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Anwohner kämpfen für Einbahnstraße

Der alte Dorfkern ist fast fertig saniert, der Verkehr nimmt zu. Die Anzahl der Parkplätze sinkt und es wird immer gefährlicher.

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© André Wirsig

Von Nora Domschke

Wenn sich ein Schneepflug und der Linienbus 75 in der Straße Altleubnitz begegnen, geht nichts mehr. Platz zum Ausweichen gibt es nicht, die Straße ist zu eng für beide Fahrzeuge, im Schnittgerinne parken Autos. Dann muss lange rangiert werden. Anwohner kennen das Problem und haben auch gleich die Lösung: Eine Einbahnstraße soll die Verkehrssituation im alten Dorfkern beruhigen.

Dafür kämpft auch CDU-Stadträtin Anke Wagner. „Die kleine Dorfstraße ist für den Verkehr in beide Richtungen nicht ausgelegt“, sagt sie. Mit einem entsprechenden Antrag fordert Wagner nun, dass die Stadt die Lage vor Ort prüft. Doch die ist mittlerweile selbst aktiv geworden: Nach einer Bürgerversammlung im Juli letztes Jahr ließ die Verwaltung einige Verkehrstests in Altleubnitz und am Klosterteichplatz durchführen. Das Ergebnis wurde auf der letzten Sitzung des Ortsbeirates in Prohlis vorgestellt: Demnach habe es kaum Geschwindigkeitsüberschreitungen gegeben, auch Unfälle wurden im vergangenen Jahr keine registriert. Fazit: Die Stadt lehnt eine Einbahnstraße ab, denn die Straßen in Altleubnitz seien sicher.

Damit ignoriert das Rathaus die Bedenken von rund 80 Anwohnern, die zur Bürgerversammlung die Situation im Dorfkern geschildert hatten. „Es muss doch nicht erst etwas passieren, bevor etwas getan wird“, sagt Karin Klar verärgert. Oft beobachte die Anwohnerin Schulkinder, die auf ihrem Weg zur 68. Grundschule den Klosterteichplatz überqueren müssen. Dort wird derzeit kreuz und quer geparkt, herankommende Autos sind auf dem unübersichtlichen Platz, der in einer Kurve liegt, erst spät zu erkennen. Eine Ampel gibt es nicht. „Dort würde eine Querungshilfe für mehr Sicherheit sorgen“, sagt Wagner.

Das sieht auch Gerd Thorsten Maiwald so. Dabei hat der Gastronom noch ein ganz anderes Problem: Sein Restaurant und Hotel „Klosterhof“ liegt mitten im historischen Ortsteil, immer mehr Gäste entdecken die Altleubnitzer Idylle. Doch wohin mit den Autos? „Es gibt kaum Stellflächen, Knöllchen sind an der Tagesordnung“, berichtet er.

Doch damit nicht genug: Kürzlich wurden drei Parkplätze vor dem Klosterhof gestrichen, um eine Ausweichmöglichkeit für den Gegenverkehr zu schaffen. „Mit einer Einbahnstraße wäre das nicht mehr nötig“, so Maiwald. Einige Anwohner behelfen sich inzwischen selbst, so wie Thomas Schöbel. Der Tischlermeister lebt und arbeitet seit 1999 in seinem Haus gleich neben dem Klosterhof. Vor dem Gebäude steht ein gelbes Schild mit der roten Aufschrift: „Bitte zum Be- und Entladen freihalten.“ Kurios daran ist, dass vor seinem Haus das Parken eigentlich sowieso nicht erlaubt ist. „Doch daran hält sich niemand“, sagt Schöbel. Damit er wenigstens das Holz in den Transporter laden kann, stellte er nun das Schild auf. Doch auch das hilft wenig: „Der Platz ist trotzdem immer zugeparkt“, sagt er. Schöbel nimmt‘s mittlerweile mit Humor, ansonsten würde er sich nur noch ärgern. Jeden Abend dreht der Tischlermeister seine Runden über die Straßen Altleubnitz, Neuostra und den Klosterteichplatz – immer auf der Suche nach einem Parkplatz. Nicht selten braucht er drei Anläufe, bevor er fündig wird.

Und die Lage spitzt sich weiter zu. An der Straße Neuostra wird derzeit der letzte historische Hof saniert, neue Familien werden mit ihren Autos das Parkplatzproblem noch verschärfen. „Bei einer Einbahnstraße könnte vielleicht auch auf beiden Seiten geparkt werden“, sagt Anke Wagner.