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Pirna

Wie die Gottleubatalbrücke entsteht

Das längste Bauwerk der Pirnaer Südumfahrung ruht auf filigranen Stützen. Für die Stabilität der Pfeiler ist gewaltiger Aufwand nötig.

Fertige erste Schalung für den höchsten Pfeiler der Gottleubatalbrücke am Fuße der Viehleite: 14 Wochen lang jede Woche vier Meter in die Höhe betonieren, „dann sind wir oben“, sagt Bauleiter Gawlas.
Fertige erste Schalung für den höchsten Pfeiler der Gottleubatalbrücke am Fuße der Viehleite: 14 Wochen lang jede Woche vier Meter in die Höhe betonieren, „dann sind wir oben“, sagt Bauleiter Gawlas. © Thomas Möckel

Damit die Gottleubatalbrücke, über die einmal die Pirnaer Südumfahrung verläuft, nicht gleich so wuchtig ins Auge fällt, wählten die Planer eine besondere Form. Die Architekten entschieden sich für ein schlankes Bauwerk mit schmalen Pfeilern. Denn die Ausmaße der Brücke an sich sind schon gewaltig: 916 Meter lang, bis zu 70 Meter hoch, 4 000 Tonnen Stahl werden verbaut.

Auf neun Pfeilern und zwei Widerlagern ruht die Brücke später. Derzeit arbeiten die Fachleute an den Pfeilern Nummer 50 bis 90 sowie am Widerlager, die auf dem Gelände hinter den Roten Kasernen an der Rottwerndorfer Straße, in der Viehleite sowie an der Hangkante zum Sonnenstein stehen. 

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Nach Aussage von Ulrich Gawlas, Bauoberleiter der Südumfahrung, müssen diese Bauwerke zuerst fertig sein, weil voraussichtlich ab Anfang 2020 die Stahlkonstruktion für die Brücke vom Sonnenstein aus auf die Pfeiler geschoben wird. Damit die Stützen stabil stehen und die Brücke zuverlässig tragen, ist gewaltiger Aufwand nötig. Bevor die Pfeiler emporwachsen, geht es zunächst einmal in die Tiefe.

Auf die fertigen Bohrpfahlköpfe wird die Pfahlkopfplatte betoniert.
Auf die fertigen Bohrpfahlköpfe wird die Pfahlkopfplatte betoniert. © Thomas Möckel

Mit einem speziellen Bohrgerät – es wiegt rund 100 Tonnen – bohren die Fachleute Löcher bis zu 20 Meter tief für die Bohrpfähle ins Erdreich. Wegen der Standsicherheit müssen unter manchem Pfeiler bis zu 18 dieser Bohrpfähle in den Boden getrieben werden. „Allein diese Arbeiten, bei denen es nur in die Tiefe geht, können je Fundament drei bis vier Wochen dauern“, sagt Gawlas.

In den Löchern werden vorgefertigte stählerne Käfige aus Bewehrungseisen versenkt, allein für das Fundament des höchsten Pfeilers am Fuße der Viehleite wurden 1 400 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut. Die Bohrlöcher betonieren die Fachleute dann aus, im Fundament des höchsten Pfeilers ruhen 530 Kubikmeter Beton – das entspricht den Ladungen von 65 üblichen Betonlastern.

Diese Baustelle war für die Lkws noch problemlos zu erreichen, weiter oben wird es allerdings komplizierter. Die Baustraße in der steilen Viehleite hat eine Steigung von 25 bis 30 Prozent, von großen Betonlastern nicht zu bewältigen. Das Baumaterial wird daher in kleinere Transporter umgefüllt, die laut Gawlas dann gemütlich den Berg hinauf tuckern.

Die Bohrpfähle werden extra etwas länger gegossen als nötig, weil es dadurch den nicht so guten Beton – dem aufgrund der Bauarbeiten oft Schmutz und Erdreich anhaften – nach oben drückt. Diesen überstehenden Teil entfernen die Arbeiter, damit die oberen Teile der Bewehrungseisen-Körbe wieder freiliegen. Darauf werden die sogenannten Pfahlkopfplatten betoniert, sie haben je Pfeiler eine Grundfläche von sechs mal vier Meter.

Das Bohrgerät bohrt bis zu 20 Meter tiefe Löcher für die Bohrpfähle.
Das Bohrgerät bohrt bis zu 20 Meter tiefe Löcher für die Bohrpfähle. © Thomas Möckel

Auf den Platten errichten die Fachleute die Schalung für die Pfeiler, die Schalung ist reichlich vier Meter hoch. Innen montieren die Arbeiter Bewehrungseisen, dann wird die Schalung ausbetoniert, danach muss das Material zunächst aushärten, ehe die nächste Schicht kommt. Das dauert jeweils etwa eine Woche. Betoniert werden die Pfeiler ausschließlich von unten, die Betonpumpen reichen bis in eine Höhe von über 60 Metern.

Ist eine Betonschicht fertig, zieht ein 90 Meter hoher Kran die Schalung nach oben, dann wird wieder betoniert. So geht es weiter, bis die erforderliche Höhe erreicht ist. Für den höchsten Pfeiler werden 14-mal vier Meter betoniert. „Das dauert 14 Wochen, dann sind wir oben“, sagt Gawlas. Der Anfang bei diesem Pfeiler ist gemacht, voraussichtlich ab nächster oder übernächster Woche wächst der Pfeiler schrittweise wie geplant in die Höhe.

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Die Fachleute arbeiten derzeit parallel an den Pfeilern 50, 60, 70, 80 und 90 – alle östlich der Rottwerndorfer Straße gelegen – sowie am Widerlager ganz oben in der Viehleite, das die Bezeichnung „100“ trägt. Wenn das Fundament für das Widerlager fertig ist, kommen darauf die Pfahlkopfplatte sowie das Widerlager selbst, auf dem später die Brücke aufsitzt. Die Stahlelemente für die Brücke werden voraussichtlich ab November angeliefert. Die Stahlkästen werden auf dem Sonnenstein zu größeren Einheiten zusammengeschweißt und dann auf die Pfeiler geschoben.

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