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Asyl im Feriendorf

Elf Familien aus Osteuropa sind in Langebrück untergebracht. Dresden ist mit der Zahl der Flüchtlinge überfordert.

Von Thomas Drendel

Grauer Himmel, Regenschauer ziehen über Langebrück hinweg. Doch trotz des widrigen Wetters ist ein Großteil der Zimmer im Feriendorf belegt. „Seit einigen Tagen leben elf asylsuchende Familien in der Anlage“, sagt der Langebrücker Ortschef Christian Hartmann (CDU). 40 Personen sind nach seinen Angaben dort untergebracht. Die Hälfte davon Kinder. „Sie kommen aus Serbien, Mazedonien sowie der Russischen Föderation“, sagt er.

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Bewohnen werden sie das Feriendorf jedoch nur für eine kurze Zeit. „Wir haben mit dem Betreiber vereinbart, dass wir die Ferienanlage bis zum 30. November nutzen. Bis dahin sind die Familien wieder ausgezogen“, sagt Bernd Opitz, Mitarbeiter der Dresdner Stadtverwaltung. Als Grund für den Zwischenstopp in Langebrück führt er fehlende Quartiere für Asylsuchende in Dresden an. „Die Stadt nimmt in diesem Jahr so viele Menschen auf wie in keinem der vorangegangenen Jahre“, sagt Bernd Opitz. Waren es 2011 noch 312 Personen, erhöhte sich die Zahl im vergangenen Jahr auf 408. „Noch im Februar 2013 gingen die Behörden für das laufende Jahr von maximal 554 Personen aus. Nach den letzten Prognosen soll sich die Zahl auf insgesamt 749 erhöhen.“

Bis zum Jahresende kommen wahrscheinlich jede Woche 40 bis 55 Asylsuchende nach Dresden. „Das stellt die Landeshauptstadt vor kaum zu bewältigende Probleme. Die kurzen Vorlaufzeiten machen es unmöglich, auf Dauer die wöchentlich ankommenden Flüchtlinge aufzunehmen und adäquat unterzubringen“, erklärt Bernd Opitz. Er hofft dennoch, dass es bis zum Jahresende gelingt, diesen Menschen geeignete Quartiere zuzuweisen. Die Platznot hätte aber auch vermieden werden können, sagt der Vorsitzende des Dresdner Ausländerrats, Sebastian Vogel. „Durch den Zustrom syrischer Flüchtlinge und die Unruhen in Nordafrika war schnell klar, dass auch Sachsen mehr Asylbewerber bekommt.“ Die Stadt hätte schon viel früher eine größere Zahl an Wohnungen auf Reserve mieten können, so Vogel.

Im Dresdner Norden schlug zumindest ein Projekt zur Unterbringung der Asylsuchenden fehl. Im September scheiterten die Pläne für ein neues Wohnheim mit 60 Plätzen in Klotzsche. Der Umbau der ehemaligen Gymnasium-Außenstelle hätte 730 000 Euro gekostet, eine Viertelmillion Euro mehr als zunächst gedacht. Diese Summe war der Stadt Dresden für das Wohnheim jedoch zu hoch.

Nach Ansicht der Stadtverwaltung wird für Flüchtlinge überhaupt zu wenig Geld bereitgestellt. Vom Land bekommt Dresden für jeden Asylbewerber 1 500 Euro im Quartal. Das reicht nicht, sagt Stadtsprecher Karl Schuricht. Denn jeder, der eine Mietwohnung sucht, kann feststellen, dass die Preise gestiegen sind. Nicht anders verhalte es sich bei der Anmietung von Wohnungen für Asylsuchende. Außerdem sind Strom und Heizung teurer geworden. Die tatsächlichen Kosten für einen Flüchtling bewegen sich laut Rathaus zwischen 2 400 und 2 900 Euro im Quartal. Die Differenz zahlt Dresden aus dem Haushalt, von 2007 bis 2012 waren das jährlich zwischen 1,5 Millionen und 2,9 Millionen Euro.

Nach den Vorfällen in Schneeberg, wo es Demonstrationen gegen die Unterbringung von Asylsuchenden gab, weiß auch Christian Hartmann um die Sensibilität des Themas. Er spricht sich dennoch für die Unterbringung der Flüchtlinge aus. „Deutschland hat die moralische Verpflichtung, Menschen aus Kriegsgebieten oder politisch Verfolgte aufzunehmen.“ (mit sr)