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Riesa

Kinderärztin schließt wegen Corona-Fall

In der Praxis hat sich ein Covid-19-Verdacht bestätigt. Das hat Folgen für Mitarbeiter und Patienten.

Die Kinderarztpraxis am Kalkberg in Riesa muss wegen eines Corona-Falls zwei Wochen geschlossen bleiben.
Die Kinderarztpraxis am Kalkberg in Riesa muss wegen eines Corona-Falls zwei Wochen geschlossen bleiben. © Lutz Weidler

Riesa. Die Nachricht macht am Sonntagabend schnell die Runde in den sozialen Netzwerken, dafür sorgt schon das Personal der Kinderarztpraxis von Angelika und Kathleen Kunze. "Liebe Eltern, bedauerlicherweise hat sich in unserer Praxis ein Covid-19-Verdachtsfall bestätigt", heißt es auf der Internetseite

Für Patienten, die Ärztin und ihre Mitarbeiter hat das weitreichende Konsequenzen: Zwei Wochen lang bleibt die Praxis am Kalkberg geschlossen, bis einschließlich Freitag, 3. April. So lange sei auch eine Terminabsprache nicht möglich: Vom Homeoffice aus habe man keinen Zugriff auf die Praxissoftware, heißt es. In anderen Fragen könne man aber über die Internetseite mit dem Personal in Kontakt treten

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Gesundheitsamt mahnt zur Besonnenheit

Die Mitarbeiter der Praxis haben schnell reagiert. Der Fall sei am Sonnabendnachmittag bekannt geworden, schreibt Dr. Kathleen Kunze auf Nachfrage. "Das Praxispersonal wurde daraufhin durch das Gesundheitsamt in Quarantäne gesetzt." Wenig später informiert die Praxis öffentlich über den Fall. Die Ärztin gibt sich optimistisch, danach direkt wieder öffnen zu können. "Wir freuen uns schon, ab 6. April wieder für unsere kleinen Patienten da sein zu können." Ob der bestätigte Fall Personal oder Patienten betrifft, teilt Kathleen Kunze unter Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht nicht mit.

Die Wahrscheinlichkeit, sich in der Arztpraxis mit Covid-19 infiziert zu haben, sei indes relativ gering. Schon seit längerer Zeit liegt kein Spielzeug mehr im Wartezimmer, über das Erreger von Kind zu Kind weitergegeben werden könnten. "Wir haben die ohnehin sehr strengen hygienischen Vorkehrungen rechtzeitig erhöht", erklärt Kathleen Kunze auf Nachfrage. "Insbesondere haben wir Kinderspielzeug, Bücher und Zeitschriften aus unserer Praxis entfernt und zusätzliche Desinfektionsmöglichkeiten für unsere Patienten installiert."

Ein Aushang an der Eingangstür informiert über die Schließung. 
Ein Aushang an der Eingangstür informiert über die Schließung.  © Lutz Weidler

Im konkreten Fall hat das Gesundheitsamt Entwarnung gegeben: "Da es nicht zu Kontakten unter zwei Metern über eine Dauer von 15 Minuten gekommen ist, besteht nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt grundsätzlich kein Anlass zur Sorge", heißt es auf der Internetseite der Arztpraxis. Das Landratsamt Meißen mahnt ebenfalls zur Ruhe. "Die Praxisinhaberin hat das Gesundheitsamt informiert, das aktuell die Kontaktpersonen ermittelt", teilt Sprecherin Kerstin Thöns mit. Wer in der Praxis war, soll sich ausdrücklich nicht eigenständig an das Amt wenden. "Sonst wird das Amt überrollt. Das Gesundheitsamt wird alle Kontakte selbst informieren. Es liegen Anmeldungen und Patientenakten vor, die für die gegenwärtige Recherche ausreichen."

Zwei Praxen im Kreis wegen Covid-19 geschlossen

Es ist nicht das erste Mal, dass seit Beginn der Corona-Krise ein niedergelassener Arzt schließen muss. Schon Mitte März vermeldete beispielsweise die Süddeutsche Zeitung einen solchen Fall aus dem Landkreis Ebersberg in der Nähe von München. Ähnlich wie jetzt in Riesa musste die Praxis schließen, die Mitarbeiter sind für zwei Wochen in Quarantäne. "Im Landkreis Meißen sind uns derzeit vier ambulante Arztpraxen bekannt, die geschlossen sind", so Kerstin Thöns. "Zwei davon ohne Covid-19- Verdacht oder einen bestätigten Fall." Neben der Riesaer Kinderarztpraxis habe noch eine weitere "vorsichtshalber geschlossen, da ein Mitglied des Praxisteams mit Covid-19-Verdacht getestet wird". Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen meldet allein für den Direktionsbezirk Dresden, zu dem Riesa gehört, 28 geschlossene Arzt- und psychotherapeutische Praxen im Zusammenhang mit dem Virus. 

Unter manchen Eltern sorgte die Schließung in Riesa zunächst für Verunsicherung, was anstehende Termine anbelangt. Eine junge Frau fragt etwa auf Facebook, was nun aus der U-Untersuchung für ihr Kind werde, die diese Woche angestanden hätte.  Auch darauf gibt die Internetseite der Ärztin Antwort. "Sobald wir wieder wie gewohnt arbeiten können, bearbeiten wir Ihre ausgefallenen Termine nach Dringlichkeit", heißt es in der Mitteilung. 

Für dringende Fälle - bei Krankheit oder wenn ein Medikament notwendig ist - verweist die Praxis an Kinderarzt Alexander Winkler in der Friedrich-Engels-Straße 70a. Ansonsten werden sich die Eltern wohl gedulden müssen. Die Terminkalender der meisten Kinderärzte dürften ohnehin voll sein. Auch der Vertretungsarzt rät Eltern, am besten zunächst anzurufen. "Vielleicht können wir auch schon am Telefon einige Dinge oder Probleme klären und so für alle unnötige Wartezeiten sowie ein zu hohes Patientenaufkommen vermeiden", heißt es in einem Aushang.

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Keinerlei Konsequenzen hat der Coronafall aus der Kinderarztpraxis übrigens für den Oberbürgermeister. Marco Müller (CDU) ist mit Kathleen Kunze verheiratet. "Als sogenannte Kontakt-Kontaktperson ergeben sich für mich derzeit keine unmittelbaren Konsequenzen", erklärt er auf Nachfrage, "zumal ich auch keinerlei Symptomatik aufweise. Das haben wir mit dem Gesundheitsamt abgestimmt, um keine Risiken einzugehen." Auch das Testergebnis für seine Frau liege mittlerweile vor, sie sei ebenfalls nicht erkrankt. "Ich bin froh, meiner Arbeit in dieser schwierigen Zeit weiter nachgehen zu können", so Müller. 

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.