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Anwohner kämpfen um grüne Oase

Gegen das geplante große Bauprojekt der Dresdner USD-Immobilien an der Freiberger Straße 2 bis 6 formiert sich Widerstand. Die Anwohner des benachbarten Wohnblocks Ermischstraße 1 bis 9 protestieren jetzt gegen das Bauvorhaben direkt hinter ihrem Haus.

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Von Andrea Schawe

Gegen das geplante große Bauprojekt der Dresdner USD-Immobilien an der Freiberger Straße 2 bis 6 formiert sich Widerstand. Die Anwohner des benachbarten Wohnblocks Ermischstraße 1 bis 9 protestieren jetzt gegen das Bauvorhaben direkt hinter ihrem Haus. Denn dort sollen die Grünflächen mit 60 Bäumen verschwinden und bebaut werden–informiert hat sie vorher keiner.

„Wir haben jetzt eine Petition beim Sächsischen Landtag eingereicht“, sagt Ingeborg Kaiser. Unterschrieben haben fast alle Bewohner des langen Wohnblocks. Damit wollen sie das Bauprojekt stoppen. „Das Schreiben liegt dem Petitionsausschuss vor“, bestätigt Annegret Fischer, die Vize-Sprecherin des Landtags. Dieser wird das Anliegen jetzt prüfen. „Die Petition wird dann im Ausschuss behandelt“, sagt Fischer. Das dauert durchschnittlich sechs Monate. Am Ende stimmt der Landtag über die Beschlussempfehlung ab.

Die Anwohner befürchten, dass sich durch die Neubauten ihre Wohnqualität verschlechtert. „Hier wohnen viele ältere Leute, die nicht mehr so mobil sind“, sagt die 74-Jährige, die schon seit 50 Jahren in dem Block wohnt. Die einzige Erholungsmöglichkeit sei der Balkon. „Wir starren dann auf Betonwände und das Dach der Tiefgarage.“ Auch bei den jungen Mietern stößt das Bauprojekt auf Unmut. „Den Kindern wird das einzige Grün und der Spielplatz geraubt“, sagt Astrid Hanschmann.

Die junge Frau ärgert besonders, dass aus dem Großprojekt ein Geheimnis gemacht worden sei. „Wir wurden von den Plänen völlig überrascht“, sagt Hanschmann. Sie und die anderen Bewohner haben sich an den Vermieter gewandt. Doch auch Katrin Papke von der Sächsischen Wohnungsgenossenschaft Dresden (SWGD) kann nur mit den Schultern zucken. „Wir wussten nichts von den konkreten Plänen und der Baugenehmigung“, sagt die SWGD-Sprecherin. Und das, obwohl die geplanten Neubauten direkt an die Grenze des Grundstücks stoßen. 2010 habe es lediglich ein kurzes Informationsgespräch über eine mögliche Planung gegeben.

Die Stadt verteidigt das Vorgehen. Rathaussprecherin Nora Jantzen begründet das damit, dass nach der sächsischen Bauordnung die Nachbareigentümer nur dann informiert werden, wenn der Bauherr diese im Bauantrag benennt. Das habe die USD nicht gemacht, erläutert Jantzen. So sah sich die Stadt nicht genötigt, die Anwohner ins Bild zu setzen.

Die USD ist derweil fest entschlossen, die Baupläne umzusetzen. „Wir haben keine schlechte Informationspolitik“, sagt USD-Geschäftsführer Thomas Dathe. In seinem Unternehmen sei das gesamte Projekt ausschließlich als „sehr gut“ empfunden worden. Kauf- und Mietinteressenten hätten „mit Begeisterung“ reagiert. Die rund 6500 Quadratmeter große Grünfläche zwischen den Hochhäusern Freiberger Straße 2, 4 und 6 in der Nähe des Postplatzes soll neuen Wohnhäusern weichen. Das Dresdner Unternehmen verkauft hier 52Eigentumswohnungen.

Im Frühjahr will die USD mit dem Bau der Tiefgarage beginnen. Bis Ende dieses Jahres soll auch die Komplettsanierung der drei Hochhäuser starten.

Grünen-Stadtrat Thomas Löser findet es bedenklich, dass keiner vorab informiert wurde. „Hier hätte mehr Transparenz gutgetan“, sagt er. Dennoch will die Stadt das Vorhaben nicht stoppen. Dazu gebe es keinerlei Veranlassung, so Rathaussprecherin Jantzen. Die Anwohner lassen sich nicht entmutigen. Sie wollen weiter für ihre Wohnqualität kämpfen. Ingeborg Kaiser zeigt sich entschlossen: „Wir werden versuchen, das Vorhaben zu verhindern.“