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Schuppen, Wäscheplatz, Sitzecke, alles weg

Mieter des ehemaligen Herrenhauses in Pretzschendorf müssen vieles aufgeben für die Erweiterung des Schulhorts. Künftig haben sie einen Container vor dem Haus.

Bettina und Frank Scheinpflug ärgern sich über geplante Container für den Schulhort Pretzschendorf, die dort aufgestellt werden sollen, wo sich momentan ihre Schuppen und der Holzplatz befindet.
Bettina und Frank Scheinpflug ärgern sich über geplante Container für den Schulhort Pretzschendorf, die dort aufgestellt werden sollen, wo sich momentan ihre Schuppen und der Holzplatz befindet. © Karl-Ludwig Oberthuer

Knapp 340.000 Euro hat der Gemeinderat Klingenberg für den Schulhort in Pretzschendorf freigegeben. Er hat vergangene Woche einen Auftrag für die Containerlösung vergeben. Für rund 57.000 Euro soll die Firma Bö-Fi Hoch- und Tiefbau aus Lichtenberg das Gelände für den Aufbau von Containern vorbereiten, dort vorhandene Schuppen abreißen. Außerdem gab der Rat dem Bürgermeister die Vollmacht, den Auftrag für die Container zu unterschreiben, in denen der Schulhort dann untergebracht werden soll. Damit können diese möglichst schnell geliefert werden und zu Beginn des nächsten Schuljahres in Betrieb gehen. Die Kosten dafür werden auf 280.000 Euro geschätzt.

Widerstand einer Mieterfamilie

Doch dagegen gibt es Widerstand einer Anwohnerfamilie. Bettina und Frank Scheinpflug wohnen im ehemaligen Herrenhaus des Ritterguts, das in Pretzschendorf zwischen der Schule und der Turnhalle steht. Und auf der Fläche direkt daneben sollen jetzt auch die Container hingestellt werden. Damit werden die Mieter etliches verlieren, was sie bisher nutzen konnten. „Dort hatten wir unsere Schuppen, unseren Wäscheplatz und unsere Sitzecke“, schildert Bettina Scheinpflug. In den Schuppen hatte die Familie Werkzeug und Maschinen untergestellt. Sie waren Teil des Mietvertrags. Die Familie wohnt schon seit 50 Jahren im ehemaligen Herrenhaus und will dort eigentlich bleiben. „Unsere 92-jährige Mutter lebt schon so lange hier. Das kann doch nicht sein, dass die Gemeinde uns alles wegnimmt, was zu der Wohnung gehört“, sagt Bettina Scheinpflug. Sie stört sich auch daran, dass die Straße gesperrt werden soll, die vor dem Haus vorbeiführt. „Dann können wir nur noch reinfahren und müssen sehen, wie wir zurück wieder rauskommen“, sagt sie.

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Bürgermeister Torsten Schreckenbach (Bürger für Klingenberg) kennt die Situation, will aber daran nichts ändern. Das Herrenhaus, in dem früher einmal neun Familien gewohnt haben, steht zu mehr als der Hälfte leer. Drei Familien wohnen jetzt noch drin, die anderen Wohnungen sind nicht mehr bewohnt. Sie entsprechen mit der Ofenheizung und ihrer sonstigen Ausstattung auch nicht mehr heutigen Ansprüchen.

Mehr Kinder brauchen größeren Schulhort

Die Gemeinde hat mit dem ehemaligen Herrenhaus auch ganz andere Pläne, es soll künftig nicht mehr zum Wohnen genutzt werden. Dafür müsste es gründlich saniert werden. Die Gemeinde will hier eventuell den Schulhort auf Dauer unterbringen. „Wir haben auch mit Familie Scheinpflug bereits darüber gesprochen und ihnen das Projekt vorgestellt“, sagt Schreckenbach. Die Mietverträge für die Schuppen seien ordnungsgemäß gekündigt worden und die Gemeinde hätte der Familie geraten, sich in der nächsten Zeit nach einer anderen Wohnung umzusehen. Dafür bestehe im Moment noch kein Zeitdruck. Jedoch steht fest, dass neben dem Herrenhaus in den nächsten Jahren der Container für den Schulhort stehen wird.

Mit dem provisorischen Bau der Container löst die Gemeinde ein Problem, das sich schon länger abzeichnet. 2017 zeigten die Kinderzahlen, dass an der Grundschule Pretzschendorf die Hortplätze knapp werden. Das obwohl die Gemeinde vorher schon den Hort so erweitert hatte, dass er 120 Kinder anstatt 70 aufnehmen kann. Nun kommen jetzt mehrere geburtenstarke Jahrgänge in die Schule. Dafür werden 140 bis 150 Hortplätze gebraucht, kalkuliert die Gemeindeverwaltung. Das ging nicht mehr in den vorhandenen Räumen in der Schule, deswegen fiel die Entscheidung, jetzt übergangsweise Container aufzustellen, um mehr Platz zu gewinnen. Eine dauerhafte Lösung könnte künftig beispielsweise in dem ehemaligen Rittergutsgebäude möglich sein. 

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