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Antikörpertests sind keine schnelle Lösung

Ein positiver Test bestätigt den Kontakt mit dem Virus, aber keine Immunität. Eine Kolumne von Prof. Dalpke aus dem Corona-Labor in Dresden.

In einem Labor wird eine Probe auf Antikörper gegen das Coronavirus getestet.
In einem Labor wird eine Probe auf Antikörper gegen das Coronavirus getestet. © dpa/Sven Hoppe

Schutzanzüge, Luftschleusen und stets die allergrößte Vorsicht am Arbeitsplatz im Labor: Hier geht es um Viren und Bakterien. Im Sicherheitslabor der Dresdner Universität werden derzeit die Corona-Tests ausgewertet. Dessen Direktor Alexander Dalpke schreibt hier regelmäßig in diesen Zeiten der Corona-Krise für Sächsische.de.

Ich kann die Menschen gut verstehen: Jeder will schnell zurück zur Normalität, wieder ins Restaurant gehen und ohne Grenzen Urlaub planen. Die Einschränkungen fordern uns allen viel Geduld ab. Das wissen auch wir Virologen und die Mitarbeiter im Labor. Leider kennt die Wissenschaft kein Rezept für ein schnelles Zurück in den Alltag. Auch die derzeit viel diskutierten Antikörpertests können da nicht helfen. Immunausweis oder Massentests sind keine Lösung.

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Wir müssen klar benennen, was Antikörpertests können und was nicht. Ein solcher Test weist nach, dass jemand infiziert war oder noch ist. Und das auch nur, wenn die Qualitäten der Tests ausreichend gut sind. Im Moment gibt es leider unterschiedliche Tests auf dem Markt: Einige weisen zwar Antikörper nach, aber sie können nicht belegen, ob diese sich nach einer Infektion mit dem Sars-Corona-Virus2 gebildet haben.

Ein weiteres Problem ist, dass wir noch immer nicht wissen, ob das Vorhandensein von Antikörpern vor einer erneuten Infektion sicher schützt. Ob der Patient immun ist, dass geben diese Tests damit leider nicht aus. Auch wissen wir nicht, wie viele Antikörper im Blut sein müssen, um eine erneute Infektion zu verhindern. Im Moment gehen Virologen und Mediziner von einer großen Wahrscheinlichkeit aus, dass ein geheilter Infizierter eine gewisse Zeit lang immun ist. Wie lange dieser Schutz anhält, können wir nicht sagen.

Prof. Alexander Dalpke ist Direktor der gemeinsamen Institute für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene sowie Virologie der TU Dresden.
Prof. Alexander Dalpke ist Direktor der gemeinsamen Institute für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene sowie Virologie der TU Dresden. © Jürgen Lösel

Kurzum: Ein positiver Antikörpertest bestätigt den Kontakt zum Corona-Virus, aber eben keine Immunität. Trotzdem nutzen Virologen diese Tests. Nämlich dann, wenn wir Gewissheit bei unklaren Diagnosen brauchen. Hat oder hatte ein Patient zwar eindeutige Symptome, wird aber negativ auf Corona-Viren getestet, können wir durch den Nachweis von Antikörpern eine eindeutige Diagnose stellen. Und wir können solche Tests für Studien zum Beispiel zur Durchseuchung nutzen. Für Heinsberg in Nordrhein-Westfalen wurde dies bereits gemacht. So erfahren wir, ob sich unter Umständen schon mehr Menschen infiziert haben, ohne etwas davon zu merken oder bei schwachen Symptomen diese entsprechend zu deuten.

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Leider werden derzeit zu viele Hoffnungen in zuverlässige Antikörpertests gesetzt. Die Wissenschaft kann diese aber nicht erfüllen. Ein Beispiel: Beim Hepatitis-B-Virus wird immer wieder getestet, ob genügend Antikörper vorhanden sind. Wenn nicht, wird erneut geimpft. Doch Länder haben unterschiedliche Vorschriften für diese Schwelle. Unsere Erkenntnisse helfen aber, dass zum Beispiel die Politik zu Entscheidungen kommt, die bis jetzt in die richtige Richtung gehen. Das merken wir auch im Labor: Seit einigen Tagen haben wir keine neuen positiven Fälle mehr. Die Situation entspannt sich, weil die Gesellschaft Routinen entwickeln konnte und den hohen Aufwand gut im Griff hat. Nun müssen wir uns alle in Geduld üben.

Bisher in dieser Serie erschienen:

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