldig das Warten in dem Reicker Geschäft. "Das ist halt so", kommentiert er das Begängnis. Nur die vielen Rentner stören ihn, die ausgerechnet am Sonnabend in solche Geschäfte strömen, wenn auch die ansonsten Berufstätigen mal Zeit zum Einkaufen haben. Aber Maik Rülke bleibt heute gelassen und ein wenig versteckt ja auch die Schutzmaske sein Minenspiel. Das hilft, wenn das Gesicht zur Faust geballt ist. Der Betrieb im Gartencenter ist nicht sein Ding. Für Menschen wie Thomas Schrön und Heiko Bertholdt ist er dagegen eine reine Freude. Sie überstehen die Corona-Zeit wahrscheinlich besser, als viele andere Geschäfte.

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