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Arbeiter steigen dem Zittauer Salzhaus aufs Dach

In den überschwemmten Etagen geht der Abriss weiter voran. Bis alles wieder tiptop ist, wird es aber noch eine Weile dauern.

© SZ Thomas Knorr

Von Jan Lange

Gut zwei Stunden war Peter Hesse jüngst mit dem Schadensgutachter im Salzhaus unterwegs. Im Auftrag der Versicherung wollte er sich ein Bild von der aktuellen Situation nach dem Wasserschaden machen. Doch absolute Klarheit über den Schadensumfang gibt es auch danach noch nicht. „Die Kosten und die Bauzeit können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen“, erklärt Hesse, Geschäftsführer der Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft (Kuweit). Die Kuweit ist für das Gesamtmanagement des Salzhauses zuständig.

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Hinter vorgehaltener Hand ist von einer sechsstelligen Summe die Rede. Dies wollte der Kuweit-Chef allerdings weder bestätigen noch verneinen. Hesse rechnet damit, dass der Gutachter zur endgültigen Schadensermittlung noch einmal kommen muss. Wann dies der Fall sein wird, stehe aber noch nicht fest.

Vor etwas mehr als drei Wochen hatte sich im fünften Obergeschoss des Kulturdenkmals eine Sprühnebelanlage ungeplant in Gang gesetzt. Zehn bis 15 Minuten trat Wassernebel aus und überflutete neben der fünften auch die vierte Etage. Betroffen waren darüber hinaus die zweite und dritte Etage, in denen die Christian-Weise-Bibliothek untergebracht ist. „Wir wissen noch immer nicht, ob es sich um ein technisches Versagen gehandelt hat“, so Hesse. Möglich sei, dass man die damalige Situation noch einmal nachstellt, um den Grund zu ermitteln, warum die Anlage ausgelöst wurde.

Nichtsdestotrotz sei ohne Verzug mit der Beräumung der betroffenen Etagen begonnen worden. Die beiden Geschosse werden vom Landratsamt genutzt. Laut Einschätzung des Gutachters sei es richtig gewesen, die Mieter rauszunehmen. Zwischenzeitlich gab es Stimmen, die sich gegen einen kompletten Umzug ausgesprochen hatten. „Alles was wir getan haben, wirkte sich schadensbegrenzend aus“, erklärt Hesse.

Die gesamten Fußbodenbeläge, Türen und Lampen wurden entfernt. Auch die ersten Decken wurden geöffnet, ob sich dort noch Wasser gesammelt hatte. In den nächsten Tagen werden weitere Trockenbauwände herausgerissen und Bodenflächen geöffnet. Ob in großen Teilen zurückgebaut und danach alles neu errichtet wird, sei noch nicht endgültig entschieden, erklärt Hesse.

An der Außenfassade wächst derweil ein Gerüstturm in die Höhe. „In dieser Woche wird die Gerüstbaufirma damit fertig sein“, schätzt Hesse. Die Einhausung des Daches wird noch bis in die nächste Woche hinein dauern. Sie ist notwendig, weil zwei Dachebenen geöffnet werden und die Baumaßnahme über den Winter andauern wird. „Sobald der Gerüstturm steht, werden wir die Abbruchmaterialien rausholen und die neuen Baustoffe ins Gebäude bringen“, erklärt der Kuweit-Geschäftsführer. So müsse das Treppenhaus samt Fahrstuhl nicht benutzt werden. Dies sichert auch den freien Zugang zu den Geschäften und der Bibliothek. „Diese Technologie haben wir schon beim Umbau der oberen Etagen des Salzhauses eingesetzt“, sagt Hesse. Das Salzhaus ist nach seiner Einschätzung ein kompliziertes Bauwerk, zum einem vom Alter, zum anderen von der technischen Ausstattung her. Der Landkreis als Nutzer der oberen Etagen hatte besondere Forderungen an die Büroräume. So mussten Klimaanlagen und EDV-Systeme eingebaut werden. Beides vertrage sich nicht gut mit Wasser, meint Hesse.

Er selbst hätte gern Feuerlöscher statt einer Sprinkleranlage in den Verwaltungsgeschossen installiert. „Damit wären wir das Wasser losgeworden“, begründet der Kuweit-Chef. Dies sei damals aber baurechtlich nicht möglich gewesen. Und sein Wunsch wird sich voraussichtlich auch nach dem jetzigen Umbau nicht erfüllen. Es gebe deshalb auch in der Zukunft ein gewisses Restrisiko, dass ein solcher Wasserschaden erneut eintreten kann.

Nach dem Vorfall am 8. Oktober hätte sich Hesse von der Stadt Zittau eine größere Anteilnahme gewünscht. „Landrat Bernd Lange war umgehend vor Ort, von der Stadt war niemand da“, meint Hesse. Dabei sei der Weg vom Rathaus zum Salzhaus nicht der längste. Die Stadt benehme sich wie ein Fremder, sei aber weiterhin der Eigentümer des Gebäudes, so der Kuweit-Chef.

Der nun notwendige Umbau hätte die Chance geboten, die Räume den Anforderungen der Stadtverwaltung anzupassen. Doch der Stadtrat lehnte den Umzug des Technischen Rathauses ins Salzhaus ab. „Wir haben im Vorfeld sehr ausgiebig über Flächen und Konditionen gesprochen“, so Hesse. Damit habe die Stadt in seinen Augen Interesse signalisiert. Über die Ratsentscheidung und vor allem die Begründungen ist er deshalb etwas verärgert.