merken
PLUS Löbau

Warum wird der Asphalt in Kemnitz weich?

An den hitzigen Junitagen ist die Staatsstraße teilweise stark aufgeweicht. Anwohner haben Pflegearbeiten von 2017 in Verdacht. Der Kreis sieht andere Gründe.

Die Staatsstraße 129 durch Kemnitz war in der Junihitze punktuell so weich geworden, dass gesplittet werden musste.
Die Staatsstraße 129 durch Kemnitz war in der Junihitze punktuell so weich geworden, dass gesplittet werden musste. © Rafael Sampedro

Die Erregung ist hoch - ein Verdacht liegt nahe: Dort, wo der Kreis vor zwei Jahren die Staatsstraße 129 für rund 135.000 Euro einer speziellen Pflege unterzogen hat, gibt es jetzt die größten Probleme: Vom Ortseingang Kemnitz in Richtung Löbau bis zur Dorfmitte am früheren Kretscham war 2017 die Oberfläche abgefräst und eine Bitumen-Emulsion aufgebracht worden. Genau dort - so kritisierten jüngst Anwohner in der Bernstädter Ratssitzung - habe es an den warmen Tagen nun massive Probleme gegeben. Der Asphalt sei weich und schmierig geworden, mehrfach habe der Kreis Splitt gestreut - an einem Tag sogar zweimal.

Dachdeckermeister und Stadtrat Dirk Neumann hat die Probleme auf einer Baustelle hautnah erlebt. "Zweimal über die Straße gehen und man hat das Zeug an den Schuhen kleben und schleppt es in Haus und Hof", sagt er. Viele Anwohner klagen zudem über Lärmbelastung nach dem Splitten, weil die Rollgeräusche auf der Fahrbahn lauter werden. Hinzu kommt das Risiko von Unterboden-, Lack- und Glasschäden an den Fahrzeugen, wenn die kleinen Steinchen auch beim langsamen Fahren aufgewirbelt werden. "Was für Material ist da verbaut worden, wenn es am Ende genau das Gegenteil bewirkt?", fragt Neumann. Denn auf der unbehandelten Teilstrecke der S129 im Dorf - etwa ab dem alten Kretscham in Richtung Bernstadt - gebe es solche Probleme nicht. Auch Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste) kann den Ärger in und um Kemnitz verstehen, zumal schon vor zwei Jahren die Behandlung der Straße ohne Ankündigung geschah. Nun gibt es also wieder Probleme - aber vom Kreis keine Info.

Anzeige
Wandern mit Kindern: Das muss mit
Wandern mit Kindern: Das muss mit

Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Dass es auf einigen Abschnitten der S129 durch Kemnitz zum Teil zu Hitzeschäden auf dem Asphalt gekommen ist und fünfmal gesplittet wurde, bestätigt der Landkreis auf Nachfrage. An der 2017 aufgebrachten Bitumen-Emulsion könne es aber nicht liegen, betont Kreissprecherin Julia Bjar im Auftrag des Hoch- und Tiefbauamtes. "Die Schäden im benannten Abschnitt finden sich gleichermaßen auch an weiteren, sonnenexponierten Straßenabschnitten im Landkreis Görlitz wieder – es ist somit kein lokales Problem", betont Frau Bjar. Bei Lufttemperaturen von knapp 40 Grad Celsius heize sich die Straßenoberfläche bis zu 70 oder 80 Grad auf. Diese „höheren Gewalten“ könne kaum eine Straße schadlos überstehen, erst recht nicht, wenn diese - wie im vorliegenden Fall - zusätzlich von Schwerlastverkehr stark befahren werde, heißt es weiter.

In der Tat spricht einiges für die Argumentation des Kreises: Zum einen sind nach SZ-Recherchen ähnliche Probleme wie in Kemnitz an keinem anderen der ebenfalls mit der Bitumen-Emulsion versehenen Straßenabschnitte beispielsweise zwischen Kleinradmeritz und Bischdorf oder zwischen Großschweidnitz und Dürrhennersdorf aufgetaucht. Es seien aber an anderen Straßenabschnitten im Kreis ähnliche Phänomene beobachtet worden, die keine solche Oberflächenbehandlung erhalten hatten. Andererseits rollen über die S129 in Kemnitz viele Laster und schwere Landmaschinen. Diese Verkehrsbelastung, so argumentiert der Kreis, sei entscheidend. In einem solchen Fall zweimal am Tag Splitt aufzubringen, sei durchaus normal, teilt der Landkreis mit.

Kann man denn aber gegen das Aufweichen gar nichts tun? "Diese Probleme können nicht verhindert werden und sind fest als Unterhaltungsarbeiten im Straßenmeistereialltag einkalkuliert", teilt Kreissprecherin Julia Bjar mit. Für die Anwohner ist das kaum die ersehnte Antwort. Auch eine grundhafte Sanierung der Straße, die Bürgermeister Weise zeitnah fordert, dürfte dann das Problem kaum aus der Welt schaffen. Allerdings scheinen die Aufweichungserscheinungen tatsächlich sehr punktuelle Probleme zu sein: Don-Pedro-Eis-Chef Peter Lange, der direkt an der fraglichen Strecke wohnt, hat selbst keine größeren Schäden vor seiner Haustür wahrgenommen. Aber auch er bestätigt, dass viele große und schwere Fahrzeuge durchs Dorf rollen.

Die derzeit laufenden Fräsflickarbeiten, kürzlich beispielsweise in der Höhe des Waldbades in Bernstadt, haben mit der aktuellen Problematik allerdings nichts zu tun. Das seien die laufenden Unterhaltungsmaßnahmen der Straßenmeisterei Lawalde, wobei großflächig die schadhaften Stellen ausgefräst und mit neuem Asphaltmischgut aufgefüllt werden.

Mehr Lokales:

Löbau

Zittau

Mehr zum Thema Löbau