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Anwohner ärgern sich über rasende Autos

Die Komturgasse soll zur Tempo-30-Zone werden. Doch nicht alle befürworten den Plan.

© SZ Thomas Knorr

Von Jan Lange

Als ihre Kinder klein waren, konnte Martina Mrosek sie noch allein auf der Straße spielen lassen. Ihre Enkel lässt die Hirschfelderin heute aber nicht mehr unbeaufsichtigt vor dem Haus herumtoben. Zum einen hat der Verkehr auf der Komturgasse deutlich zugenommen, zum anderen halten sich viele Autofahrer nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit. „Hier kommen viele durchgerauscht“, meint Frau Mrosek. In der kleinen, etwa 3,20 Meter breiten Nebenstraße gilt Tempo 50, doch daran würden sich aus Sicht der Anwohner nicht alle Autofahrer halten. Sie fordern eine Begrenzung der Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer.

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Deshalb wurde jüngst eine Verkehrsmessung vorgenommen. Nur ganz wenige Fahrzeuge haben im Zeitraum der Messung die zugelassene Geschwindigkeit überschritten. Die Polizei hält aus diesem Grund eine Tempo-30-Zone für nicht erforderlich. In ihrer Begründung schreibt die Polizei, dass die Komturgasse kurvenreich ist und eine unübersichtliche Engstelle hat. „Das Befahren der Straße mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern ist aufgrund des Fahrbahnverlaufs und der Einengung nicht möglich“, erklärt Polizeisprecher Andre Golbs.

Martina Mrosek, die seit mehr als 30 Jahren auf der Komturgasse wohnt, hält das Ergebnis der Messung dagegen für verfälscht. „Als der schwarze Kasten stand, dachten die Fahrer, da ist doch was und sind deutlich langsamer gefahren als sonst“, sagt sie. Nun sei der Apparat verschwunden und die Fahrzeuge können wieder schneller fahren. „Wenn wir aus unserer Einfahrt kommen, müssen wir, um die Straße richtig einsehen zu können, bis auf den Radweg fahren“, berichtet Frau Mrosek. Wenn in diesem Moment ein anderes Fahrzeug vorbeirast, sei das Unfallrisiko sehr groß.

Die Forderung der Anwohner findet aber wenig Gehör. Auch ein Vor-Ort-Termin Mitte Oktober zwischen Vertretern der Polizei und der Zittauer Stadtverwaltung führte zu keinem anderen Meinungsbild. Bei der Verkehrsschau wurde festgestellt, dass die Komturgasse gut ausgebaut ist, wie die Polizei mitteilt. „Baulich sind Fahrbahn und Gehweg voneinander getrennt. Der Gehweg ist so angelegt, dass dieser bei Notwendigkeit befahren werden kann“, schreibt die Polizei.

Die angrenzenden Nebenstraßen sind durch abgesenkte Bordsteine von der Komturgasse getrennt. Auch deshalb sei keine Tempo-30-Zone für das gesamte Wohngebiet erforderlich, findet die Polizei. Hirschfeldes Ortsbürgermeister Bernd Müller, der die Anwohner der Komturgasse bei ihrer Forderung nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung unterstützt, kann dies nicht verstehen. Denn auch in der Zittauer Innenstadt gebe es abgesenkte Bordsteine und gleichzeitig eine verkehrsberuhigte Tempo-20-Zone. Im Winter seien die abgesenkten Bordsteine zudem überhaupt nicht zu sehen, so Müller.

Mit der Ablehnung einer Geschwindigkeitsbegrenzung will er sich nicht so einfach abfinden. „An der Straße liegen das Pilgerhäusl und zwei Kirchen, deshalb wollen wir nach wie vor eine Beruhigung durchsetzen“, sagt der Ortschef. Außerdem seien auf der Komturgasse viele Radfahrer unterwegs, da hier der Neiße-Radweg entlangführt. „Es gibt auch viele ältere Anwohner mit Rollatoren“, so Müller weiter. Verstehen können die Anwohner die Ablehnung der Tempo-30-Zone auch deshalb nicht, weil auf der Komturgasse schon einmal diese Geschwindigkeitsbegrenzung galt. Irgendwann sei das 30er-Schild verschwunden, keiner kann heute mehr sagen, wann und warum es entfernt wurde.

Doch auch dem muss die Polizei zustimmen. Und für die ist die Zahl der Unfälle entscheidend. In den Jahren 2009 bis 2013 gab es demnach lediglich drei Verkehrsunfälle, von denen einer auf unangepasste Geschwindigkeit zurückzuführen sei. In diesem Fall sei der Fahrer deutlich alkoholisiert gewesen, bei ihm wurden über 1,0 Promille gemessen. Da aus Sicht der Polizei keine besondere Gefahrenlage vorhanden ist, sei auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht zulässig. „Müssen denn immer erst Unfälle passieren, bevor wir etwas machen“, fragt sich Ortsbürgermeister Müller verärgert. In der jüngsten Ortschaftsratssitzung kündigte der Ortschef an, dass man „noch lange nicht am Ende“ sei. Dies freut auch Frau Mrosek.