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Arnhold-Bad-Ärger: So reagieren andere Städte

Nach dem Besuch der „Irish Travellers“ prüft die Stadt Dresden den Vorfall. Andernorts hat man schon Konsequenzen gezogen. 

Die Irish Traveller haben in Dresden für Aufregung gesorgt.
Die Irish Traveller haben in Dresden für Aufregung gesorgt. © privat

Sie haben für Unruhe gesorgt: 500 „Irish Travellers“ sind in der vergangenen Woche in Dresden gewesen. Mit 102 Campingfahrzeugen ließen sie sich im Lingnerareal nieder. Die Polizei war mehrfach vor Ort. Wegen der Gruppe musste das Georg-Arnhold-Bad kurzzeitig schließen. Unter anderem starke Verschmutzungen und Bedrohungen des Personals gab Matthias Waurick, Chef der Bäder GmbH, als Gründe an. Von Müll und Fäkalien berichtete zudem Manuela Gey, die Leiterin des Stellplatzes am Blüherpark, wo die Iren untergekommen waren. Jedes Jahr gehen sie im August auf Reise. Anlass ist der katholische Feiertag Mariä Himmelfahrt. Andere Städte haben bereits Konsequenzen gezogen. Und Dresden?

Die Kleinstadt Kevelaer sucht das Gespräch.

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Mehrere Jahre in Folge sind die „Irish Travellers“ im nordrhein-westfälischen Kevelaer gewesen. Davon berichtet Ludger Holla, Leiter des Ordnungsamts. Zuletzt war die Gruppe 2017 vor Ort. „Die Erlebnisse waren unterschiedlich. Mal sind sie in kleinen Gruppen gekommen, vor zwei Jahren dann in größerer Zahl.“ Damals wurden sie auf ein gesondertes Areal verwiesen. „Immer wenn wir bemerken, dass die Gruppe kommt, suchen wir direkt das Gespräch“, so Holla. „Meist gibt es einen Sprecher, mit dem der Aufenthalt geklärt werden kann.“ Viele Besuche verliefen laut Holla harmonisch und ruhig. Die Gruppe sei immer gesprächsbereit gewesen – und die Iren deshalb als Gäste der Stadt willkommen.

Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat die Iren des Platzes verwiesen.

In Kevelaer sind die Iren im Jahr 2017 auch gelandet, weil sie in Düsseldorf nicht bleiben durften. Dort waren Anfang August rund 80 Wohnwagen eingetroffen. „Eine Hundertschaft Polizei und viele Abschleppwagen waren vor Ort. Das Gelände haben die Menschen dann freiwillig geräumt“, erklärt Stadtsprecherin Ingrid Herden. Sie selbst war damals noch nicht im Amt, berichtet aber: „Das Problem war die Größe der Gruppe.“ Schon zuvor hätten sich „Irish Travellers“ zeitweise in und um Düsseldorf niedergelassen – „aber immer in kleinerem Ausmaß. Das lief problemlos.“ Konsequenzen habe die rund 600 000-Einwohner-Stadt laut Herden nicht gezogen. „Nein, wir weisen keine Plätze zu.“

Die Stadt Ginsheim-Gustavsburg bei Wiesbaden handelt restriktiv.

Hunderte Iren mit Wohnwagen hat es 2016 ins hessische Ginsheim-Gustavsburg gezogen. Dabei sei es zu Pöbeleien und Sachschäden gekommen, sagt Stadtsprecherin Katharina Schmidt. Auch davor ließen sich schon häufiger „Irish Travellers“ in dem Städtchen nieder. Die Konsequenz sei nun mehr Strenge, so Schmidt. Die Polizei würde verstärkt Streife laufen, wenn die Gruppe wieder anreist. So solle verhindert werden, dass sich die Menschen mit ihren Wohnwagen auf Wiesen stellen, die gar nicht zum Campen gedacht sind. So war es unter anderem vor drei Jahren. „Außerdem wurden Container und Schranken aufgestellt, um die Zufahrten zu großen Arealen wie Parkanlagen und Parkplätzen zu verhindern.“ Auf freie Rasenflächen wurden außerdem Findlinge gelegt, so Schmidt.

Im hessischen Eppstein wird die Gruppe auf ein Sonderareal geschickt.

Reichlich Erfahrungen hat auch Jörg Steimer mit den „Irish Travellers“ auf seinem Campingplatz in Eppstein gesammelt. Jahrelang seien die Iren auf sein Gelände gekommen. Mit der Zeit habe er viel dazu gelernt und Dinge verändert: „Die Gruppe funktioniert streng hierarchisch. Wenn ich mit dem Oberchef spreche und mich beschwere, pfeift der seine Leute zurück“, so Steimer. Sein Platz sei in drei Bereiche unterteilt, den Travellers weise er stets einen separaten zu. „Gleich bei den Müllcontainern, damit sie ihren Abfall vor Ort entsorgen können.“ Touristen seien in einem anderen Areal, das man nur mit Zugangscode betreten könne. Außerdem fotografiere er alle Kennzeichen.

In Dresden soll der Vorfall nun geprüft werden.

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Wie Rathaussprecher Kai Schulz auf SZ-Anfrage mitteilt, sei grundsätzlich nicht vorhersehbar „ob und wann eine Gruppe wie diese wieder nach Dresden kommt.“ Die Ereignisse würden gemeinsam mit der Polizei und anderen Akteuren ausgewertet. Es gäbe immer wieder Ausnahmesituationen, auf die Behörden reagieren müssten. „Im aktuellen Fall hätte die Stadt keine Handhabe gehabt, die Besucher der Stadt zu verweisen.“ Ob die Gruppe im Wiederholungsfall auf andere Plätze umgelenkt werden könnte, werde laut Schulz „Teil der gemeinsamen Erörterung sein“.

Rund 40.000 Traveller soll es in Irland geben – das erklärt Jacinte Brick von Irish Traveller Movement. Die Gruppe habe keinen festen Wohnsitz und reise umher.

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