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Anwohner kämpfen für ihr Spreewehr

Nördlich von Bautzen soll der Fluss in sein altes Bett zurückkehren. Doch nicht alle Maßnahmen kommen gut an.

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Von Carmen Schumann

Claudia Pallmann, die Ortsvorsteherin von Lömischau, kann das Wehr von ihrem Grundstück aus sehen. Gern unternimmt sie mit ihren Hunden einen Spaziergang zu dem Bauwerk. Auch ihre Mitbewohner möchten das Wehr nicht missen, obwohl es schon seit Jahren ohne Funktion ist. Aber es ist weit und breit die einzige Spreequerung. Nun droht dem Wehr der Abriss. Denn die Spree soll zwischen Lömischau und Lieske wieder weitgehend in ihr altes Bett zurückgeführt werden. Renaturierung nennt man das.

Claudia Pallmann, die Ortsvorsteherin von Lömischau steht vor dem Wehr nördlich des Ortes. Es wird von den Anwohnern als Spreequerung genutzt. Im Zuge der Renaturierung der Spree soll es allerdings verschwinden. Das gefällt nicht jedem. Foto: Carmen Schum
Claudia Pallmann, die Ortsvorsteherin von Lömischau steht vor dem Wehr nördlich des Ortes. Es wird von den Anwohnern als Spreequerung genutzt. Im Zuge der Renaturierung der Spree soll es allerdings verschwinden. Das gefällt nicht jedem. Foto: Carmen Schum © Carmen Schumann

Auf der jüngsten Ortschaftsratsversammlung wurde das Projekt, das von der Biosphärenreservatsverwaltung koordiniert wird, jetzt vorgestellt. Das Vorhaben macht im wesentlichen all jene Baumaßnahmen wieder rückgängig, die in den dreißiger Jahren über die Bühne gingen. Damals wurde die Spree begradigt, weil man der Meinung war, je schneller der Fluss das Gebiet passiert, desto besser.

Ein Abschnitt von 8,15 Kilometern Länge zwischen Lömischau und Lieske wurde durch das Abschneiden von Flussbögen auf 4,99 Kilometer verkürzt. Die Fließgeschwindigkeit des Gewässers verdoppelte sich dadurch. Wie der Projektverantwortliche Dr. Jan Peper berichtete, waren damals rund 150 sogenannte Notstandsarbeiter im Einsatz, die fast alles per Hand erledigten. „So bekam man in Zeiten großer Arbeitslosigkeit viele Menschen von der Straße weg“, sagte Jan Peper. Die Arbeitskräfte wurden so ähnlich entlohnt, wie heute die Ein-Euro Jobber, man könnte sagen, es waren Drei-Reichsmark-Jobber. Die Baumaßnahmen aus den dreißiger Jahren, die den Zustand der Spree herstellten, wie er sich noch heute darbietet, erwiesen sich jedoch als wirkungslos, ja geradezu kontraproduktiv. Deshalb soll jetzt alles wieder weitgehend rückgängig gemacht werden.

Neben dem Abriss des Wehrs bei Lömischau soll dort ein Altarm der Spree wieder an den Fluss angeschlossen werden. An der in der Nähe gelegenen Ackersenke und am Auenwald bei Lömischau ist geplant, die Uferwälle abzutragen. Bei Hochwasser kann somit ein Stück Ackerland und der Auenwald gefahrlos überflutet werden. Beim Auenwald ist dies ja sogar erwünscht, weil von den Überschwemmungen viele Tiere profitieren. Und das betreffende Stück Ackerland stand bei starken Regenfällen ohnehin häufig unter Wasser. Das soll dem Eigentümer abgekauft und zur Feuchtwiese umstrukturiert werden. Auf solchen Wiesenflächen laichen gerne die Hechte. Auch bei Halbendorf sollen zwei Altarme der Spree wieder in Betrieb genommen werden.

Momentan befindet sich das gesamte Vorhaben in der Planungsphase. Wie Dominique Benning-Rosenberg vom Planungsbüro Scholz und Lewis aus Dresden erklärte, wurde mit einem Strömungsmodell das betreffende Gebiet nachgebildet, um die zu erwartenden Strömungsverhältnisse zu untersuchen. Bei der Planung des Vorhabens sei beispielsweise auch zu beachten, dass aus der Spree Massen von Schlamm herausgeholt werden müssen, für die sogenannte Absetzbecken gebaut werden müssen. Die Planungen sollen bis zum Ende dieses Jahres so weit vorangetrieben werden, dass sie zur Genehmigung eingereicht werden können. In den Jahren 2016 bis 2017 könnten dann die Baufahrzeuge rollen. Der Lohn für die ganze Mühe wäre, wenn es gut geht, dass sich in der Spree wieder Fische ansiedeln, wie sie dort vor 1930 alltäglich waren: Äschen, Barben und Quappen. Aus Sicht von Daniel Steinmüller von der Landestalsperrenverwaltung ist das Wehr bei Lömischau verzichtbar. Sollte aber die Gemeinde ein entsprechendes touristisches Wegekonzept entwickeln, in welches das Wehr als Spreequerung eingebunden ist, könnte das Bauwerk noch zu retten sein.