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Anwohner gegen Asylheim im Spreehotel

Eine Bürgerinitiative sammelt Unterschriften. Sie fürchtet um die Entwicklung am Stausee. Der Hotelchef widerspricht.

© Uwe Soeder

Von Sebastian Kositz

Die Pläne für das Asylbewerberheim im Spreehotel sorgen für Wirbel. In Burk hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die die Unterbringung der Flüchtlinge in dem Vier-Sterne-Haus verhindern möchte. Der kleine Ort mit seinen 300 Einwohnern sei nicht der richtige Platz für eine solche Unterkunft. Zudem sorgen sich die Anwohner um die künftige Entwicklung des Stausees. Die Unterbringung der Asylbewerber könnte die sanfte Wiederbelebung des Naherholungsgebietes rasch zunichte machen, so die Befürchtung der Menschen.

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Erst gestern war bekannt geworden, dass sich auf die Ausschreibung des Landkreises für den Betrieb des dringend benötigten Asylbewerberheims in Bautzen nur Spreehotel-Chef Peter-Kilian Rausch mit seiner Immobilie am Stausee beworben hatte. Ohne Konkurrenz steigt die Wahrscheinlichkeit, dass künftig tatsächlich das Gebäude als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden könnte. Undenkbar sagen nun viele Burker, die inzwischen in ihrer kleinen Ortschaft bereits 220 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt haben – das sind immerhin 95 Prozent der Erwachsenen, die in Burk leben.

„Es steht für uns außer Frage, dass Bautzen Flüchtlinge aufnehmen soll. Das finden wir richtig. Aber Burk ist einfach der falsche Ort“, klagt Dietmar Fehrmann von der Bürgerinitiative. Die Einrichtung eines Asylbewerberheims mit bis zu 200 Plätzen stünde in keinem Verhältnis zur Zahl der Einwohner der Bautzener Ortschaft, so das Argument der Burker Anwohner.

Und das ist nicht das einzige. „Die Menschen, die zu uns kommen, müssen auch integriert werden. Das geht nicht, wenn man sie an den Rand der Stadt verbannt“, sagt Marlies Jakobeit, die sich ebenfalls in der Bürgerinitiative engagiert. Ohnehin sei in Burk die Entfernung zur Innenstadt ein Problem. „Wir haben hier keine Läden, keine Schulen, keine Kitas, keine Ärzte. Die langen Wege in die Stadt sind den Flüchtlingen aus unserer Sicht schlichtweg nicht zuzumuten“, fügt Manuela Weidlich, eine weitere Vertreterin der Initiative, an.

Was die Burker zudem umtreibt, sind Ängste, dass mit dem Flüchtlingsheim die vor wenigen Jahren zaghafte eingesetzte Wiederbelebung des Stauseeareals jetzt zunichte gemacht werden könnte. Die Minigolfanlage, die Ocean Beach Bar und der Campingplatz seien Beispiele für das Engagement privater Unternehmer, während die Stadt die Entwicklung des Gebiets über Jahre hinweg verpennt habe. Sie hätten ein unternehmerisches Risiko auf sich genommen, das nun infrage gestellt werde. Auch deshalb sieht der Betreiber des Campingplatzes, Frank Haubner, zugleich ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative, die Pläne kritisch. „Ich habe im Jahr 30 000 Übernachtungen, habe einen siebenstelligen Betrag in die Anlage investiert. Wir sind ein Fünf-Sterne-Camping-Platz, davon gibt es nur zwei in Sachsen“, sagt Frank Haubner.

Seine Befürchtung: Die Nähe des Asylbewerberheims könnte Gäste abschrecken. „Wenn dort am Hotel Polizeieinsätze nötig sind, weil Rechte dort aufmarschieren oder es andere Probleme gibt, bleibt das von meinen Gästen nicht unbemerkt. Die kommen wegen der Ruhe hierher, wollen im Urlaub abschalten“, so der Unternehmer.

Spreehotel-Chef Peter Kilian Rausch hat jedoch wenig Verständnis für die vorgetragenen Bedenken. Für ihn fußen die Befürchtungen vor allem auf Vorurteilen. „Da ist viel unbegründete Hysterie. Das sind Vermutungen, die erst einmal bewiesen werden müssen“, sagt Peter-Kilian Rausch. Er habe vom zuständigen Landratsamt klare Vorgaben für die Sicherheit. Die Wege zu Schulen, Kitas und Einkaufsmärkten seien zudem zumutbar. „Dort fahren auch Busse. Und ich plane ohnehin im Hotel einen kleinen Tante-Emma-Laden einzurichten“, erklärt Peter-Kilian Rausch.

Der Noch-Hotelier sei bereits mit den lokalen Kirchen und Wohlfahrtsverbänden sowie Vertretern von „Bautzen ist bunt“ im Gespräch, um eine möglichst gute Betreuung und Integration der zu erwartenden Flüchtlinge zu gewährleisten: „Wir müssen uns in Bautzen doch vielmehr Gedanken machen, wie wir die Menschen hier willkommen heißen können.“