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Sachsen

Arnsdorfer AfD-Fraktionschef will Bürgermeister werden

Detlef Oelsner stand vor Gericht, weil er 2016 mit anderen Männern einen Flüchtling an einen Baum in Arnsdorf fesselte. Von der CDU ging es zur AfD.

Detlef Oelsner (2.v.r.) war früher in der CDU. Noch vor dem Prozess am Amtsgericht Kamenz wendete er sich der AfD zu. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen Freiheitsberaubung angeklagt.
Detlef Oelsner (2.v.r.) war früher in der CDU. Noch vor dem Prozess am Amtsgericht Kamenz wendete er sich der AfD zu. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen Freiheitsberaubung angeklagt. © Matthias Schumann

Der Fall hatte bundesweit für Negativ-Schlagzeilen gesorgt: Vier Männer aus Arnsdorf hatten im Mai 2016 einen psychisch kranken Flüchtling aus dem Irak aus dem Netto-Markt in Arnsdorf gezogen und danach mit Kabelbindern an einen Baum gefesselt. 

Einer der Tatverdächtigen von damals will dort jetzt Bürgermeister werden. Detlef Oelsner, ehemals CDU, tritt für die AfD an, teilt der Bautzener Bundestagsabgeordnete Karsten Hilse (AfD) mit. Am 26. April wird in der Gemeinde Arnsdorf ein neuer Bürgermeister gewählt. Um die Nachfolge von Martina Angermann konkurrieren außerdem Ilko Keßler für das Bürgerforum 1990 und Frank Eisold für die CDU.

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In Bezug auf Oelsner spricht Hilse von „couragiertem Eingreifen“. Wäre es damals nach der Staatsanwaltschaft gegangen, hätten sich Oelsner und die anderen wegen Freiheitsberaubung verantworten müssen und wegen Selbstjustiz. Nach der Fesselungsaktion hatte sich Detlef Oelsner der AfD zugewandt.

Der Prozess vor dem Kamenzer Amtsgericht war im April 2017 überraschend eingestellt worden. Kurz vor Prozessbeginn war die Leiche des irakischen Hauptbelastungszeugen im Wald gefunden worden, er war erfroren. Es gab nie ein Urteil. In der Gemeinde gab es nie eine offizielle Aufarbeitung des Vorfalls – weil die CDU-Fraktion das nicht wollte, der Oelsner früher angehörte. Oelsner ist nach der letzten Kommunalwahl Chef der AfD-Fraktion im Gemeinderat. Einem Ausschluss aus der CDU war er durch einen Austritt zuvor gekommen.

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Als Männer einen Iraker an einen Baum fesselten, kritisierte das Bürgermeisterin Martina Angermann. Erstmals redet sie über die Folgen massiver Anfeindungen.

Dass im Zuge der Ermittlungen Staatsanwälte bedroht und beleidigt wurden, erwähnt der AfD-Abgeordnete Hilse nicht. Ebenso ging er nicht auf die Drohungen und das massive Mobbing von Rechtsextremen und „besorgten Bürgern“ ein, dem die frühere Bürgermeisterin Martina Angermann (SPD) ausgesetzt war. Im November 2019 erstattete Oelsner zusammen mit einem weiteren ehemaligen Mitangeklagten Anzeige gegen die Bürgermeisterin - wegen Verleumdung und übler Nachrede. Rechtsextreme und AfD feiern Oelsners Verhalten im Fall des kranken Flüchtlings bis heute als "Zivilcourage".

Update 17:55 Uhr: In einer früheren Version haben wir geschrieben, dass Detlef Oelsner Mitglied der AfD ist. Tatsächlich ist Oelsner zwar AfD-Fraktionschef in Arnsdorf sowie für diese Partei als Parteiloser im Kreistag, aber kein Mitglied.