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Bautzener Antiquariat schließt

Arnd Keller öffnet sein Geschäft noch bis Ende September. Für ihn ist nach 26 Jahren Schluss, viele seiner Bücher wird es ganz in der Nähe aber weiterhin geben.

Das Sofa, auf dem Arnd Keller in seinem Bautzener Antiquariat sitzt, sollte ursprünglich freibleiben. "Aber es bietet sich eben auch gut als Abstellfläche an", sagt er mit einem Schmunzeln. Doch Ende des Monats schließt er seinen Laden - nach 26 Jahren
Das Sofa, auf dem Arnd Keller in seinem Bautzener Antiquariat sitzt, sollte ursprünglich freibleiben. "Aber es bietet sich eben auch gut als Abstellfläche an", sagt er mit einem Schmunzeln. Doch Ende des Monats schließt er seinen Laden - nach 26 Jahren © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Im Antiquariat von Arnd Keller gibt es Dinge, die man sonst nirgends in Bautzen und auch nur bedingt im Internet bekommt. Bücher wie „Grüne Lausitz“ von Max Militzer, erschienen Ende der 1930er-Jahre, Rudolf Hartmetz‘ Bildband „Bautzen“ mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen, erschienen im ehemaligen Lusatia Verlag, oder Grafiken von Walter Habdank. Wer solch erlesene und kostbare Werke bestaunen oder kaufen möchte, sollte sich beeilen, denn der Antiquar schließt sein Geschäft im Erdgeschoss des barocken und denkmalgeschützten Hauses An den Fleischbänken 7 in der Altstadt. „Ich habe mit dem Kapitel abgeschlossen, obwohl ich aus allen Wolken gefallen bin, als ich die Kündigung bekam.“

Arnd Keller hat noch bis Ende des Monats geöffnet. Bis Jahresende muss er sein Geschäft komplett leergeräumt haben. Dann enden der Mietvertrag und für den Bautzener 26 Jahre als Antiquar in der Stadt. „Damals konnte ich meinen Traum vom eigenen Antiquariat verwirklichen. Meine Lebensaufgabe war, nie ein Buch wegzuwerfen.“ Für diesen Traum hatte Arnd Keller sein Studium der Kunstgeschichte in Berlin abgebrochen und war 1994 nach Bautzen zurückgekehrt.

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Als sein erster Laden in der Schülerstraße zu klein wurde, ergab sich vor zehn Jahren die Möglichkeit, an die jetzige Adresse umzuziehen. „Hier bilden die Räume und das Kreuzgewölbe zusammen mit den Büchern und Kunstwerken eine Einheit, eine Symbiose aus Raum, Kunst und Geschichte.“ 

Bücher über Bücher - die Regale reichen längst nicht mehr in Arnd Kellers Antiquariat. Bis Jahresende muss er alles ausräumen, denn der Laden wurde ihm gekündigt.
Bücher über Bücher - die Regale reichen längst nicht mehr in Arnd Kellers Antiquariat. Bis Jahresende muss er alles ausräumen, denn der Laden wurde ihm gekündigt. © SZ/Uwe Soeder

Der große Reiz eines Antiquariats

In seinem Antiquariat gibt es nicht nur hochwertige Kunstwerke und seltene Bücher. Hier findet jeder was, egal ob zu den Themen Handarbeit, Fotografie oder Fußball-Weltmeisterschaften, zudem reichlich Belletristik sowie Werke der Natur- und Geisteswissenschaften. Hier gibt es ein Wilhelm-Busch-Album ebenso wie eine von nur 500 Ausgaben der Reihe „Chorus Mysticus“ mit Texten des Görlitzer Philosophen Jacob Böhme. Zwischenzeitlich habe er 100.000 Bücher besessen. Ganz so viele seien es nicht mehr, sagt der scheidende Antiquar.

Laut Arnd Keller würden manche seiner Kunden gezielt suchen, andere sich treiben lassen und mehrere Stunden im Laden verbringen. Arnd Keller beschreibt den großen Reiz eines Antiquariats so: „Wer reinkommt, weiß noch nicht, mit welchem Buch er rausgeht. Hier streift man durch die Regale und entdeckt etwas, von dem man gar nicht wusste, dass es existiert.“ Er habe hier zum Teil sehr persönliche Gespräche geführt. Viele Stammkunden, aber auch Bautzener, die noch nie in seinem Geschäft waren, würden bedauern, dass er schließt. An einem anderen Standort weiterzumachen, mache aber keinen Sinn.

In diesem Sommer seien viele Touristen in seinem Geschäft gewesen und hätten geschwärmt, denn solch gewachsene Antiquariate seien kaum noch zu finden. „Das Leben wird neue Möglichkeiten bieten“, sagt Keller. Der Branche werde er in irgendeiner Form erhalten bleiben. Für ihn sei schließlich klar, dass Bücher weiterleben werden.

Neuer Antiquar kommt nach Bautzen

Auf den Großteil seines Bestandes müssen die Bautzener nicht mal verzichten, sondern nur etwas warten. Denn ganz in der Nähe wird ein angehender Antiquar aus Dresden einen neuen Laden eröffnen und zwar mit sehr vielen von Kellers Büchern und einigen seiner Möbel. Nur der Zeitpunkt stehe noch nicht fest, sagt Arnd Keller. „Ich wünsche ihm und allen, die in Bautzen mit Büchern zu tun haben, dass es sie glücklich macht.“

Auch für andere Teile seines Bestandes habe er Abnehmer gefunden. Manches werde er aber natürlich behalten, allerdings geht für ihn die „tägliche Bescherung“ langsam zu Ende. „Ich habe ja viele Ankäufe getätigt und fast jeden Tag ein Paket mit Werken bekommen, die ich nie zuvor in der Hand gehalten oder gesehen hatte.“ Dazu zählen Bücher mit Signaturen oder Widmungen der Autoren, etwa von Stefan Zweig oder Erich Mühsam. Und noch etwas wird sich verändern, erklärt Arnd Keller. „Das können viele Menschen vielleicht nicht glauben, aber zum Lesen war im Alltag einfach keine Zeit. Zu Hause warten nun 2.000 Bücher auf mich.“

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