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Aschenbrödel, die Vierte

Trotz Besucherrekorden und vollen Kassen zeigt Schloss Moritzburg vorerst die letzte Ausstellung zum Kultfilm.

Von Sven Görner

Rumpelstilzchen verwandelte Stroh in Gold. Im Märchen. Schloss Moritzburg schaffte es in den vergangenen Jahren dagegen ganz real, mit einem märchenhaften Stoff die Kassen zu füllen. Die bisher drei Ausstellungen zum deutsch-tschechischen Kultfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sahen über 450 000 Fans. Ein Rekord, von dem viele Ausstellungsmacher nur träumen können. Mit den Gewinnen konnten die Moritzburger kostbare Gläser, Tafelsilber der Wettiner und anderes Kunstgut für die Komplettierung ihrer Barockausstellung kaufen. Umso mehr überrascht die Ankündigung, dass die vierte Schau, die am 16. November eröffnet wird, die Letzte sein soll. Zumindest vorerst.

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„Wir sind stolz, dass wir das Interesse so aufrecht erhalten konnten“, sagt Schlosschefin Ingrid Möbius. „Aber es ist eine große Herausforderung, immer etwas Neues für die Präsentation zu finden. Kaum ein anderer Film ist so erforscht worden, wie dieser.“ Vor ein paar Jahren hatte das Schloss-Team Mut bewiesen, als es die erste Ausstellung erarbeitete und zeigte. Damals ausschließlich in den Sonderausstellungsräumen. „Jetzt haben wir entschieden, nach der neuen Schau erst einmal einen Schlussstrich zu ziehen“, sagt die Museumsleiterin. „Man soll vom Pferd absteigen, bevor es stirbt.“

Beerdigt werden soll das Aschenbrödel-Thema indes nicht. Denn im Winter 1972/73 war das Schloss einer der Drehorte des Kultfilms. Ingrid Möbius: „Er ist ein Teil der Schlossgeschichte geworden, aber eben nur einer.“ Was an Wissen über den Film zusammengetragen wurde, soll auch künftig in einer fest installierten Winterausstellung zu sehen sein. Wie genau die aussehen wird, soll in Ruhe entschieden werden. Darum gibt es nächstes Jahr auch eine Auszeit. „Das Schloss ist wie ein lebender Organismus“, sagt Ingrid Möbius. In den nächsten Jahren werden weitere Räume saniert, so unter anderem die Kurfürstenzimmer. In diesem Zusammenhang werde damit begonnen, die Dauerausstellung komplett zu überarbeiten. „Die wertvollen Neuankäufe können wir ja nicht einfach irgendwo dazu stellen, sondern wir brauchen für die Präsentation ein fundiertes Konzept“, sagt die Schlosschefin.

Mit dem Abschied von den aufwendigen Aschenbrödel-Winterausstellungen will die kleine Schloss-Mannschaft daher auch Kräfte bündeln, um neue Themen zu erschließen. Über den Kurfürstenzimmern soll beispielsweise in ehemaligen Depoträumen ein Quartier für neue Sonderausstellungen im Sommer entstehen. Dafür war seit dem Einzug von Aschenbrödel kein Platz mehr. „Mit den Sommerschauen wollen wir unsere Dauerausstellung ergänzen“, so die Museumsfrau. Dafür braucht es wissenschaftliche Vorarbeit, muss in Archiven und anderen Sammlungen geforscht werden. „Von denselben Leuten, die sich jetzt auch um Aschenbrödel kümmern.“

Nicht zuletzt gehört zum Moritzburger Schloss das Kleinod am Bärnsdorfer Großteich – das Fasanenschlösschen nebst Hofküchengebäude. In diesem, so verrät Ingrid Möbius, könnte es perspektivisch eine Ausstellung zur Sanierungsgeschichte des Schlösschens geben. „Auch Erläuterungen zum Zusammenhang zwischen den historischen Bauten und der gestalteten Landschaft in Moritzburg fehlen bisher völlig.“

In den zwei Wochen bis zum Beginn der Winterschau fordert aber jetzt erst noch einmal Aschenbrödel die ganze Aufmerksamkeit der Schlossleute. „Meine Mitarbeiter sagen, das wird die allerschönste Schau, die wir gemacht haben“, sagt die Schlosschefin. Sie will aber noch nicht viel verraten. Nur soviel – es geht um den Mythos Aschenbrödel. Warum berührt gerade dieser Film noch 40 Jahre nach seiner Entstehung Junge und Alte gleichermaßen?

In dem winterlich dekorierten Schloss werden rund 30 Originalkostüme gezeigt und zehn Schaubilder gestaltet. Viele davon sind komplett neu. Märchen und Filmdreh haben die Schlossleute zu überraschenden Illusionen inspiriert. Ob nun im Steinsaal oder im gerade restaurierten Festsaal. Der verwandelt sich für einen Winter lang in das, was er im Film nicht war – Aschenbrödels Ballsaal.