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Anwohner fordern mehr Transparenz von Schill & Seilacher

Stadt und Chemiebetrieb haben eine Liste mit konkreten Forderungen bekommen. Jetzt müssen sie reagieren.

Von Alexander Müller

Über zwei Monate ist die verheerende Explosion im Chemiewerk Neundorf mit einem Todesopfer nun her. Im Pirnaer Ortsteil ist die Debatte darüber, wie es weitergeht, aber aktueller denn je. Jetzt haben Anwohner einen konkreten Forderungskatalog an Unternehmen und Stadtverwaltung gesandt.

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Von Schill & Seilacher, dem Chemieunternehmen, erwarten die Absender des Briefes, dass der Betrieb sich auf gar keinen Fall mehr in Neundorf erweitert – und zwar weder im Ortskern noch in den Steinbruch hinein. Verlangt werden zudem mehr Offenheit und Transparenz, sowohl, was gelagerte Stoffe angeht, als auch bei Produktionsprozessen. Das sei Grundvoraussetzung für ein vertrauensvolles Miteinander. Dazu soll auch ein Ansprechpartner im Unternehmen beitragen, der für Einwohner und Feuerwehr rund um die Uhr erreichbar ist, falls es zu unvorhergesehenen Zwischenfällen im Werk kommen sollte. Überhaupt wird eine bessere Betriebssicherheit gewünscht – in allen denkbaren Bereichen. Das heißt, dass nicht nur der Brandschutz optimiert werden soll, sondern dass man auch auf andere Gefahren, wie etwa Diebstahl bis hin zu Cyberkriminalität, besser eingestellt ist.

Damit im Dorf wieder Ruhe einkehren kann, und zwar im ursprünglichsten Sinne, soll auf die dritte Schicht (Nachtschicht) im Werk verzichtet werden. An eine solche Auszeit sollen sich auch diejenigen halten, die mit ihren Lieferfahrzeugen zum oder aus dem Werk fahren. Darüber hinaus will man von Schill & Seilacher endlich das in die Zukunft gerichtete Unternehmenskonzept vorgelegt bekommen, das nach Auskunft der Stadtverwaltung ursprünglich bis Ende Januar fertig sein sollte. Auch gegenüber der Stadt sind in dem Forderungskatalog zahlreiche Wünsche aufgelistet. Sie haben zum Teil den gleichen Tenor, wie die gegenüber dem Chemiewerk.

So soll das Rathaus von seiner Seite aus und mit seinen Mitteln darauf einwirken, dass es keine Betriebserweiterung mehr gibt und dass die Sicherheit für die Anwohner erhöht wird. Es geht aber auch um Dinge, die allein die Stadt umsetzen kann und die nicht immer direkt und allein mit dem Chemieunternehmen zu tun haben. So erwartet man zum Beispiel eine Tempo-30-Zone auf der Vorwerkstraße, einen besseren Winter- und Straßenreinigungsdienst und eine durchgehende Straßenbeleuchtung in der Nacht.

Zwei Wochen haben die Absender dem Unternehmen und der Stadt gegeben, um zu antworten. Beide Adressaten versichern auf SZ-Nachfrage, innerhalb dieser Zeit reagieren und auf einen Großteil der angesprochenen Punkte eingehen zu wollen. Man suche den Dialog. Ob das Ergebnis immer im Sinne derjenigen ausfalle, die den Forderungskatalog erstellt haben, könne man aber nicht versprechen. Die Stadt will zudem auch andere Verantwortliche, wie die Landesdirektion, einbeziehen. Bei den angesprochenen Verkehrsproblemen prüfe man aber bereits intern, ob etwa die gewünschte 30er-Zone, eine Ampelanlage oder Fußgängerinseln zeitnah umgesetzt werden können.

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Schill & Seilacher erklärt indes, dass die Produktion nach wie vor nicht wieder aufgenommen wurde. Dass auf dem Betriebsgelände trotzdem Aktivitäten stattfänden, etwa Gabelstaplerverkehr, sei kein Zeichen für eine eigene Produktion. So würden andere Standorte zum Beispiel mit Rohstoffen versorgt, die in Neundorf lagern. Bevölkerung und Öffentlichkeit würden definitiv im Vorfeld einer Produktionsaufnahme informiert. Einen Termin dafür gebe es aber nach wie vor nicht. Noch immer würden entscheidende Gutachten fehlen.

Den gesamten Forderungskatalog gibt es unter:

www.facebook.com/szpirna