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Asylbewerber ziehen ins Sporteck

30 Flüchtlinge sollen in dem Haus mit der alten Gaststätte unterkommen. Vorher will die Stadt mit den Anwohnern reden.

© Arvid Müller

Von Philipp Siebert

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In den Fenstern hängen keine Gardinen. Rollläden versperren teilweise den Blick ins Innere. Die Eingangstür in den Gasthof ist verschlossen. Nichts tut sich im Sporteck in Neusörnewitz – noch nichts. Spätestens Anfang März wird sich das ändern. Dann werden die ersten Asylbewerber ihre neuen Wohnungen an der Köhlerstraße beziehen. „Der Besitzer des Hauses hat uns die Räume als Asylunterkunft angeboten“, sagt Ulrich Zimmermann, Beigeordneter im Landratsamt Meißen. Die Offerte nahm die Behörde dankend an. Immerhin rechnet das Amt damit, in diesem Jahr etwa 1 000 neue Flüchtlinge aufzunehmen.

Sechs Wohnungen werden in den nächsten Wochen für die Flüchtlinge hergerichtet. „Pro Wohnung kommen vier bis fünf Leute unter“, sagt der Flüchtlingsbeauftragte Zimmermann. Insgesamt haben 30 Asylbewerber Platz. Der ehemalige Gastraum soll zudem als Treffpunkt für die Neuankommlinge umgebaut werden. Die Mitarbeiter der Diakonie, die für die Betreuung der Vertriebenen verantwortlich sind, hätten so eine Anlaufstelle. Und auch die Mitglieder der neu gegründeten Initiative „Coswig – Ort der Vielfalt“, die Asylbewerbern bei der Integration mit Deutschkursen und Patenschaften unterstützen möchte, könnten den Raum nutzen.

Bevor die Flüchtlinge in die ehemalige Gaststätte einziehen, will Zimmermann jedoch mit den Neusörnewitzern reden. Für morgen Abend haben er und Coswigs Oberbürgermeister Frank Neupold (parteilos) die Anwohner zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Dort wollen sie den Bürgern die Pläne im Detail vorstellen. „Zuletzt wurde uns ja immer vorgeworfen, wir würden die Bürger nicht ausreichend informieren“, sagt Zimmermann.

Der Infoabend sei der Versuch, die Anwohner ein Stück weit mitzunehmen – und Vorurteile abzubauen. Der Mann aus dem Landratsamt weiß, dass viele Bürger Angst vor den Fremden haben. „Ich verstehe, dass manche Menschen Vorurteile haben, etwa, dass Asylbewerber generell kriminell sind“, sagt er. Der Infoabend könne helfen, diese Ängste abzubauen.

Eines stellt Zimmermann jedoch von vornherein klar: Es gehe nicht darum, die Neusörnewitzer um Erlaubnis zu fragen, sondern darum, sie über die neue Unterkunft aufzuklären. Dazu sei später auch ein Tag der offenen Tür in der neuen Unterkunft geplant. „Die Bürger können dann sehen, wie die Leute leben. Mit Luxus hat das nichts zu tun“, sagt Zimmermann.

Rathauschef Frank Neupold hält die neue Unterkunft in seiner Stadt für eine gute Möglichkeit – auch wenn sie etwas außerhalb des Zentrums gelegen ist. „S-Bahn und Bus gibt es aber gleich vor Ort“, sagt er, „abgeschnitten wären die Flüchtlinge also nicht.“ Daher sei es denkbar, im Umfeld der neuen Unterkunft drei bis vier weitere städtische Wohnungen für Asylbewerber bereitzustellen. Abgemacht sei bisher aber nichts, betont das Stadtoberhaupt.

Zurzeit leben 64 Migranten in Coswig. Es sind Familien, die alle in Wohnungen im Wohnquartier an der Dresdner Straße untergebracht sind. Noch mehr sollen dort aber nicht hinzukommen, sagt Neupold.

Zuletzt waren immer wieder Gerüchte aufgekommen, dass der leergezogene Wohnblock an der Lindenauer Straße zum Asylbewerberheim ausgebaut werden soll. „Das ist absoluter Blödsinn“, kommentiert der Rathauschef das Gerede. Richtig sei, dass der Block seit einiger Zeit nicht mehr bewohnt ist. „Aber nur, damit ihn die WBV abreißen kann“, stellt der Oberbürgermeister klar. Freiwillig noch mehr Vertriebenen eine Unterkunft im Stadtzentrum anbieten will Neupold nicht.

Die Stadt habe auch Verantwortung gegenüber den Bürgern, die in den Mietshäusern ihr Zuhause haben. Das Gebiet entwickele sich durch den Umbau sehr gut. Neue Unruhepole sollten dort nicht geschaffen werden, sagt er. „Alle Kommunen im Landkreis müssen jetzt Flüchtlinge aufnehmen“, sagt er. Coswig habe sein Soll mit den 30 neuen Asylbewerbern schon erfüllt.

Die Infoveranstaltung zur Unterbringung von Asylbewerbern im ehemaligen Sporteck in Neusörnewitz findet am Donnerstag um 18 Uhr im Speisesaal der Firma ALHO, Köhlerstraße 1-3, in Neusörnewitz statt.

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