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Pirna

"Panik ist jetzt der schlimmste Feind"

Klaus Haufe gehört die Lilienstein-Apotheke in Pirna. Die Corona-Krise hat seinen Alltag verändert. Aber das Team ist dennoch für die Kunden da.

Klaus Haufe ist Inhaber der Lilienstein-Apotheke in Pirna-Sonnenstein.
Klaus Haufe ist Inhaber der Lilienstein-Apotheke in Pirna-Sonnenstein. © Norbert Millauer

7.30 Uhr. Klaus Haufe öffnet an diesem Freitagmorgen, wie jeden Werktag,  die Tür der Lilienstein-Apotheke in Pirna-Sonnenstein. Die ersten Patienten treten sofort ein. Gedränge gibt es aber nicht, alles verläuft ruhig und diszipliniert.

Seit 1992 besitzt Klaus Haufe die Apotheke. Er weiß genau,  wie wichtig seine Arbeit und die seiner Mitarbeiter in diesen Zeiten der Corona-Krise ist. "Wir wollen für unsere Patienten da sein und ihnen Mut machen. Die meisten sind Stammkunden, die hier auf dem Sonnenstein leben", sagt der 58-Jährige. Viele sind verunsichert, haben Fragen, wie sie sich verhalten sollen  oder benötigen ganz konkrete Informationen. Die Mitarbeiter nehmen sich Zeit für die Gespräche. "Viele Patienten sind uns dafür dankbar und bringen das auch zum Ausdruck. Das tut natürlich gut", berichtet Klaus Haufe. Er möchte beruhigen. "Denn Panik und Hysterie sind jetzt die schlimmsten Feinde unserer Gesellschaft", lautet seine Überzeugung.

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Allerdings denkt der Unternehmer nicht nur an die Patienten und Kunden, sondern auch an seine eigenen Mitarbeiter. Damit sie möglichst gut vor eine Ansteckung geschützt sind, konnte Haufe moderne Schutzmasken aus Plexiglas kaufen. Damit Abstand gewahrt wird, hat Haufe die ursprünglichen drei Verkaufsstellen in der Apotheke auf zwei reduziert. Die Patienten stehen jetzt Rücken zu Rücken. Außerdem ließ er Plexiglascheiben an diesen Verkaufsstellen montieren; die Angestellten tragen Einweghandschuhe.

Es gibt viel zu tun! In den vergangenen drei Wochen verzeichnete die Lilienstein-Apotheke einen enormen Anstieg der Medikamenten-Ausgabe. Keine Hamsterkäufe, wie Klaus Haufe betont. "Es sind ärztliche Verordnungen,  die prophylaktisch verschrieben worden sind."  Zu Hamstereinkäufen kam es dann allerdings doch bei dem Schmerzmittel Paracetamol. "Das geben wir jetzt nur noch rationiert ab", erklärt Haufe.

Dass es zu einem Lieferengpass von Medikamenten kommen könnte, sieht der Apotheker derzeit nicht. "Bisher sind wir noch in der Lage, die Lieferanten auszutauschen, um das benötigte Medikament zu bekommen. Das bedeutet aber einen hohen bürokratischen Aufwand, da alles genau dokumentiert werden muss. Fast 90 Prozent der Medikamente bestellt Haufe im pharmazeutischen Großhandel, nur in Einzelfällen direkt beim Hersteller.

Nach wie vor groß ist auch in der Lilienstein-Apotheke die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln. Von der Idee, diese Mittel selber herzustellen, hält Klaus Haufe allerdings nur wenig. "Zum einen hätten wir dafür nicht genug Personal", sagt der Apotheker. Fünf Angestellte arbeiten im Verkaufsbereich in der Apotheke auf dem Sonnenstein. Außerdem gebe es ein Problem mit den Ausgangsstoffen, die momentan entweder gar nicht oder nur mit einem hohen Zeitaufwand zu besorgen seien. "Letztlich bin ich auch generell der Meinung, die Herstellung von Desinfektionsmitteln sollte dort stattfinden, wo sie hingehört, und das ist die Industrie."

Der Apotheker schaut aus dem Fenster und überlegt laut. "Seit 28 Jahren führe ich jetzt diese Apotheke. Wir hatten ja auch schon andere Krisen, wie zum Beispiel die  Vogelgrippe. Aber solche Zeiten, wie jetzt , habe ich noch nicht erlebt."

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