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Apothekensterben? Nicht in Dresden

120 Apotheken kämpfen mit eigenen Geschäftsideen um Kunden. Jetzt gibt es eine weitere am Postplatz - mit einem ganz besonderen Arzneischrank.

Sven Lobeda ist Chef der neuen Apotheke am Postplatz. In einem Regalsystem haben 20.000 Verpackungen Platz. Ein Roboter sucht sie heraus.
Sven Lobeda ist Chef der neuen Apotheke am Postplatz. In einem Regalsystem haben 20.000 Verpackungen Platz. Ein Roboter sucht sie heraus. ©  Rene Meinig

"Das müssen wir erst bestellen." Diesen Satz kennt sicher jeder, der ab und zu in eine Apotheke geht. Vor allem Medikamente, die der Arzt per Rezept verschreibt, sind in den Geschäften nicht immer auf Lager. In der neuen Apotheke "Haus am Postplatz" könnte der Kunde allerdings das Glück haben, dass er nicht noch einmal wiederkommen muss, um die bestellte Arznei abzuholen. 

Im ersten Obergeschoss verbirgt sich nämlich ein ganz besonderer Schrank: Er bietet Platz für 20.000 Verpackungen, zwischen 6.000 und 8.000 verschiedene Medikamente können hier gelagert werden. Zum Vergleich: In einen normalen Apothekerschrank passen rund 12.000 Packungen. Filialleiter Sven Lobeda erklärt, wie die Technik hinter der neuen Anlage funktioniert. 

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Über diese Rutsche gelangt das Medikament vom Regal direkt an den Verkaufstresen.
Über diese Rutsche gelangt das Medikament vom Regal direkt an den Verkaufstresen. ©  Rene Meinig

Am Computer wird das Medikament von unten aus dem Verkaufsraum angefordert, dann holt ein Roboter die Packung aus dem Regal. Das reicht mit 75 Ebenen vom Boden bis zur Decke. Über eine kleine Rutsche wird das Medikament hinunter zum Mitarbeiter geschickt. "Dadurch müssen wir nicht mehr selbst im Schrank suchen und es bleibt mehr Zeit, den Kunden zu beraten." Noch ist der XXL-Schrank mit rund 9.000 Verpackungen nicht komplett gefüllt, denn die Apotheke in dem Neubau gegenüber der Altmarkt-Galerie ist erst seit Dezember geöffnet. 

Mit dieser Filiale betreibt Inhaber Sven Ullrich nun vier Geschäfte in Dresden - mehr ist auch nicht möglich. Die Niederlassungsfreiheit sieht zwar vor, dass überall und jederzeit eine Apotheke gegründet werden darf. Das heißt, es gibt keine Einschränkungen in Bezug auf die Gesamtzahl in einer Stadt. 

Allerdings darf ein Apotheker nur ein Hauptgeschäft und drei Filialen betreiben. Zu Ullrichs Unternehmen gehören die Apotheken am Uni-Klinikum, an der Pfotenhauerstraße und im Klotzscher Gesundheitszentrum an der Königsbrücker Landstraße. Am Postplatz beschäftigt der Apotheker zwölf Mitarbeiter und zwei Azubis. 

Das Team um Filialleiter Sven Lobeda ist recht jung, Lobeda selbst ist 32 Jahre alt. Der Standort am Postplatz mit 40.000 Pendlern am Tag ist attraktiv, dennoch könne man sich darauf nicht ausruhen, so Lobeda. Um mit der Online-Konkurrenz mitzuhalten, müsse zum einen die persönliche Beratung wirklich gut sein. Und ohne Onlineservice kommt heute auch eine stationäre Apotheke kaum aus: Per App können die Kunden ihr Medikament vorbestellen.

In den Neubau direkt am Postplatz ist die neue Apotheke im Dezember eingezogen.
In den Neubau direkt am Postplatz ist die neue Apotheke im Dezember eingezogen. © René Meinig

Die großen Apothekenplattformen im Internet machen im Verkauf von rezeptpflichtigen Medikamenten bislang zwar nur fünf Prozent aus, bei rezeptfreien Produkten bedienen sich aber schon gut 30 Prozent der Nachfrage. Tendenz steigend. Mit eigenen Geschäftsideen können die Dresdner Apotheker allerdings mithalten. Während sich einige auf homöopathische Arzneimittel spezialisieren, setzen andere auf Versorgungsverträge mit Seniorenheimen. Wie etwa Rolf Leonhardt, der seit 20 Jahren die Kronen-Apotheke am Albertplatz betreibt.

Apotheken fehlen im ländlichen Raum

So bleibt die Zahl der Apotheken in Dresden seit einigen Jahren stabil. Zwar haben seit 2017 vier Apotheken zugemacht, es sind aber drei neue dazugekommen. Obwohl vor allem in den 1990er-Jahren immer mehr Apotheken in Dresden öffneten, ist die Zahl der Menschen, die von einer Apotheke versorgt werden, relativ konstant geblieben. 

Denn Dresden wächst und immer mehr ältere Menschen brauchen Medikamente. Gab es 1995 in Dresden nur 75 Apotheken, waren es zwei Jahre später schon 92. Versorgte eine Apotheke anfangs noch 6.200 Menschen, so waren es dann 5.000. 2015 umfasste das Stadtnetz insgesamt 123 Apotheken, die jeweils im Schnitt 4.400 Dresdner versorgten. 

In der Dresdner Altstadt gibt es zwar schon etliche Apotheken, aber Lobeda geht nicht davon aus, dass die Konkurrenz mit der neuen Filiale in diesem Gebiet zu groß wird. Denn es wird gebaut, neue Wohnungen entstehen, bis zu 4.000 zusätzliche Menschen werden in der Altstadt leben. Dresden ist in Bezug auf Apotheken also gut versorgt.

Anders sieht das im ländlichen Raum aus. Auch, weil dort Ärzte keine Nachfolger finden, machen in Kleinstädten und Dörfern immer mehr Apotheken zu. Denn sie sind auch auf die Rezepte angewiesen, die der Arzt ausstellt. Fehlt diese Einnahmequelle,  reicht der Umsatz nicht. Ende 2019 gab es mit 19.423 Apotheken deutschlandweit die wenigsten seit der Wende. 

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Ein erster Abwärtstrend  begann 2000, damals waren es noch mehr als 21.000 Apotheken. 2004 konnte das "Apothekensterben" kurzzeitig aufgefangen werden, als jeder Apotheker neben seinem Hauptgeschäft Filialen gründen durfte. Seit 2008 sinkt die Anzahl der Geschäfte in Deutschland allerdings wieder. Dresden ist davon aber noch nicht betroffen - auch, weil die Apotheker hier scheinbar gute Ideen haben.

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