SZ +
Merken

Antragsstau beim Kindergeld

Das Warten dauert monatelang. Das soll sich nun durch mehr Mitarbeiter in den Familienkassen ändern.

Teilen
Folgen
© Norbert Millauer

Von Wolf Dieter Liebschner

Wer fest mit dem monatlichen Kindergeld rechnet, der kann in diesen Wochen und Monaten auf eine harte Geduldsprobe gestellt werden.

So wie die Radebeulerin Elke Kiepulski. Ihre Tochter ist 23 Jahre alt und beendete im September 2013 ihr Bachelorstudium, woran sich ab 1. Oktober ein Masterstudium anschloss. „Die Familienkasse forderte mich auf, den Studien-Abschluss nachzuweisen und Unterlagen für einen weiteren Bezug einzureichen.“ Das tat Frau Kiepulski bereits in der ersten Oktoberwoche. Dann begann das Schweigen im Walde. Es tat sich nichts, vor allem nicht auf dem Konto von Elke Kiepulski. Bis in den Januar 2014 hinein.

„Mittlerweile fehlt uns für vier Monate das Kindergeld, insgesamt 736 Euro“, teilte Frau Kiepulski der SZ mit. „Meine Tochter muss am Studienort Miete, Studiengebühren und anderes zahlen. Sie ist darauf angewiesen. Bisher habe ich sie unterstützt, aber so kann es nicht weitergehen.“

Schenkt man den Auskünften der Bundesagentur für Arbeit – hier ist die Familienkasse angesiedelt – Glauben, dann ist der Fall Kiepulski seit vergangener Woche erledigt. Die Radebeulerin sollte das Geld auf ihrem Konto haben.

Doch dieser Fall ist nur einer von vielen. Zahlreiche Leser beschreiben auf Facebook Ähnliches: „Wir haben vier Monate warten müssen. Nur wegen Umzug von einem Zuständigkeitsbereich (Bautzen) in einen anderen (Riesa). E-Mails, Briefe usw. werden in Bautzen ignoriert. Erst ein Besuch direkt in der Familienkasse Riesa hat zum Erfolg geführt und mir wurde für zwei Kinder Geld für vier Monate nachgezahlt.“ Oder: „Ich habe von September 2012 bis Dezember letzten Jahres gewartet und nur einen Teil bekommen. Der Rest steht noch aus.“ Oder: „Wir haben im September 2013 Antrag auf Kindergeldzuschlag gestellt … seit vier Monaten Schweigen in den Amtsstuben, noch nicht mal den Bearbeitungsstand erfährt man …“

Elke Kiepulski hat die gleichen Erfahrungen gemacht. „Meine erste Nachfrage erfolgte Anfang November. Die Dame am Telefon erklärte mir mit voller Überzeugung, dass sie sehen könnte, dass meine Unterlagen eingegangen seien und ich spätestens Ende November das Geld erhalten würde. Bei meiner zweiten Nachfrage Anfang Dezember legte die Dame am Telefon einfach auf. Bei einer weiteren Anwahl derselben Telefon-Nummer hatte ich natürlich eine andere Dame am Telefon, die mir dann Folgendes erklärte: Die normale Bearbeitungsdauer von Kindergeldanträgen liege bei sechs bis acht Wochen. Was ist daran normal? Das ist unverschämt lange.“

Ein Sprecher der Chemnitzer Agentur macht vor allem die Überlastung der Mitarbeiter für die Verzögerungen verantwortlich. „Die Familienkasse Sachsen mit ihren fünf Standorten bearbeitet die Kindergeldanträge für alle in Sachsen wohnenden Antragsteller, außer von Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Aktuell wird monatlich das Kindergeld für rund 620 000 Kinder an etwa 400 000 Anspruchsberechtigte ausgezahlt.“ Zusätzlich sei die Familienkasse Sachsen für alle Kindergeldanträge von in Deutschland anspruchsberechtigten Polen und Tschechen verantwortlich, die in der Regel in Deutschland als Arbeitnehmer beschäftigt sind. „Diese Anträge werden wie bisher am Standort Bautzen und ab diesem Jahr zusätzlich am Standort Chemnitz bearbeitet.“ Die Bearbeitungszeiten seien verschieden und je nach persönlichen Verhältnissen zum Teil sehr zeitintensiv. „Ziel ist, den Großteil der Kindergeldanträge ohne Auslandsbezug innerhalb von 20 Arbeitstagen zu bearbeiten.“

Aber dies ist eben nur ein Ziel: Aktuell könne diese Bearbeitungszeit nicht bei jedem Antrag eingehalten werden. Denn zum Ende des vergangenen Jahres kam es zu vielen neuen Posteingängen wie Ausbildungs- oder Studiennachweise für die Weiterbewilligung des Kindergeldes. Das sei eine normale, saisonal typische Entwicklung, da das Ende des Schuljahres, der Beginn eines neuen Ausbildungsabschnittes, das Ausbildungsende oder der Studienbeginn zu mehr Weiterbewilligungsanträgen führen.

Durch Mehrarbeit hätten Zahlpausen teilweise vermieden werden können. Und: „Zusätzlich wurden zu Jahresbeginn weitere Mitarbeiter für die Bearbeitung von Kindergeldanträgen eingesetzt.“