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Deutschland & Welt

Armee in Italien transportiert Leichen mit Lkw ab

Noch nie sind so viele Menschen in Italien an einem Tag an Covid-19 gestorben. Rom reagiert: Noch schärfere Ausgangsverbote und noch etliche Wochen Notstand.

LKW der Armee transportieren die Corona-Toten in Bergamo ab, weil die örtlichen Friedhöfe überfüllt sind.
LKW der Armee transportieren die Corona-Toten in Bergamo ab, weil die örtlichen Friedhöfe überfüllt sind. © Screenshot

Von Andrea Dernbach

Italien, ohnehin seit Wochen im Ausnahmezustand, ist an diesem Morgen mit neuen erschreckenden Bildern aufgewacht. Eines davon: Ein nächtlicher Konvoi von 70 Militärfahrzeugen, aufgereiht in einer Straße nahe des Friedhofs von Bergamo. Die ganze Nacht über werden sie den Friedhof anfahren. In der Aussegnungshalle immer neue Särge, die darauf warten, aufgeladen zu werden.

Das einzige Krematorium der Stadt in der Lombardei kann, obwohl es Tag und Nacht in Betrieb ist, die Leichen der vielen Corona-Opfer nicht mehr aufnehmen. Mehrere Kommunen in der angrenzenden Provinz von Monza, in Modena und der Emilia-Romagna, haben sich bereiterklärt zu helfen. Jetzt braucht es Italiens Heer, um die Särge dorthin zu transportieren.

Die 24 Stunden zwischen Dienstag- und Mittwoch waren die bisher tödlichsten der Epidemie. 475 Tote in nur einem Tag, meldete am Mittwochabend die Zivilschutzbehörde, die dem Innenministerium untersteht. Das wären mehr als selbst in China an einem Tag an Covid-19 verstarben. Allein auf die Lombardei entfielen 319 Tote; Bergamo gilt als Wuhan Italiens. 

Covid-19: "Das Wohl aller hängt von uns ab"

Während Deutschland es noch beim Appell der Kanzlerin an das Verantwortungsgefühl der Bürgerinnen und Bürger belässt, sieht sich Italiens Regierung und die regionale Politik unterdessen zu mehr Zwang gezwungen. „Restate a casa“, bleibt zu Hause, das ist seit Wochen ein Gruß so italienisch wie „Ciao“, die Socials, Leuchtschriften, jede Politikerrede wiederholt den Satz.

Das Video zeigt Trucks des Militärs, die Särge aus der Stadt Bergamo bringen, um sie andernorts begraben oder einäschern zu können:

Aber noch immer wird er zu wenig beachtet. Für die am dramatischsten betroffene Lombardei haben Mobiltelefontrackings nachgewiesen, dass nach wie vor 40 Prozent der Menschen sich weiter als 300 Meter vom eigenen Haus entfernen – zehn bis höchstens zwanzig Prozent dürften es den amtlichen Schätzungen zufolge sein, wenn es dabei nur um erlaubte Einkäufe, Arztbesuche, Wege zur Arbeit und von dort nach Hause ginge.

Allein am Mittwoch bekamen 8.300 Personen Bußgelder aufgebrummt – und das sind nur die, die das Pech hatten, in eine Kontrolle zu geraten. Innenministerin Luciana Lamorgese kündigte in einem Interview mit der römischen „La repubblica“ weitere Strafen und Verschärfungen der Ausgangssperre an, wenn die Leute nicht mehr Disziplin zeigten: „Jeder einzelne von uns muss seine eigene Kontrollinstanz werden.“ Sie wiederholte, was alle seit Wochen sagen: „Von dem, was wir persönlich entscheiden, hängt das Wohl aller ab.“

Corona-Shutdown wird verlängert

Dem Bericht zufolge denkt das Kabinett von Ministerpräsident Conte derzeit an ein komplettes Verbot auch für Spaziergänge, Jogging und Radeln – was bisher, weil gesund, noch erlaubt ist – oder doch die Beschränkung der im letzten Dekret genannten „Bewegung im Freien“ auf den Morgen.

Auch Supermärkte könnten demnächst sonntags schließen, um große Menschenansammlungen dann zu verhindern, wenn die meisten nicht arbeiten und daher mehr Zeit fürs Shopping haben.

Im heutigen "Corriere della sera" stimmte Conte das Land auch auf eine Verlängerung des Shutdowns ein, der seit gut einer Woche für ganz Italien gilt. Es sei „klar, dass die bisher getroffenen Maßnahmen, sowohl die Schließung vieler Unternehmen und der Schulen wie auch die Einschränkungen für Private zwangsläufig über den Termin hinaus verlängert werden müssen.“

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Auch wenn der Scheitelpunkt der Ansteckungen womöglich bald erreicht sei, „hoffentlich in ein paar Tagen, werden wir nicht sofort unser früheres Leben wieder aufnehmen können“.  

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