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Ascherklau im Freibad

Fast 70 Edelstahlbehälter sind schon verschwunden. Jetzt reicht’s dem Schwimmmeister. Er schaltet die Polizei ein.

© Thorsten Eckert

Von Constanze Knappe

Fünf mobile Aschenbecher verschwanden jetzt auf einmal in der Wasserwelt Steinigtwolmsdorf. Für Schwimmmeister Dieter Mehnert ist das der Gipfel der Dreistigkeit. „Mit einem Dummejungenstreich hat das nichts mehr zu tun“, sagt er. Und erstattete Anzeige.

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Vor Jahren hatte er solche Aschenbecher anderswo entdeckt und war begeistert. Damit lässt sich mit der weit verbreiteten Unsitte Schluss machen, dass Raucher ihre Kippen auf den Wiesen im Bad liegen lassen. Mit den mobilen Aschenbechern könnten die dagegen ohne größere Mühe entsorgt werden, was zweifellos zur Sauberkeit im Bad beiträgt. Die speziellen Raucherutensilien bestehen aus einem Erdspieß aus Edelstahl mit einem Griff daran sowie einem Becher aus Edelstahl. Die ersten ließ Dieter Mehnert 2010 bei Trumpf in Neukirch biegen. Alles in allem wurden 86 Stück angefertigt. Die hängen zur Selbstbedienung in der Wasserwelt. Von der ursprünglichen Idee, die mobilen Aschenbecher nur gegen einen Pfand an der Kasse auszuhändigen, war man schnell abgekommen, weil es viel zu umständlich sei und manchen Raucher womöglich vom Gebrauch abgehalten hätte. Viele Badegäste nutzen den Service gern und hängen den Aschenbecher beim Verlassen des Bades wieder an die Häuschen. Doch da die Edelstahlbecher kostenlos zu nutzen sind, meint wohl mancher, sie seien gänzlich umsonst zu haben. Jedenfalls sind von den 86 gerade noch 18 da. Nicht jeder Aschenbecher wurde gestohlen, mancher findet sich später in irgendeiner Hecke des Bades wieder. Die meisten aber sind und bleiben verschwunden. „Die sehen gut aus und passen gut zum Grillen oder auch sonst in jeden Garten“ sagt Dieter Mehnert. Das Verschwinden kann er sich nur damit erklären, dass die Teile über den Zaun geworfen und dann draußen eingesammelt oder in einer größeren Decke eingewickelt und damit unbemerkt durch den Ausgang geschmuggelt wurden. Dabei hatte er die Erdspieße in extralangen 50 Zentimetern anfertigen lassen. Um zu verhindern, dass sie eingesteckt werden in Badetasche oder Rucksack. „Wir können ja nicht auf bloßen Verdacht hin bei jedem Besucher eine Taschenkontrolle machen“, sagt Dieter Mehnert. Außerdem will er das auch nicht, da die meisten Badegäste ehrlich sind.

Bleibt der Ärger darüber, dass Anfang Juni gleich fünf Aschenbecher auf einmal verschwanden. Im Handel würde man 29 Euro pro Stück bezahlen. Die Anzeige wurde erstattet, um zu zeigen, dass die Mitarbeiter in der Wasserwelt von nun an gegen jeden Diebstahl konsequent vorgehen. Eine Brücke baut Dieter Mehnert den Dieben dennoch: „Wenn sie die Aschenbecher wieder vors Tor legen, wäre die Sache erledigt.“ Jedenfalls dieses Mal. Beim nächsten Mal gebe es keinen Pardon mehr.

Die mobilen Aschenbecher werden von den Rauchern im Bad in Steinigtwolmsdorf gern angenommen. Ob man diesen Service aber künftig noch wird anbieten können, vermag Dieter Mehnert nicht zu sagen. Die Gemeindeverwaltung könne nicht nebenbei mal so 1 000 Euro für die Neuanschaffung lockermachen. Ob jedoch Raucher ohne Aschenbecher selber ihre Kippen brav entsorgen, das darf bezweifelt werden. Schon jetzt würden an mancher Stelle so gute zehn Stück auf einem Haufen herumliegen. Vor allem auf der oberen Wiese, wo sich bevorzugt Jugend aufhält, sei das kein schöner Anblick. Doch weder Dieter Mehnert noch Schwimmmeister Bernd Hesse, der den Sommer über aus der Körse-Therme Kirschau ausgeliehen ist, haben Zeit dazu, die Kippen aufzulesen. Zuallererst sind sie für die Sicherheit der Badegäste im Wasser da. „Wir sprechen Besucher darauf an, ihren eigenen Dreck wegzuräumen“, erklärt Dieter Mehnert. Gerade zu Beginn der Saison sei das öfter als sonst nötig. In ganz hartnäckigen Fällen, wenn Besucher keine Einsicht zeigen, greift Dieter Mehnert zu einem drastischen Mittel: zum Badverbot. Allerdings sei das in seinen 14 Jahren als Schwimmmeister erst dreimal vorgekommen.