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Arbeiten statt faulenzen

Mehr als 60 Schüler arbeiten in der schulfreien Zeit bei Sachsenmilch in Leppersdorf. Dort hofft man, dass sie wiederkommen.

Zwei Wochen lang arbeitet Lydia Gernetzky als Ferienarbeiterin bei Optipack in Leppersdorf, das zur Unternehmensgruppe Theo Müller gehört. Insgesamt begrüßt Ausbilder André Thielsch in den Sommerferien 63 Schüler, die sich etwas dazuverdienen wollen.
Zwei Wochen lang arbeitet Lydia Gernetzky als Ferienarbeiterin bei Optipack in Leppersdorf, das zur Unternehmensgruppe Theo Müller gehört. Insgesamt begrüßt Ausbilder André Thielsch in den Sommerferien 63 Schüler, die sich etwas dazuverdienen wollen. © René Plaul

Leppersdorf. Montagmorgen, 7 Uhr: Während die meisten sächsischen Schüler wohl noch schlafen, stehen elf Jungen und Mädchen vor der Wache des Werksgeländes von Sachsenmilch in Leppersdorf. Statt die schulfreie Zeit zu genießen, wollen sie die nächsten ein bis zwei Wochen in dem Unternehmen arbeiten und sich etwas dazuverdienen. Und damit sind sie nicht allein. Während der sechswöchigen Sommerferien arbeiten insgesamt 63 Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren in dem Werk. „Das ist Rekord“, sagt Ausbilder André Thielsch, der die Schüler an der Wache in Empfang nimmt und erst einmal mit orangen Warnwesten ausstattet. Dann geht es auf das Gelände.

Bevor die Schüler auf die verschiedenen Abteilungen und Tochterfirmen auf dem riesigen Areal verteilt werden, steht erst einmal eine 30-minütige Einweisung auf dem Programm. Dabei erhalten die Jugendlichen auch ihre Stechkarten für den Zugang zum Werksgelände und eine Laufkarte. Fünf der elf Ferienarbeiter kennen das Prozedere bereits. Sie waren schon einmal in den Winterferien oder für ein Praktikum hier. Das hört André Thielsch gern, ist es doch das Ziel des Unternehmens, dass die Ferienarbeiter wiederkommen – bestenfalls natürlich für eine Ausbildung nach dem Schulabschluss.

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Vom Praktikum zur Lehre

Das zu erreichen, sei nach Angaben von Thielsch in den vergangenen Jahren oftmals gelungen. So haben von den rund 380 Schülern, die seit 2012 während der Winter- oder Sommerferien in dem Leppersdorfer Werk gearbeitet haben, nach dem Schulabschluss etwa 30 dort eine Ausbildung begonnen. In Zeiten, in denen sich Absolventen aussuchen können, wo sie ihre Ausbildung beginnen wollen, scheinen Ferienarbeit und Praktika, die bei Sachsenmilch auch außerhalb der Ferien absolviert werden können, ein gutes Mittel zu sein, Jugendliche für das eigene Unternehmen zu begeistern.

Und auch wenn es nicht dazu kommt, ist das für Thielsch kein Problem, im Gegenteil. „Selbst, wenn ein Ferienarbeiter merkt, dass die Arbeit nichts für ihn ist und nicht wiederkommt, haben beide Seiten gewonnen. Denn dann bricht er später als Azubi die Ausbildung nicht ab“, sagt er. Deshalb setze man auch auf Praktika vor Beginn der Ausbildung.

So weit sind die Schüler am Montag noch nicht. Für sie geht es nach der Einweisung erst einmal zur Einkleidung: T-Shirts, Pullover, Arbeitshosen, Arbeitsschuhe – und das in Weiß für die Arbeiter in der Produktion und in Blau für andere Bereiche. Lydia Gernetzky aus Mohorn hat die blaue Arbeitskleidung bekommen. Die 15-Jährige ist bereits das zweite Mal zur Ferienarbeit bei Sachsenmilch in Leppersdorf und arbeit in den nächsten zwei Wochen bei Optipack. Dort werden unter anderem die Becher und Flaschen aus Kunststoff hergestellt, die einige Hallen weiter mit Yoghurt und Getränken befüllt werden.

Schüler können Wünsche äußern

Ihre Wünsche, in welchen Bereichen sie eingesetzt werden wollen, können die Schüler bei der Bewerbung mit angeben. Neben Optipack können das beispielsweise die Laborbereiche, die Verpackung in der Käserei oder die Abteilungen in der Produktion sein, wo die Jugendlichen Aushilfsarbeiten wie Kontrolltätigkeiten verrichten. Bei der Aufteilung der Ferienarbeiter versuche man dann, den Wünschen nachzukommen, sagt Thielsch. Eine Garantie, dass es klappt, gibt es aber nicht. Schließlich sollen die Ferienarbeiter während ihrer Zeit bei Sachsenmilch auch etwas zu tun haben. Vor den Ferien gehe er deshalb immer in die einzelnen Abteilungen und frage nach, wer Interesse an Ferienarbeitern und auch die Kapazitäten habe, sagt Thielsch.

Pro Stunde verdienen die Schüler unter 18 Jahren acht Euro und ab 18 Jahren den Mindestlohn von 9,19 Euro. Da kommt bei zwei Wochen Arbeit ein stolzer Betrag zusammen. Bei Lydia Gernetzky ist der schon verplant. „Ich nehme einen Teil für mein neues Handy und den Rest für den Führerschein“, sagt sie. Nach der Schule dauerhaft bei Sachsenmilch zu arbeiten, kann sich die Schülerin aber nicht vorstellen. Zwei andere Ferienarbeiter können das dagegen nach eigener Aussage durchaus. Beide waren vorher schon einmal mit der Schule beziehungsweise als Praktikant in dem Unternehmen. Nun folgt die Ferienarbeit.

Frisch eingekleidet werden die Schüler von Mitarbeitern abgeholt und auf die Abteilungen verteilt. Währenddessen geht es für André Thielsch zurück ins Büro. Denn für das neue Ausbildungsjahr gilt es noch einiges vorzubereiten. Schließlich starten in wenigen Wochen 40 Jugendliche in ihr erstes Lehrjahr. Und die Bewerbungsphase für das Ausbildungsjahr 2020/21 läuft bereits.

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