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Wer in dem mysteriösen Bus gesessen hat

Ein Foto im Netz lässt die Gerüchteküche kochen: Von heimlich aus Polen geschleusten Asylsuchenden ist die Rede. Die wahre Geschichte aber ist eine andere.

Sind über diesen Grenzübergang an der Zittauer Chopinstraße tatsächlich Asylsuchende geschleust worden?
Sind über diesen Grenzübergang an der Zittauer Chopinstraße tatsächlich Asylsuchende geschleust worden? © Matthias Weber/photoweber.de

Das Foto zeigt einen mit Bauzäunen und Gittern abgesperrten Grenzübergang zu Polen, vermutlich den an der Zittauer Chopinstraße. Ein Bus und zwei dunkle Pkw sind darauf zu sehen, die direkt bis an die Absperrung herangefahren sind. Und schnell wird die Frage diskutiert: Werden hier etwa heimlich bei Nacht und Nebel Asylsuchende über die Grenze nach Deutschland gebracht? 

Für eine solche These allerdings gibt es keinerlei Anhaltspunkte. "Die Grenzübergänge sind von der polnischen Seite derart verbarrikadiert, die lassen sich nicht so einfach öffnen", sagt Michael Engler, der Sprecher der Bundespolizei in Ludwigsdorf. Die Bundespolizisten wüssten von einem solchen Vorgang, wenn er sich denn ereignet hätte, ist Engler sich sicher.

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Er hält es viel eher für möglich, dass der Bus zu einem Konvoi mit deutschen Staatsbürgern aus der Ukraine gehört hat, der vielleicht am falschen Übergang gelandet ist. Der Konvoi war der Bundespolizei per E-Mail von der grenzpolizeilichen Verbindungsstelle aus Warschau für den vergangenen Freitagabend angekündigt worden. 40 Deutsche, die noch in der Ukraine waren, sollten so nach Hause gebracht werden - allerdings über den offiziellen Übergang in Ludwigsdorf. "Ob der Konvoi tatsächlich gerollt ist, wissen wir aber nicht", so Engler.

Polnische Soldaten helfen beim Sichern der Grenzen

Eine noch naheliegendere Erklärung dafür, wer in dem Bus gesessen haben könnte,  liefert Wojciech Blasiak, der Bürgermeister von Bogatynia (Reichenau). Er hat auf der Internetseite der Stadt erklärt, dass in Bogatynia derzeit zahlreiche Soldaten der polnischen Armee untergebracht sind, die im Dreiländereck bei der Sicherung der geschlossenen Grenzen helfen sollen. 

Es geht dabei auch um die Kontrolle der geschlossenen Übergänge. Vor allem aber sollen die Soldaten an der Grenze zu Tschechien eingesetzt werden, die nicht durch einen Fluss getrennt ist. Blasiak beklagt hier unter anderem eine wachsende Kriminalität, darunter auch den Drogenschmuggel. In Scharen, so beschwert sich der Bürgermeister, würden die Menschen beispielsweise die Grenze zwischen dem polnischen Kopaczow (Oberullersdorf) und dem tschechischen Nachbarort Oldrichow (Ullersdorf) passieren. Die polnischen Soldaten sollen jetzt helfen, das zu verhindern. 

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In diesem Zusammenhang beschreibt der Bürgermeister auch die zusätzlichen Kosten, die auf seine Gemeinde zukommen. Die Unterbringung und Verpflegung der Soldaten wird die Stadt rund 60.000 Zloty (rund 15.000 Euro) kosten. Er hofft, dass er das Geld vom Staat zurückbekommt. 

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