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Asylbewerber kommen in Freiberg unter

Die drei Heime im Kreis sind voll. In Freiberg wird jetzt angebaut. Ein zusätzliches Heim mit 100 Plätzen kommt nächstes Jahr.

© dpa

Von Peggy Zill

Dass der Kreis ein viertes Asylbewerberheim braucht, ist lange bekannt. Weil nun schon in den kommenden zwei Wochen 57 Flüchtlinge anreisen werden, für die in den Heimen in Döbeln, Mobendorf und Freiberg nicht genügend Platz ist, mietet der Kreis Wohnungen in Freiberg an. Die Campanet GmbH, die bereits das Heim in Freiberg betreibt, hat die zwei oberen Etagen eines Plattenbaus in einem Gewerbegebiet ausgebaut. Die ersten Bewohner kommen schon diese Woche.

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Die Vorfälle von Schneeberg sollen sich in Mittelsachsen nicht wiederholen. Als im Erzgebirge eine Erstaufnahme-Einrichtung eröffnet wurde, waren viele Einwohner verunsichert. Die NPD nutzte das aus und rief zu Demonstrationen auf. Die Schlagzeilen kratzten nicht nur am Image der Stadt, auch Touristen stornierten ihre Buchungen. Die hiesige Kreisverwaltung will es besser machen. Deshalb gab es gestern eine eilig einberufene Pressekonferenz. Der Ausländerbeauftragten Annett Schrenk wäre es zwar am liebsten, wenn das nicht nötig gewesen wäre. „Vor dem Hintergrund Schneeberg ist es aber die richtige Entscheidung“, so Schrenk, die hofft, dass das Thema Asylbewerber in Zukunft nicht mehr für Diskussionen oder Proteste sorgt. „Jeder sollte sich einmal in die Lage eines Flüchtlings aus einem Kriegs- oder Krisengebiet versetzten“, sagt auch der Freiberger Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm. „Es ist wichtig, den Menschen vorurteilsfrei zu begegnen.“

Familien bekommen Wohnungen

Alle Anwohner und Betriebe im Umkreis der Unterkunft sind von der Kreisverwaltung angeschrieben worden. Auch mit den Bewohnern des Hauses habe man gesprochen. Mit den neuen Nachbarn hätten diese keine Probleme. „Wir haben erst vor einer Woche erfahren, wie viele Flüchtlinge wir aufnehmen müssen“, erklärt Jörg Höllmüller vom Landratsamt. Zunächst sei man davon ausgegangen, dass die Kapazitäten ausreichen. „Besonders Familien und Flüchtlinge, die seit Langem in Deutschland sind, versuchen wir in Wohnungen unterzubringen“, so Höllmüller. Das gehe allerdings nicht von heute auf morgen. Aktuell sind 63 Asylbewerber dezentral untergebracht. Für 33 weitere wird der Umzug vorbereitet.

Die 57 Neuankömmlinge, die im Dezember erwartet werden, stammen aus Libyen, Serbien, Indien, Syrien, Pakistan und Georgien. Davon beziehen 19 die frisch renovierten Wohnungen in Freiberg. Gleichzeitig soll das Heim an der Chemnitzer Straße im kommenden Jahr einen Anbau für 69 weitere Plätze erhalten. Über eine Erweiterung des Döbelner Heims sei ebenfalls nachgedacht worden. „Aus Kostengründen haben wir den Ausbau abgelehnt“, erklärt Ramona Noetzel, die Leiterin der Ausländerbehörde. Sie schätzt, dass auch im kommenden Jahr der Zustrom der Flüchtlinge nicht abnehmen wird. Offizielle Zahlen sind zwar noch nicht bekannt gegeben worden, allerdings sollen es bundesweit rund 140 000 Ausländer sein, die 2014 ins Land kommen. Mehr als 500 davon könnten dann in Mittelsachsen landen. Darum wird wohl auch die vierte Gemeinschaftsunterkunft gut belegt sein. Gesucht wird eine Immobilie, in der Platz für 100 Asylbewerber ist. Wo das neue Heim entsteht, ist laut Jörg Höllmüller noch völlig offen, weil die Ausschreibung noch gar nicht veröffentlicht ist. Allerdings kursieren Gerüchte, dass Döbeln oder Roßwein in Betracht gezogen werden. Das könne laut Höllmüller daran liegen, dass sich bereits einige Hauseigentümer bei der Verwaltung mit Immobilienangeboten gemeldet hätten. Verwaltungsmitarbeiter hätten sich einige angeschaut. Entschieden ist aber noch nichts.