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Pirna

App soll Felsstürze vorhersagen

Wissenschaftler tüfteln schon: In die zweisprachige Datenbank sollen Messergebnisse, aber auch Hinweise von Bürgern einfließen.

Straßenblockade: Einer der spektakulärsten Fesstürze der vergangenen Jahre ereignete sich am 2. September 2014. Damals fiel dieser Brocken auf die Straße im Kirnitzschtal.
Straßenblockade: Einer der spektakulärsten Fesstürze der vergangenen Jahre ereignete sich am 2. September 2014. Damals fiel dieser Brocken auf die Straße im Kirnitzschtal. © Archivfoto: Marko Förster

Dass niemand zu Schaden gekommen ist, war ein großes Glück.

Ein tonnenschwerer Felsbrocken hatte sich am Morgen des 2. September 2014 gelöst und war auf die Kirnitzschtalstraße gestürzt. Ein Linienbus konnte gerade noch bremsen. Leichtverletzte gab es dagegen vor Jahren bei einem Steinschlag in den Schwedenlöchern bei Kurort Rathen. Zuletzt war es erst am vergangenen Freitag zu einem Steinschlag an der B 172 bei Königstein gekommen.

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Im Elbsandsteingebirge gehört es zur Natur der Sache, dass Erosion und Verwitterung zu Steinschlag und Felsstürzen führen können. Vorhersagen ließ sich das bisher aber nicht.

Das wollen Wissenschaftler der Bergakademie Freiberg nun ändern. Im deutsch-tschechischen Projekt „Georisks“ soll eine Smartphone-App entwickelt werden, mit der künftig vor aktuellen Felsstürzen oder Schlammlawinen gewarnt werden kann. Projektpartner sind neben der TU Bergakademie Freiberg die Karlsuniversität Prag, das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, das Landesamt für Straßenbau und Verkehr sowie die tschechische Nationalparkverwaltung. „Bis 2021 wollen wir das Vorhaben umsetzen“, sagt Professor Heinz Konietzky von der Bergakademie. Es wird von der EU mit 750 000 Euro gefördert.

Für die App sollen zahlreiche Daten und Statistiken ausgewertet werden. Seit Längerem wird bereits an der Felsenbühne in Kurort Rathen gemessen, ob sich Felsen bewegen. Nun soll es an fünf weiteren Stellen ein Monitoring- und Frühwarnsystem installiert werden. Genannt wurden der Grenzbereich Schmilka, Schaarwände im Kirnitzschtal, Rauenstein sowie die Gansbrüche bei Pötzscha und der tschechische Grenzort Hrensko. Die Benutzeroberfläche für dieses System wurde dafür ins Tschechische übersetzt und befindet sich im Probelauf, heißt es. Bei ungewöhnlichen Bewegungen soll die App ein Warnsignal abschicken und somit ein schnelles präventives Handeln der Behörden ermöglichen.

In die zweisprachige Datenbank sollen sowohl Hinweise von Fachleuten als auch von der „allgemeinen Öffentlichkeit“ einfließen. Wer Felsstürze oder Ähnliches entdeckt, kann das in der App melden. „Wir sammeln die Informationen und können über statistische Methoden Risiken bewerten“, sagt Professor Konietzky. Die ingenieurgeologische Bewertung der Schaarwände im Kirnitzschtal ist bereits abgeschlossen. Ergänzt wird diese durch Berechnungen zur Standsicherheit der Felsen sowie zur Schutzwirkung der Bäume bei Steinschlägen. Die gleichen Arbeiten haben jetzt an den Gansbrüchen begonnen.

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Bei den Postelwitzer Wänden können die Geologen auf Daten aus DDR-Zeiten zurückgreifen. Da wurden die Felsen umfangreich geologisch untersucht. Der Bergakademie liegen für einzelne Abschnitte detaillierte Vertikalprofile zum Schichtenaufbau sowie zu Kluftabständen vor. „Derzeit führen wir Berechnungen zum Einfluss von Baumwurzeln auf mögliche Felsblocklösungen bei Sturmereignissen durch. Dies ist eine grundsätzliche Arbeit und soll, vereinfacht gesagt, die Hebelwirkung von Baumwurzeln in Klüften bei Sturmereignissen feststellen“, heißt es auf der Homepage zum Projekt. Vor allem an Verkehrswegen sollen Bewertungen durchgeführt und „Risikomodelle“ zur potenziellen Gefährdung erstellt werden. Die Arbeiten führen zu einer ersten Klassifizierung von „Gefährdungsgebieten“ und der Erstellung von Gefahrenhinweis-Karten.

Weitere Informationen: http://elbe-labe-georisiko.eu


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