SZ +
Merken

Arbeit ist das beste Argument

Neun Monate Haft hat der Oschatzer Amtsrichter gegen den Weißenberger Frank M. verhängt. Neun Monate sind es vor dem Landgericht Leipzig geblieben. Aber: Die Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Teilen
Folgen

Von Michael Klein

Neun Monate Haft hat der Oschatzer Amtsrichter gegen den Weißenberger Frank M. verhängt. Neun Monate sind es vor dem Landgericht Leipzig geblieben. Aber: Die Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Eigentlich wollte der Weißenberger Frank M. im September 2001 in Oschatz übernachten. Dort hatte er seine Eltern besucht, und anschließend, da hat er Wiedersehen mit seinen Kumpels gefeiert: Viel Bier hat er getrunken und ein paar Schnäpse dazu. Letztlich hatte er 1,89 Promille Alkohol in seinem Blut. Die wären kein Problem gewesen, hätte der Weißenberger in Oschatz übernachtet, wie er es „eigentlich wollte“. Doch dann kam alles anders: Der Kumpel, der das Bett bereitstellen sollte, war nicht zu Hause. Frank M. hat sich in sein Auto gesetzt, ist losgefahren, hat das Ortsschild „Oschatz“ passiert und ist noch einen Kilometer geradeaus gefahren, um dann in einem Acker zum Stehen zu kommen. Aus seiner misslichen Lage wurde M. dann ausgerechnet von zwei Polizeibeamten befreit. Er hatte eben einfach Pech am 8. September 2001. Am 8. Januar 2003, da war Frank M. das Glück auch nicht hold. Er traf vor dem Amtsgericht Oschatz auf Amtsrichter René Stitterich. Der hat eine Haftstrafe von neun Monaten gegen den Weißenberger verhängt und ihm gleich noch die Fahrerlaubnis entzogen. Und das, obwohl Frank M. gar keine Fahrerlaubnis hatte: am 8. Januar 2003 nicht und am 8. September 2001 auch nicht. Er ist damals ohne Fahrerlaubnis Auto gefahren, eine Straftat, die der Staatsanwalt nicht der Verfolgung für würdig befunden hat - eine Straftat, die Amtsrichter Stitterich offenbar ignorierte. Neun Monate Haft hat der Amtsrichter verhängt, neun Monate, weil M. vorbestraft ist, und neun Monate, die M. nicht absitzen will. Landrichter Ralf Hellner sollte ihn vor dem Gefängnis bewahren. Er habe Arbeit, so berichtet der Weißenberger, sei auf Montage in Österreich, komme jedes zweite Wochenende nach Hause. Die Arbeit habe er bekommen, nachdem er eine Zusatzausbildung zum Schweißer absolviert habe. Eine Arbeitsstelle ist immer gut für die so genannte Sozialprognose. Aber wie ist das mit der Kriminalprognose, jener Schätzung der Wahrscheinlichkeit, mit der Frank M. in Zukunft noch einmal betrunken Auto fahren wird? Der Amtsrichter hatte eine düstere Kriminalprognose gezeichnet, schließlich sei M. einschlägig vorbestraft. Landrichter Ralf Hellner hat die selbe Vorstrafenliste zur Verfügung und kommt zu einem anderen Schluss: Eine Strafaussetzung zur Bewährung könne verantwortet werden. Schließlich stamme die letzte Verurteilung des Weißenbergers wegen eines Straßenverkehrsdelikts aus dem Jahre 1997. Zwei Richter, zwei unterschiedliche Urteile – Frank M. kann es egal sein: Das Urteil von Landrichter Hellner gilt. Das ist zu seinen Gunsten ausgefallen.