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Anwohner ärgern sich über rücksichtslose Lkw-Fahrer

An zwei Kreuzungen im Weißenberger Ortsteil Kotitz wird unter Vollsperrung gebaut. Die Lkws finden Schleichwege. Die sind nicht alle verboten.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Weißenberg. Kaum zu glauben: Dieser Kleintransporter hat alle Umleitungs-, Gesperrt- oder Sackgassenschilder ignoriert. Er ist von Löbau kommend bis nach Kotitz gefahren. Als er merkte, dass die Kreuzung wirklich dicht ist, fährt er einfach übers Feld. Nicht der Einzige, wie die Agrargesellschaft mitbekommen hat. Sie stellte große Strohballen auf – scheinbar umsonst. Auch, wer derzeit durch Maltitz oder Nostitz läuft, muss aufpassen, dass er nicht unter die Räder kommt. Denn seit der vergangenen Woche hat der Verkehr in den beiden Weißenberger Ortsteilen zugenommen.

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Der Grund ist die Vollsperrung von zwei Kreuzungen im Ortsteil Kotitz. Über diese beiden Kreuzungen läuft normalerweise der Verkehr für die Fahrzeuge, die aus dem Raum Löbau/Zittau kommen und auf die Autobahn 4 fahren wollen. Die beiden Kreuzungen waren jedoch so kaputt, dass das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) sie jetzt reparieren lässt. Hintergrund ist, dass die B 178n noch immer nur bis Kittlitz führt und der Verkehr dadurch diesen Weg nehmen muss.

Das Lasuv hat eine weiträumige Umleitung ausgeschildert. Diese geht von Löbau aus auf der B 6 bis kurz vor Reichenbach, wo sie dann weiter über Schöps und Neu-Cunnewitz, Rotkretscham und Wasserkretscham auf die A 4 führt. Doch über diese lange Strecke fährt kaum ein Lkw. Das bestätigen die Anwohner. Und auch der Weißenberger Bürgermeister Jürgen Arlt (parteilos), der selbst in Maltitz wohnt, kennt das Problem. Doch er ist machtlos. „Ich denke, da es sich ja bei den Bauarbeiten nur um zwei Wochen Vollsperrung handelt, dass man es auch ertragen könnte“, sagt er. Allerdings nur, wenn sich die Fahrzeugführer eben auch innerhalb dieser Ortschaften benehmen. Das ist jedoch bei vielen Lkw-Fahrern nicht der Fall. „Die rasen durch die schmale Straße, dass man Angst haben muss, dort langzugehen“, sagt Arlt. Schwierig wird es dann, wenn auch noch Gegenverkehr ist. Dann werden die erst vor Kurzem gebauten Straßen in den Randbereichen beschädigt. In Maltitz sind derzeit genug Bremsspuren zu sehen, die das bezeugen. „Kein Wunder, wenn die Anwohner zur Selbstjustiz greifen“, sagt Arlt, der davon gehört hat, dass jemand eine Gießkanne vor einen rasenden Lkw geworfen hat. „Was sicher auch nicht richtig ist“, sagt der Bürgermeister.

Doch nicht nur die beiden Orte in der Stadt Weißenberg sind betroffen. Obwohl in Löbau an der Kreuzung zur Weißenberger Straße auf der Hinweistafel Weißenberg durchgekreuzt ist, fuhr gestern Vormittag ein riesiger Holztransporter aus Tschechien um die Ecke. „Die sind jeden Morgen unterwegs und fahren wie die Verrückten“, sagt Arlt.

Dass Kraftfahrer sich nicht immer an offizielle – noch zumal weiträumige – Umleitungen halten, ist auch dem Lasuv bekannt. „Diese Umleitung ist vor allem für Ortsunkundige und Lkw ausgeschildert. Dessen ungeachtet kann selbstverständlich keinem Verkehrsteilnehmer die alternative Nutzung anderer Wege untersagt werden, solange es sich um öffentlich gewidmete Straßen zum Gemeingebrauch handelt“, sagt Lasuv-Sprecherin Nicole Wernicke . Schleichverkehre über Kreis- und Gemeindestraßen können niemals ausgeschlossen werden. Ob Kontrollen wegen Raserei oder falschen Verhaltens gemacht werden, entscheidet die Verkehrsbehörde.

Die Arbeiten an den beiden Kreuzungen gehen gut voran. Sie werden wahrscheinlich sogar vor dem Ende der Woche abgeschlossen sein, vermutet Jürgen Arlt. Offizieller Termin ist Freitag. Dann wird es wieder ruhiger auf den engen Straßen. Danach beginnt der dritte Bauabschnitt. Ab dem 30. Juli geht es direkt in der Stadt Weißenberg mit den Bauarbeiten weiter. Geplant ist, das Vorhaben am 31. August abzuschließen. Das Landesamt investiert rund 760 000 Euro in dieses Vorhaben.