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Görlitz

Anwohner starten Petition gegen Parkhaus

Die Nachbarn aus der Jüdenstraße in Görlitz wollen eine Betonmauer verhindern. Online haben binnen drei Tagen 157 Leute unterschrieben. Es gibt aber auch Listen auf Papier.

Das Parkhaus in der Jüdenstraße (rechts) soll aufgestockt werden. Die Anwohner aus den liebevoll sanierten Altstadthäusern gegenüber würden dann auf eine hohe Mauer blicken.
Das Parkhaus in der Jüdenstraße (rechts) soll aufgestockt werden. Die Anwohner aus den liebevoll sanierten Altstadthäusern gegenüber würden dann auf eine hohe Mauer blicken. © Nikolai Schmidt

Mit ihrem Ansinnen sind die Anwohner der Jüdenstraße nicht allein. „Fast alle, die in die Hautarztpraxis meiner Frau kommen, können nicht nachvollziehen, dass gegenüber eine Betonwand für ein Parkhaus hochgezogen werden soll“, sagt André Wendler. Die Patienten würden sagen, dass sich die Anwohner das nicht gefallen lassen sollen.

Viele unterschreiben auch gleich vor Ort in einer Liste gegen den Bau. „Etwa 50 Unterschriften sind in der Praxis schon zusammen gekommen“, sagt Wendler. Weitere 157 Menschen haben schon in den ersten drei Tagen seit Dienstag die Internet-Petition unterschrieben.

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Die Betonwand gehört zu einem Parkhaus, das der Görlitzer Hotelier Georg Rittmannsperger um eine weitere Etage aufstocken will. Er hatte im Februar mit dem Bau begonnen, ohne eine Baugenehmigung zu haben. Nachdem die Anwohner protestierten, erließ die Stadt einen Baustopp. Seit 5. April aber liegt die Baugenehmigung vor – und Rittmannsperger baut seit 9. April weiter. „Rechtlich ist wahrscheinlich alles sauber abgelaufen“, sagt Wendler. Weil er sich aber nicht ganz sicher ist, lassen die Besitzer der Häuser Jüdenstraße 4, 5, 7 und 8 das momentan durch ihren Rechtsbeistand prüfen.

Nachdem die Baugenehmigung zugestellt wurde, haben sie Akteneinsicht beantragt – und auch erhalten. Außerdem sind sie Mitte/Ende April in Widerspruch gegen die Baugenehmigung gegangen. „Das hat aber vorerst keine aufschiebende Wirkung“, sagt Wendler. Soll heißen: Rittmannsperger darf weiter bauen – und tut das auch. „Ich glaube, er beschleunigt sogar, um Fakten zu schaffen“, sagt er.

Über gemeinsame Bekannte habe er dem Hotelier Gesprächsangebote gemacht: „Leider habe ich noch keine Rückmeldung erhalten.“ Wendler betont, dass er keine Eskalation sucht, sondern an einer Konfliktvermeidung und einer gemeinsamen Lösung mit der Stadt und dem Bauherrn interessiert sei, die allen Interessen gerecht wird. Rittmannsperger will sich gegenüber der SZ nicht zu seinen Plänen äußern.

Wendler hingegen sagt: „Wenn die Aufstockung nicht zu verhindern ist, wäre unsere Minimalvariante eine ansehnliche Gestaltung.“ Er wünscht sich etwas, was ins Bild der liebevoll sanierten Altstadt passt, statt dieses Bild für seine Straße zu zerstören. Statt einer nackten Betonwand könnte er sich vorstellen, dass Häuserfassaden angedeutet werden oder das Parkhaus üppig begrünt wird. „Die Gestaltung könnte gern im Gespräch zwischen Architekt, Bauherr, Anwohnern und weiteren Interessierten besprochen werden“, sagt er. Umsetzen müsste sie freilich der Bauherr.

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Das alles will André Wendler mit der Unterschriftensammlung und der Petition im Internet erreichen. Sie richtet sich an Baubürgermeister Michael Wieler. „Die aktuelle Ausführung entspricht in keiner Weise der Art und Besonderheit der Umgebung und widerspricht den Grundsätzen der Erhaltungssatzung der Stadt Görlitz zur Erhaltung und Bewahrung der städtebaulichen Eigenart der historischen Altstadt“, schreibt Wendler dort. Und weiter: „Wir fordern einen Baustopp und eine gestalterische Anpassung an die Eigenart der Umgebung.“ Wer das unterstützen will, findet die Liste unter anderem in der Hautarztpraxis Jüdenstraße 7, im Blumengeschäft Nikolaistraße sowie in der Peterstraße im Caféhaus Lucullus und im Blütenweiß-Geschäft. Wendler will die Unterschriften möglichst bald an Wieler übergeben – damit dieser das Thema danach noch einmal mit den Stadträten diskutiert.

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