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Arbeitsamt startet Last-Minute-Aktion

Erheblich schlechter als noch vor einem Jahr sieht es derzeit auf dem Lehrstellenmarkt zwischen Elbe und Röder aus. Mit einer so genannten Last-Minute-Aktion will das Riesaer Arbeitsamt jetzt noch einmal um Stellen in den Betrieben buhlen.

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Von Thomas Riemer

„Ich habe mich überall beworben, würde jede Stelle annehmen. Aber da ist nichts zu wollen.“ Erik Schrul (Name geändert) ist einigermaßen verzweifelt. Die halben Ferien hat der Gröditzer Zehnklässler damit zugebracht, sich in Betrieben vorzustellen und Bewerbungen zu verschicken. Sogar in Bayern hat er seine Fühler ausgestreckt. Bislang vergeblich.

Dieses Schicksal teilt Erik mit 1 874 Jugendlichen. Alarmierend: Das sind immerhin 535 mehr als vor einem Jahr. Das Schlimmste: Den insgesamt 3 971 Bewerbern stehen zurzeit ganze 895 betriebliche Ausbildungsplätze zur Verfügung. „Auf jeden Ausbildungsplatz kommen rund 4,4 Bewerber“, rechnet Arbeitsamtsdirektor Wolfgang Heyn vor. Und will sich mit dieser Situation nicht zufrieden geben. Deshalb beginnt zunächst eine „Last-Minute-Aktion“ durch das Amt. Dabei werden Betriebe und Bewerber animiert, sich zu entscheiden. Denn viele Betriebe haben die Zeugnisse abgewartet, ehe sie ihre Plätze vergeben. Und viele Jugendliche haben sich mehrfach beworben. Wenn diese Bestandsaufnahme abgeschlossen sei, „wissen wir, wo wir ansetzen müssen“, so Heyn. Und dann gehen Berufsberater und Arbeitsvermittler am 20. August nochmals in die Betriebe – auf „Betteltour“. Gleichzeitig habe das Amt rund 150 Unternehmen, in denen noch Ausbildungspotenzial vermutet wird, angeschrieben. Alles mit nur einem Ziel: zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen. „Ich bin optimistisch, dass die 1 000er Grenze noch erreicht wird“, sagt der Amtsdirektor, auch vor dem Hintergrund, dass eine ähnliche Aktion im Juni gerade mal acht Lehrstellen brachte. Die Auftragslage in Betrieben ändere sich ja. Außerdem würden die Unternehmen auch etwas pokern und auf neue Förderprogramme setzen. Und letztlich müsse man die Firmenchefs auch davon überzeugen, dass sich der Fachkräftemangel in den nächsten zwei Jahren auch auf ihr ganz spezielles Unternehmen auswirken könnte. Erste Defizite diesbezüglich seien im Maschinenbaubereich sowie bei sozialpflegerischen Berufen bereits sichtbar.

Bei den Betriebsbesuchen will es das Arbeitsamt nicht belassen. Eine groß angelegte Telefonaktion sowie Einladungen von Bewerbern und Betrieben ins Amt werden Ende August und im September folgen. Zwei zusätzliche Ausbildungsberater stehen darüber hinaus ab kommendem Monat zur Verfügung. „Die müssen die Sprache des Handwerks sprechen und auch die Jugendlichen verstehen“, umreißt Wolfgrang Heyn die Ansprüche. Bei den Lehrstellen Suchenden sei künftig noch mehr Mobilität angesagt. „Denn die Arbeit kommt in den seltensten Fällen zum Arbeitnehmer“, sagt der Direktor.

Erik Schrul hat diese Bereitschaft bislang nichts gebracht. Vielleicht hat er ja Glück, wenn sich die Bemühungen des Arbeitsamtes doch irgendwie auswirken. Wolfgang Heyn jedenfalls ist fest entschlossen. „Es lohnt sich, für jeden Ausbildungsplatz noch mal loszugehen.“