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Arbeitsmarkt wird in der Krise abhängig vom Staat

Eine Verlängerung des Kurzarbeitergelds ist wahrscheinlich, trotzdem sollten Unternehmen sich nicht allein darauf verlassen - ein Kommentar.

Georg Moeritz ist Redakteur im Ressort Wirtschaft.
Georg Moeritz ist Redakteur im Ressort Wirtschaft. © Sebastian Gollnow/dpa/SZ

Zehn Jahre lang ist es in Deutschland aufwärts gegangen: Das Wirtschaftswachstum brachte immer mehr Arbeitsplätze. Jetzt ist Krise, und plötzlich gerät der Arbeitsmarkt in eine starke Abhängigkeit vom Staat. Lange nicht mehr hatten Entscheidungen von Politikern so starken Einfluss darauf, ob Millionen Menschen in Deutschland ihre Stellen behalten können.

Freilich hat der Staat durch die Corona-Vorsichtsmaßnahmen vielen Betrieben erst die Krise verordnet. Doch das war in vielen Staaten der Welt so – und notwendig, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen. In Deutschland tragen nun volle Kassen aus den vergangenen Jahren dazu bei, Beschäftigung zu erhalten.

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Allein in Sachsen hat die Arbeitsagentur zeitweilig für 282.000 Menschen Kurzarbeitergeld gezahlt und damit den größten Teil ihrer Lohnkosten übernommen. In ganz Deutschland gab es im April für rund sechs Millionen Menschen Kurzarbeitergeld. Diese Ausgaben sind gewaltig, aber besser, als Arbeitslosengeld nach Entlassungen zu zahlen.

Außerdem bekommen Ausbildungsbetriebe Beihilfen, wenn sie weiterhin Lehrlinge annehmen. In Ostsachsens Handwerk ist die Zahl der neuen Lehrverträge in diesem Jahr sogar leicht gestiegen, auf 1.794. Jeder davon ist ein Erfolg. Danach sah es im Frühjahr nicht aus, als viele Kennenlern-Aktionen abgesagt wurden.

Die Betriebe müssen aber darauf achten, sich nun nicht vom Staat und seinen kurzfristigen Förderprogrammen abhängig zu machen. Zwar ist schon eine Verlängerung der großzügigen Kurzarbeit ins zweite Jahr in Sicht. Dennoch sind allein in Sachsen bereits mehr als 3.000 Stellen in der Industrie abgebaut worden.

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Langfristig ist für den Arbeitsmarkt entscheidend, welche Erwartungen die Unternehmer an die Zukunft haben. Sie können mit Kurzarbeitergeld einen Einbruch in der Konjunktur überbrücken, aber sie brauchen vor allem die Aussicht auf wieder wachsende Nachfrage in den nächsten Jahren. Dann werden wieder die alten Sorgen Sachsens Arbeitsmarkt bestimmen: Fachkräfte werden gebraucht. Jeder Betrieb wird froh sein, sie trotz Krise behalten zu haben.

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