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Mehr Anwohnerparken für die Innenstadt

Auf drei Straßen in Görlitz soll es für Anwohner leichter werden, einen Parkplatz zu finden. Die andere Seite: Für andere würden kostenlose Plätze wegfallen.

Ein seltenes Bild: ein freier Parkplatz an der Bahnhofstraße. Es gibt Überlegungen, hier Bewohnerparken einzurichten.
Ein seltenes Bild: ein freier Parkplatz an der Bahnhofstraße. Es gibt Überlegungen, hier Bewohnerparken einzurichten. © André Schulze

Mittagszeit auf der Bahnhofstraße. Wer jetzt auf Parkplatzsuche ist, hat schlechte Karten. Oder muss zumindest einiges an Geduld aufbringen, bis ein Platz frei wird. Moustapha Allam hat Glück und einen Stellplatz erwischt. Einen kostenfreien. "Das ist einfach und schön, wenn man nur kurz etwas machen möchte", sagt er. Möglicherweise wird man aber nicht mehr lange so einfach auf der Bahnhofstraße sein Auto parken können. Es gibt Überlegungen, den Parkstreifen zwischen den Kreuzungen zur Konsulstraße und zur Jakobstraße als Anwohnerparkplatz auszuweisen. Ebenso wie für zwei andere Stellen in der Stadt. 

Stadt hat drei Stellen auf der Liste

Bereits im ersten Halbjahr waren kleinere Erweiterungen von Anwohnerparkbereichen in der Innenstadt geplant, um den Bewohnern das Parken zu erleichtern, erklärt der städtische Verkehrsplaner Jens Kunstmann. Allerdings kam es wegen der Coronakrise zu Verzögerungen bei Detailabstimmungen und der Umsetzung. Deshalb sollen die Erweiterungen nun im zweiten Halbjahr erfolgen. 

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Kein Platz frei an der Bautzener Straße. Auch hier, zwischen Landeskron- und Mittelstraße soll wahrscheinlich Anwohnerparken eingerichtet werden.
Kein Platz frei an der Bautzener Straße. Auch hier, zwischen Landeskron- und Mittelstraße soll wahrscheinlich Anwohnerparken eingerichtet werden. © André Schulze

Konkret geht es neben dem Parkstreifen auf der Bahnhofstraße zwischen Konsul- und Jakobstraße auch um die Emmerichstraße. Hier soll zwischen den Kreuzungen zur Augusta - und zur Konsulstraße ein Bewohnerparkbereich ausgewiesen werden. Und es geht um die Bautzener Straße, hier um den Bereich zwischen Landeskronstraße und Mittelstraße. Inwieweit sich die bisherigen Parkregelungen ändern werden, ob beispielsweise ein reines Anwohnerparken eingerichtet werden soll, steht noch nicht fest. Häufig können in Görlitz in Anwohnerparkbereichen auch Nicht-Anwohner parken - mit Parkschein. Wenn konkrete Pläne für die drei Erweiterungen vorliegen, werden sie zunächst im Technischen Ausschuss beraten, erklärt Kunstmann. 

Eine Suchrunde ist das Minimum

Nichts und niemand rührt sich auf der Bautzener Straße. Nicht ein Platz ist frei auf dem Stück zwischen Landeskron- und Mittelstraße, niemand fährt weg. Ob es sich bei den Autos ohnehin schon größtenteils um die Fahrzeuge von Anwohnern handelt oder auch um die von Berufspendlern, die in der Görlitzer Innenstadt arbeiten, lässt sich nicht sagen. Vorführeffekt dagegen auf der Emmerichstraße. Mehrere Stellplätze sind frei, Olaf Pilz findet sofort einen. Das komme aber wirklich selten vor, erzählt er, "meistens ist hier alles rappeldickevoll." 

Vorführeffekt? Normalerweise sehe es an den Rändern der Emmerichstraße deutlich dichter aus.
Vorführeffekt? Normalerweise sehe es an den Rändern der Emmerichstraße deutlich dichter aus. © André Schulze

Olaf Pilz ist Anwohner der Emmerichstraße. In einem gewissen Zeitfenster am Nachmittag habe man manchmal eine Chance auf einen Stellplatz. In der Regel aber fahre er Suchrunden, "eine mindestens". Und häufig stellt er sein Auto letztlich in der näheren Umgebung ab, "wenn es gar nicht anders geht, dann im Parkhaus am Bahnhof." Ob Anwohnerparken die Lage entspannen würde? "Ich wäre dafür."

Parkausweis ist nicht kostenlos

Siegfried Matzke sieht das ähnlich. Er wohnt jetzt zwar nicht mehr auf der Emmerichstraße, ist aber häufig zu Gast, besucht Freunde und Bekannte. Denn lange hat er auf der Emmerichstraße gewohnt und kennt die Parkplatz-Lage.  Viele Anwohner und Vermieter, erzählt er, haben sich eine eigene Lösung gesucht: "Viele, die hier wohnen, haben ihr Auto im Hof stehen". Dennoch sei auf der Straße normalerweise kaum ein Stellplatz zu bekommen, erzählt auch er. Anwohnerparken? Solange es bezahlbar ist, auch für Menschen, die nicht viel Geld zur Verfügung haben, fände er es richtig.

Vor einigen Monaten gab es deutschlandweit Debatten, wie viel Geld Anwohnerparken kosten soll und darf. Es ging dabei um die Frage, ob die Gebührengrenze für Bewohner-Parkausweise, die der Bund vorgibt, abgeschafft werden soll. In Görlitz sind in der Altstadt sowie in den zentralen Bereichen der Innenstadt derzeit sechs verschiedene Bewohnerparkbereiche ausgewiesen. Die Emmerichstraße würde beispielsweise mit zum Bereich WP dazukommen. Der Preis ist überall gleich, 30 Euro kostet eine Bewohnerparkkarte pro Jahr. 

Wohin, wenn man aufs Auto angewiesen ist?

Es gibt aber auch die andere Seite. Berufspendler wie Moustapha Allam. Der Nieskyer arbeitet als Dolmetscher und ist häufig in Görlitz in den unterschiedlichsten Stadtteilen unterwegs bei Kundenterminen. Auch wenn die häufig nicht allzu lange dauern, einen Parkplatz braucht er doch. Einen kostenlosen finde er selten in Görlitz, erzählt Moustapha Allam. "Es kostet schon fast überall", erzählt er. Fünf, sechs Euro am Tag für Parktickets - eine Seltenheit sei das nicht. Er fände es besser, wenn auch künftig an der Bahnhofstraße alle parken dürften, kostenfrei - wenigstens für eine oder anderthalb Stunden. 

Besonders in der Altstadt, teilweise in der Innenstadt, ist Parken in Görlitz immer wieder Thema. Und die Meinungen, was gut und richtig ist, gehen weit auseinander. Auch Anpassungen bei der Parkraumorganisation gebe es immer wieder, erklärt Jens Kunstmann, es sei ein kontinuierlicher Prozess. Es gehe dabei keinesfalls darum, einen Katalog an Negativmaßnahmen aufzustellen: "Ziel der Parkraumorganisation ist es, mittels vielfältiger Maßnahmen das Angebot und die Nachfrage effizient und verträglich zu steuern und auch auf veränderte Rahmenbedingungen entsprechend zu reagieren."  

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