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„Asylbewerber sollten in Wohnungen untergebracht werden“

Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) macht sich für die dezentrale Unterbringung stark. Das habe viele Vorteile, sagt er.

Herr Lemm, der Landkreis setzt auf zentrale, große Asylbewerberheime. Sie sehen das kritisch. Warum?

Weil man die Flüchtlinge, vor allem Familien, meiner Meinung nach viel besser integrieren könnte, wenn sie auf viele Orte verteilt in Wohnungen untergebracht würden, statt sie in großen Heimen an einzelnen Orten zu konzentrieren. Der Landkreis Bautzen muss beispielsweise aktuell mehr Asylsuchende aufnehmen, als geplant. Dafür wird ein Heim in Hoyerswerda eröffnet – würde man die Menschen verteilen, würden vielleicht fünf Asylsuchende nach Radeberg kommen. Um die können wir uns doch besser kümmern, als um eine große Anzahl in einem großen Heim.

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Wie zum Beispiel?

Nun, wir könnten ja zum Beispiel Vereine ins Boot holen. Vielleicht spielt eines der Kinder ja Fußball. Das funktioniert doch viel einfacher, wenn man einzelne Kinder in eine Mannschaft integriert, als wenn es vielleicht 20 Kinder auf einmal sind …

Radeberg muss aktuell keine Asylbewerber aufnehmen, weil der Kreis auf zentrale Heime – wie das in Kamenz – setzt. Würden Sie mit Ihrer Idee nicht auch mit den Asylbewerbern Probleme nach Radeberg holen? Aufmärsche rechtsgerichteter Populisten, wie jüngst in Schneeberg zum Beispiel?

Das sehe ich gerade nicht so! Ich bin überzeugt, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung viel größer wäre, wenn man Flüchtlingsfamilien dezentral unterbringt. Und ich denke auch, dass die Probleme – die es in großen Heimen nun mal immer geben kann – bei einer dezentralen Unterbringung nicht so gravierend wären.

Es geht zwar in erster Linie um Menschen, aber eben auch um Kosten – und es heißt immer, dass die zentrale Unterbringung eben auch preiswerter sei.

Vielleicht ist das auf den ersten Blick ein bisschen preiswerter, mag sein. Aber rechnet man dann beispielsweise bei rechten Aufmärschen wie jüngst in Schneeberg die Kosten für die Polizei hinzu, sieht die Sache schon wieder anders aus. Ich denke, letztlich wäre die dezentrale Unterbringung kostengünstiger. Auch, wenn das nicht im Vordergrund stehen sollte.

Der Landkreis hat sich anders entschieden. Glauben Sie, dass sich diese Sicht noch einmal ändern könnte?

Ich bin überzeugt, dass wir auf Dauer gar nicht drum herumkommen werden, als auf dezentrale Lösungen zu setzen. Vor allem im Interesse der Asylsuchenden!

Gespräch: Jens Fritzsche