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Apotheken haben’s schwer

Die Kamenzer Stern-Apotheke musste schließen und ist damit in der Region kein Einzelfall. Gründe gibt es viele.

© gms

Von Annett Kschieschan

Der Kamenzer Apotheker Niels Franke musste jetzt eine schmerzliche Entscheidung treffen. Er hat seine Apotheke an der Bautzener Straße in Kamenz geschlossen. Seit letzter Woche bleibt die Ladentür hier zu. „Es ging nicht anders“, sagt Niels Franke. Ein wirtschaftliches Arbeiten sei in der Stern-Apotheke nicht mehr möglich gewesen. Da habe er die Reißleine gezogen. Kein Einzelfall in der Region. Über 80 Apotheken wurden seit 2005 in Sachsen geschlossen. In Bautzen traf es die Goethe-Apotheke, in Görlitz machten in den letzten Jahren gleich mehrere Betriebe dicht. Woran liegt’s? Die SZ hat nachgefragt.

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Apothekerverband sieht aktuelle

Entwicklung mit Sorge

Eine Apotheke braucht jeder mal. Deshalb galt der Apothekerberuf lange als krisensicher. Doch in den letzten Jahren mussten in Ostsachsen mehrere Apotheken schließen, zuletzt die Kamenzer Stern-Apotheke. Beim Sächsischen Apothekerverband (SAV) sieht man die Entwicklung mit Sorge, will aber keine Panik schüren. Von einem Apotheken-Sterben könne keine Rede sein. „Die Gründe, aus denen eine Apotheke schließt, werden bei uns nicht extra erfasst“, sagt Dr. Ulrich Bethge, der Geschäftsführer des Verbandes auf SZ-Anfrage. Sicher seien wirtschaftliche Faktoren oft ausschlaggebend. Und ältere Apotheker gehen in Rente, ohne einen Nachfolger gefunden zu haben.

Junge Apotheker wollen nicht im

ländlichen Raum arbeiten

Das wiederum sei inzwischen durchaus ein Problem. Vor allem im ländlichen Raum. „In Großstädten wie Dresden oder Leipzig haben Apotheken keine großen Nachwuchssorgen. In den ländlichen Gebieten wollen aber viele junge Leute nicht arbeiten“, weiß Dr. Ulrich Bethge. Der Kamenzer Apotheker Niels Franke hatte die Stern-Apotheke vor fünf Jahren übernommen, nachdem sein Vorgänger in den Ruhestand gegangen war. Schon damals gab es keine weiteren Interessenten für den Betrieb.

In Schwepnitz gelang die Suche

nach einem Nachfolger

Dass die Suche nach einem Nachfolger auch im ländlichen Raum Erfolg haben kann, zeigt indes das Beispiel der Schwepnitzer Ahorn-Apotheke. Als Armgart Stierand, die Gründerin des Betriebes, vor gut zwei Jahren in den Ruhestand ging, war die Nachfolge geregelt. Mit Kathrin Thiele fand sich eine junge Apothekerin aus der Region, die den Betrieb übernahm.

Und dass, obwohl Schwepnitz schon bei der Gründung der Apotheke Ende der 90er Jahre eigentlich als zu klein für so einen Betrieb galt. Eine Apotheke braucht ein gewisses Einzugsgebiet, um wirtschaftlich überleben zu können. In Städten spricht man dabei von 2 000 bis 3 000 Einwohnern.

Internet-Konkurrenz ist nicht

so stark wie befürchtet

Aber was macht Apothekern das Leben schwer? Medikamente – so meint man – brauchen die Leute doch immer. Dass es so einfach am Ende doch nicht ist, weiß Niels Franke, der sich jetzt auf seine Apotheke an der Oststraße konzentriert. Die Änderung der Arzneimittelpreisverordnung und der erhöhte Personalaufwand durch die Rabattverträge hätten beispielsweise durchaus Nachteile für die Apotheken.

Die oft gescholtene Konkurrenz aus dem Internet macht allerdings nicht so viel aus wie zunächst befürchtet. Eine Einschätzung, die der Berufsverband teilt. „Ich hatte vor zehn Jahren Schlimmeres erwartet, was die Internetkonkurrenz angeht“, sagt Dr. Ulrich Bethge. Aber vielen ist persönliche Beratung in der Apotheke vor Ort wichtig. „Ein Apotheker ist da auch immer eine Vertrauensperson“, weiß Ulrich Bethge. Auch deshalb sei der Apothekerberuf nach wie vor zukunftsträchtig.Auf ein Wort