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Die Geschichte des Erzgebirgswalds

Wie sah der Urwald bei uns aus, bevor die Menschen eingegriffen haben? Das wollen die Förster wissen, um für die Zukunft daraus Lehren zu ziehen.

Dieses digitale Geländemodell zeigt den Höhenrücken zwischen dem Pöbelbach und der Wilden Weißeritz. Die Löcher im Boden sind heute im Wald verborgen. Dort war einst eine Bergbausiedlung.
Dieses digitale Geländemodell zeigt den Höhenrücken zwischen dem Pöbelbach und der Wilden Weißeritz. Die Löcher im Boden sind heute im Wald verborgen. Dort war einst eine Bergbausiedlung. © Landesamt für Archäologie

Der Wald im Osterzgebirge ist eine Fundgrube für Archäologen. Wesentliche Erkenntnisse zum mittelalterlichen Bergbau in Dippoldiswalde rühren aus der Untersuchung von alten Hölzern. Auf der Höhe zwischen dem Pöbeltal und der Wilden Weißeritz im vorderen Grünwald haben die Forscher Überreste einer aufgegebenen Bergbausiedlung gefunden oder im Hochwald die Ruine einer Burg.

Hier haben Förster und Archäologen eng zusammengearbeitet. Jetzt sind sie dabei, ein gemeinsames Forschungsprojekt mit dem Namen „Archaeoforest“ zu starten, das einen Schwerpunkt im Osterzgebirge hat, wie Christiane Hemker vom Landesamt für Archäologie informierte.

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Fünf Pilotregionen sollen zwischen Dippoldiswalde und Altenberg erforscht werden. Das sind das Stadtgebiet von Dippoldiswalde, der Hochwald bei Oberfrauendorf, das Pöbelbachtal oberhalb von Schmiedeberg, die Hegelshöhe und das Bielatal bei Bärenstein sowie der vordere Grünwald bei Schellerhau. Daneben laufen Untersuchungen im gesamten Erzgebirge.

Fünf Regionen im Osterzgebirge stehen bei dem Forschungsprojekt im Fokus.
Fünf Regionen im Osterzgebirge stehen bei dem Forschungsprojekt im Fokus. © SZ Grafik

Dirk-Roger Eisenhauer und Sven Martens vom Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft beim Sachsenforst in Graupa leiten "Archaeoforest". Partner sind dabei das Landesamt für Archäologie Sachsen und das Institut für Landschaftsökologie der Universität Greifswald. Derzeit wird das Projektteam zusammengestellt, das insgesamt elf Mitarbeiter umfasst. Im September soll die Gruppe komplett und arbeitsfähig sein. Danach läuft "Archaeoforest" über drei Jahre. Finanziert wird es aus dem Waldklimafonds der Bundesregierung.

Alte Kohlenmeiler und Bergbauhölzer geben Infos

Die Förster wollen herausfinden, wie sich der Wald im Erzgebirge zusammengesetzt hat, bevor die Menschen eingegriffen haben. Durch Rodung und Neuanpflanzung haben die Menschen manche Baumarten zurückgedrängt und vor allem die Fichte in den Vordergrund gerückt. Es gibt für die frühe Geschichte der Wälder zwar historische Beschreibungen. Aber ob die stimmen, das lässt sich nun mit modernen Methoden noch einmal überprüfen. Dafür wollen die Forscher beispielsweise die Überreste alter Kohlenmeiler untersuchen oder die Grubenhölzer, die im Bergbau eingesetzt wurden. An verschiedenen Stellen haben sich auch die Pollen aus vergangenen Jahrhunderten erhalten, die auch nach langer Zeit noch untersucht werden können.

Die Grubenhölzer bergen noch andere Informationen. Ihre Jahresringe zeigen, wie sie gewachsen sind, in guten Jahren reichlich, in kalten Jahren wenig. Ein hundert Jahre alter Baum, der um das Jahr 1200 geschlagen wurde, gibt so einen Blick in die Klimageschichte ab 1100. „Das zeigt uns das Wachstum in der frühmittelalterlichen Warmzeit“, sagt Eisenhauer. Mit Hilfe dieser Daten können Fachleute Programme schreiben, die das Baumwachstum unter verschiedenen Umweltbedingungen simulieren. Auch bisherige Annahmen der Förster zum Baumwachstum lassen sich damit korrigieren oder bestätigen.

Pingen zeigen, wo einst im vorderen Grünwald bei Schellerhau Bergbau betrieben wurde. Vielleicht verraten andere Überreste von Holzkohle beispielsweise, wie damals der Wald ausgesehen hat, sicherlich anders als der heutige Fichtenforst.
Pingen zeigen, wo einst im vorderen Grünwald bei Schellerhau Bergbau betrieben wurde. Vielleicht verraten andere Überreste von Holzkohle beispielsweise, wie damals der Wald ausgesehen hat, sicherlich anders als der heutige Fichtenforst. © Egbert Kamprath

Die Ergebnisse des Projekts sollen den Förstern eine Orientierung geben für die künftige Zusammensetzung der Wälder, damit die möglichst naturnah werden und damit hoffentlich auch widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels. Ein Beispiel dafür ist der vordere Grünwald, wo heute ein Fichtenforst steht. Vielleicht verraten die Überreste der alten Bergleute, welche Bäume dort gewachsen sind, als sie angefangen haben, dort nach Erz zu graben.

Die DNA der Weißtanne

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Eisenhauer hat eine Vision: „Wenn es uns gelingt, die DNA der Weißtanne aus alten Grubenhölzern zu extrahieren, dann wären hochinteressante Vergleiche möglich.“ Er würde gerne die genetische Ausstattung der mittelalterlichen Tannen mit den heutigen Weißtannen vergleichen. Einst waren diese weit verbreitet. Weil die Fichte aber lukrativer war, haben die Menschen die Tanne kaum noch angepflanzt, bis vor wenigen Jahren in Sachsen nur noch um die 1.000 ausgewachsene Weißtannen übrig waren. Sind diese genetisch noch so ausgestattet, wie ihre mittelalterlichen Vorfahren? Darauf wüssten die Förster gerne eine Antwort. Auch würden sie gerne einen Vergleich ziehen zu Weißtannen, die aus dem Karpatengebiet importiert werden. „Ob wir das alles in dem Forschungsprojekt schaffen, wissen wir noch nicht“, sagt der Leiter. 

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