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Arten drohen zu verschwinden

In der Kleinkuppenlandschaft werden die neue EU-Vorgaben schon jetzt erreicht. Trotzdem schlagen Naturschützer Alarm.

Ohne Umweltschutz kein Geld. Landwirte sollen künftig mehr am Erhalt biologischer Vielfalt mitwirken. Darüber, ob das mit den neuen Fördervorgaben funktionieren kann, sprach die Sächsische Zeitung mit Matthias Schrack, dem Leiter der Nabu-Fachgruppe Ornithologie Großdittmannsdorf.

Zurück in die Heimat!

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Ein naturschutzgerecht bewirtschafteter Acker am Lindenberg Berbisdorf, lückig mit Sommergetreide bestellt, eignet er sich als Brutplatz für den Ortolan (kl. Foto). . Ackerwildkräuter können gedeihen, weil keine Pflanzenschutzmittelausgebrachtwerden. Trot

Die EU-Agrarpolitik fordert, dass Landwirte künftig fünf Prozent ihrer Flächen für Natur und Umwelt bewirtschaften. Ein Fortschritt, oder?

Im Vogelschutzgebiet Moritzburger Kleinkuppenlandschaft werden diese fünf Prozent erreicht, ohne dass die Ackernutzung verändert werden muss. Der Grund dafür ist, dass Feldgehölze und Feuchtgebiete bis 2 000 Quadratmeter und Feldhecken ab zehn Meter Länge zum Acker gehören! Viele einst blütenbunte Wiesen sind längst in artenarme Intensivgrasländer zur Silageherstellung für Hochleistungsmilchkühe umgewandelt. Die Subventionen für die Landwirtschaft waren und sind nicht auf tatsächliche Ziele des Biotop- und Artenschutzes gerichtet.

Was bringt die sogenannte Gemeinsame Agrarpolitik für Feldtiere und Ackerwildkräuter?

Künftig muss jeder Landwirtschaftsbetrieb mindestens drei Feldfrüchte anbauen. Aber das haben wir doch schon: Mais, Raps, Wintergetreide. Diese dicht wachsenden, hochhalmigen und intensiv bewirtschafteten Kulturen bieten Tieren wie Feldhase, Kiebitz, Rebhuhn, Feldlerche kaum Brut- und Nahrungsraum. Von 1995 bis 2005 ging das Rebhuhn in Sachsen trotz „umweltgerechter Landwirtschaft“ um 90 Prozent zurück. Aktuell gibt es noch 200 bis 400 Paare!

Wer ist verantwortlich für diese dramatische Veränderung?

Anzulasten ist das nicht den Landwirten, sondern der Landwirtschaftspolitik, die Massenproduktion und flächendeckenden Einsatz von risikobehafteten Pflanzenschutzmitteln fördert. Krebsverdächtige Neonikotinoide und die Austrocknung des Brotgetreides durch Sprühen des Totalherbizids Roundup kurz vor der Ernte sind seit Jahresbeginn auf öffentlichen Druck hin verboten. Umweltminister Thomas Schmidt sagt, „Landwirte erhalten mit ihrer täglichen Arbeit unsere Kulturlandschaft“. Was hat aber Ausrottung von Tieren und Pflanzen mit Kultur zu tun?

Wie unterstützen Landwirte Ihre Naturschutzbemühungen?

Ausnahmslos besteht eine sehr hohe Bereitschaft, Teile der Wiesen, Weiden und Äcker für bedrohte Arten des Offenlandes zu pflegen und zu entwickeln. Dafür ein herzliches Dankeschön! Daher ist es auch nicht akzeptabel, dass Landwirte 2013 für ihre artenschutzgerecht bewirtschafteten Äcker für Kiebitz, Rebhuhn und Ortolan im Raum Radeburg/Weixdorf Fördergelder zurückzahlen mussten. Sie hatten mehr als dreimal hintereinander Sommergetreide angebaut, was angeblich unstatthaft ist. Eine fehlerhafte Entscheidung der zuständigen Förderstelle, teilte das Umweltministerium dem Nabu-Landesverband Sachsen auf Anfrage mit. Rückgängig gemacht wurden die Sanktionen aber nicht. Das verunsichert die Landwirte als Partner des Naturschutzes.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Landwirte durch Massentierhaltung und forcierte Chemisierung weltmarktfähig zu machen und von ihnen gleichzeitig zu erwarten, dass sie die biologische Vielfalt fördern, funktioniert nicht. Die bedarfsgerechte Herstellung gesunder Lebensmittel in einer intakten Umwelt würde hingegen allen nützen, den Landwirten, den Verbrauchern, Biotopen und Arten! (SZ)

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